Wie man Olivenöl zu Hause verkostet

Drei abgedeckte blaue Verkostungsgläser mit Apfelscheiben, Wasser und Notizblock

2010 kaufte ein Team der UC Davis um Edwin Frankel in Kalifornien 52 Olivenöle von 19 Marken und ließ sie sensorisch prüfen. Von den importierten Ölen, die als nativ extra im Regal standen, fielen 69 Prozent durch. Bei den kalifornischen waren es 10 Prozent. Der Internationale Olivenölrat (IOC) bemängelte damals die kleine Stichprobe und die unbekannte Lagerung, und die Untersuchung ist alt und regional begrenzt. Trotzdem steckt in ihr ein guter Grund, das eigene Öl ab und zu kritisch zu probieren.

Ein Labor braucht es dafür nicht. Zwei oder drei kleine Gläser, Handwärme, ein Apfel und eine ruhige Viertelstunde genügen. Die Schritte unten sind eine vereinfachte Fassung des Verfahrens, nach dem amtliche Prüfergruppen gemäß der IOC-Norm arbeiten.

Gläser, Apfel, Ruhe

Zwei bis vier Öle sind genug. Auch der IOC sieht höchstens vier Proben je Sitzung vor, weil die Sinne danach ermüden. Jedes Öl bekommt ein eigenes kleines Glas. Profis verkosten aus einem genormten, dunkelblauen Glas, damit die Farbe das Urteil nicht lenkt. Zu Hause tun es kleine Weingläser, bauchige Schnapsgläser oder Espressotassen, und um die Farbe auszublenden, nimmt man dunkle Gläser oder lässt jemand anderen einschenken.

Außerdem auf den Tisch:

  • kleine Untersetzer, Bierdeckel oder Uhrgläser zum Abdecken
  • ein säuerlicher Apfel in dünnen Scheiben
  • stilles Wasser mit Raumtemperatur und etwas ungesalzenes Weißbrot
  • Zettel und Stift

Eine halbe Stunde vorher nicht rauchen und keinen Kaffee trinken, kein Parfüm auflegen, die Hände mit unparfümierter Seife waschen. Prüfer sollen nach der IOC-Norm zudem eine Stunde vorher nichts essen. Zu Hause genügt es, nicht direkt vom Mittagstisch aufzustehen. Am besten klappt es am Vormittag.

Drei abgedeckte blaue Verkostungsgläser mit Apfelscheiben, Wasser und Notizblock

Vom Einschenken bis zur Apfelscheibe

Sieben Schritte, und keiner davon ist kompliziert.

  1. Einschenken und abdecken. Etwa ein Esslöffel Öl je Glas, die IOC-Norm nennt 14 bis 16 ml. Sofort abdecken, sonst verfliegen die Aromen. Für eine Blindprobe die Gläser auf der Unterseite nummerieren und eine zweite Person einschenken lassen. Das lohnt sich, denn wer weiß, welches Öl das teure ist, schmeckt es meistens auch heraus.
  2. Anwärmen. Das Glas in die hohle Hand nehmen, mit der anderen Hand abdecken und sanft schwenken, bis das Öl die Glaswand benetzt. Angepeilt sind etwa 28 Grad, bei dieser Temperatur prüfen auch die Profis. Kaltes Öl duftet kaum. Fühlt sich das Glas so warm an wie die Hand, ist es so weit, meist nach ein bis zwei Minuten.
  3. Riechen. Abdeckung weg, Nase ins Glas, ruhig und tief einatmen. Höchstens etwa 30 Sekunden, danach stumpft der Geruchssinn ab. Kurze Pause, dann noch einmal. Zuerst geht es schlicht darum, ob es nach frischen Oliven riecht oder nach etwas anderem. Grüne Fruchtigkeit erinnert an frisch gemähtes Gras, Tomatenblatt, Artischocke oder grünen Apfel, reife an reifen Apfel, Mandel, Banane oder Nüsse. Riecht das Öl nach nichts, nach Wachsmalstiften oder nach feuchtem Keller, deutet das auf einen Fehler.
  4. Schlürfen. Einen kleinen Schluck nehmen, etwa einen halben Teelöffel, die IOC-Norm spricht von rund 3 ml. Das Öl im ganzen Mund verteilen, vorn auf der Zunge, an den Seiten, hinten am Gaumen. Dann die Zähne leicht schließen und mit gespitzten Lippen ein paarmal Luft durch das Öl ziehen. Italienische Verkoster nennen das strippaggio. Elegant klingt es nicht. Aber so wandern die Aromen über den Rachen von hinten in die Nase, und manches, was beim Riechen gefehlt hat, taucht erst jetzt auf.
  5. Bitterkeit suchen. Sie sitzt vor allem hinten auf der Zunge, wo die großen Wallpapillen in einem V liegen. Ein junges Öl aus grünen Oliven kann deutlich bitter sein, ähnlich wie Chicorée oder grüner Tee. Bitterkeit zählt zu den positiven Merkmalen. Spannend ist eher, ob sie zur Fruchtigkeit passt oder sie zudeckt.
  6. Schlucken und die Schärfe spüren. Ein Teil des Öls muss hinunter, denn die Schärfe meldet sich erst im Rachen, als Kratzen oder Brennen, manchmal mit einem kurzen Husten. Auch der IOC empfiehlt, zur Bewertung etwas zu schlucken. Verantwortlich ist vor allem Oleocanthal, ein Polyphenol, das einen Reizrezeptor im Rachen anspricht. Nach drei kräftigen Ölen hintereinander versteht man, warum Prüfer einen Spucknapf neben sich stehen haben.
  7. Neutralisieren und notieren. Eine Apfelscheibe kauen, ausspucken oder essen, mit Wasser nachspülen. Den Apfel empfiehlt die IOC-Norm ausdrücklich, Brot, Grissini oder Naturjoghurt gehen auch. Für Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe je eine Zahl von 0 bis 10 aufschreiben, dazu auffällige Noten. Erst danach kommt das nächste Glas an die Reihe, und zwar vom mildesten Öl zum kräftigsten.

Ranzig, stichig, modrig

Ob ein Öl nach Artischocke oder nach Mandel duftet, ist Geschmackssache. Im Alltag zählt vor allem, ob etwas nicht stimmt. Die IOC-Norm beschreibt die typischen Fehler samt Ursachen, und mit Vergleichen aus der Küche lernt man, Fehlaromen zu erkennen, auch ohne Prüferausbildung.

Fehler Erinnert an Ursache laut IOC
Ranzig Wachsmalkreide, alte Walnüsse, Fensterkitt starke Oxidation, meist altes oder falsch gelagertes Öl
Stichig, schlammig eingelegte schwarze Oliven, Gärkeller Oliven vor dem Pressen gelagert und vergoren, oder Öl zu lange auf dem Bodensatz
Modrig, feucht, erdig Pilze, feuchter Keller Pilz- und Hefebefall der Früchte, ungewaschene Oliven mit Erde
Weinig, essigartig Essig, Wein, Nagellackentferner Gärung in den Oliven oder in Pressresten
Erfroren nasses Holz Oliven am Baum vom Frost geschädigt
Hitze, verbrannt Gekochtes, Karamell zu starkes oder zu langes Erwärmen bei der Verarbeitung

Am häufigsten begegnet einem zu Hause Ranzigkeit. Sie entsteht auch in einem ursprünglich guten Öl, wenn es zu alt, zu warm oder zu hell steht, und deshalb macht die Lagerung von Olivenöl mehr aus, als viele denken. Dan Flynn vom Olive Center der UC Davis vergleicht natives Öl lieber mit frisch gepresstem Orangensaft als mit einem Vorratsprodukt. Sein Rat lautet, Öl aus dem laufenden Erntejahr zu kaufen und in ein bis zwei Monaten aufzubrauchen.

Hände wärmen ein blaues Verkostungsglas mit Olivenöl an

Öl A gegen Öl B

Am meisten lernt man mit zwei sehr verschiedenen Ölen nebeneinander. Ein günstiges Supermarktöl gegen ein frisches aus der aktuellen Ernte zum Beispiel, oder ein mildes gegen ein intensives. Erst im direkten Vergleich wird greifbar, was Fruchtigkeit eigentlich bedeutet. Nicht wenige merken dabei zum ersten Mal, dass ihr gewohntes Öl kaum nach Olive schmeckt.

Als Notizblatt reicht eine einfache Tabelle:

Merkmal Öl A Öl B
Fruchtigkeit (0 bis 10), grün oder reif
Typische Noten (Gras, Tomate, Apfel, Mandel ...)
Bitterkeit (0 bis 10)
Schärfe (0 bis 10)
Fehler (ranzig, stichig, modrig ...)
Passt zu welchem Gericht

Auf die genaue Zahl kommt es nicht an, es geht ums Benennen von Unterschieden. Legt man die eigenen Werte neben die offiziellen Stufen leicht, mittel und intensiv, entsteht schnell ein Gefühl dafür, welches Olivenöl wozu taugt.

Ob einem Bitterkeit und Schärfe gefallen, ist übrigens stark eine Frage der Gewöhnung. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Food Science kam 2025 zu dem Schluss, dass Verbraucher in Anbauregionen grüne Farbe, Bitterkeit und Schärfe schätzen. In Ländern mit wenig oder gar keiner Produktion werden dieselben Merkmale eher abgelehnt. Ein intensives Öl, das beim ersten Mal unangenehm war, verdient also eine zweite und eine dritte Chance.

Wo die eigene Zunge an Grenzen stößt

Eine amtliche Prüfung ersetzt das alles nicht. Für eine offizielle Einstufung braucht es eine anerkannte Prüfergruppe aus 8 bis 12 geschulten Leuten, deren Urteile statistisch über den Median zusammengefasst werden, so wie es der Panel-Test vorsieht. Einzelne Menschen schwanken in ihrer Wahrnehmung. Manche Fehler in geringer Intensität fallen nur auf, wenn man sie gezielt trainiert hat.

Für den Hausgebrauch reicht das Verfahren trotzdem gut. Ein deutlich ranziges oder stichiges Öl erkennt fast jeder, der einmal bewusst daran gerochen hat. Und nach ein paar Runden ist man weniger auf die Versprechen des Etiketts angewiesen, weil man weiß, wie frisches Öl riecht. Mit dem Kühlschranktest und anderen Hausmitteln zur Ölprüfung kommt man dagegen kaum weiter, über die Qualität sagen sie wenig aus.

Notizblatt mit Verkostungsnotizen neben zwei Gläsern Olivenöl und Apfel

Häufige Fragen

Warum verkosten Profis aus blauen Gläsern?

Die Farbe soll das Urteil nicht lenken. Ein grünes Öl wirkt frischer, sagt aber wenig über Qualität oder Geschmack. Zu Hause tun es auch dunkle oder normale kleine Gläser.

Muss ich das Öl schlucken?

Einen Teil schon, weil sich die Schärfe erst im Rachen zeigt. Bei mehreren Ölen kann man den Rest ausspucken.

Ist es schlecht, wenn ich nach dem Schlucken husten muss?

Im Gegenteil. Das Kratzen kommt von Oleocanthal und gilt als positives Merkmal frischer Öle.

Wozu der Apfel?

Eine Apfelscheibe nimmt die Ölreste aus dem Mund und neutralisiert den Geschmack. Die IOC-Norm empfiehlt sie ausdrücklich, danach mit Wasser nachspülen.

Quellen

Teilen Sie den Beitrag:

Oliven Öl wie es sein sollte

Immer frisch (kalt gelagert), reich an Polyphenolen (mind. 400 mg/kg), lichtgeschützt abgefüllt.

Wir lieben gutes Olivenöl und wollen genau wissen, was drin ist. Deshalb gibt es O'Liv: Bio, kalt gepresst, nativ extra und direkt aus Griechenland. O'Liv PLUS hat mindestens 950 mg/kg Polyphenole. Für die tägliche Küche gibt es O'Liv Daily mit mindestens 400 mg/kg. Und geerntet wird ohne Vogelsterben.

Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl ein.

O'Liv the better Oil

O'Liv PLUS

O'Liv PLUS Flasche

Sehr hoher Polyphenolgehalt: Mindestens 950 mg/kg.

Reich an Vitamin E: 32,4 mg je 100 g.

Kräftiger Geschmack: Reichhaltig und intensiv, pur als Shot oder über kalte Speisen.

O'Liv Daily

O'Liv Daily, natives Bio-Olivenöl extra im 1-Liter-Kanister

Jetzt im 1-Liter-Kanister: Lichtdicht verpackt, auch als 2, 3 und 6 Liter.

Mindestens 400 mg/kg Polyphenole: Regelmäßig laborgeprüft.

Für die kalte und warme Küche: Bio, von Hand gepflückte Koroneiki-Oliven aus Achaia, kalt gepresst und ungefiltert.

Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl ein.

Ähnliche Beiträge

Blaue Verkostungsgläser, Probenfläschchen und ein Olivenzweig auf einem Holztisch

Olivenöl-Glossar von A bis Z

Von Agourelaio bis Zweiphasenverfahren: Das Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe rund um Olivenöl, Güteklassen, Laborwerte, Sorten und Ölmühle in wenigen Sätzen und verweist auf die ausführlichen Beiträge im Wiki.

Mehr lesen
Olivenernte mit Handkämmen und Netzen unter alten Olivenbäumen

Die Olivenernte, Fragen und Antworten zur neuen Saison

Auf der Nordhalbkugel werden Oliven von Oktober bis Januar geerntet. Für die Saison 2026/27 erwartet Spanien rund 1,6 Millionen Tonnen Öl, Griechenland etwa 300.000 Tonnen, Italien weniger als im Vorjahr. Die Erzeugerpreise sind gesunken, im Laden kommt das mit Verzögerung an.

Mehr lesen