1,53 mmHg. Um diesen Betrag lag der untere Blutdruckwert in der Olivenölgruppe der spanischen PREDIMED-Studie nach vier Jahren niedriger als in der Kontrollgruppe. Beim oberen Wert gab es gar keinen Unterschied. Das ist die größte Studie zu Olivenöl und Blutdruck, und sie zeigt, wie bescheiden die Datenlage hier ist.
Beim Typ-2-Diabetes sieht es anders aus. Dort fanden mehrere große Auswertungen bei hohem Olivenölverbrauch deutlich weniger Neuerkrankungen, und die Einzelstudien widersprechen sich kaum. Entzündungswerte liegen irgendwo dazwischen. Gemeinsam ist allen drei Themen, dass die meisten Studien Blutwerte messen und nicht Krankheiten, dass die Effekte klein sind und dass sich das Öl oft nicht vom Rest der Ernährung trennen lässt.
Das hat mit der Methode zu tun. Entweder beobachtet man über Jahre große Gruppen und vergleicht Vielverbraucher mit Wenigverbrauchern, dann bekommt man echte Krankheitsfälle, kann aber Ursache und Begleitumstand nicht trennen. Oder man teilt Menschen per Los zu und misst nach einigen Wochen oder Monaten Blutdruck, Blutzucker oder Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP). Dann ist die Ursache klar, erfasst sind aber nur Messwerte. Hinzu kommt, dass viele Studien eine Mittelmeerdiät prüfen, in der Olivenöl eine Zutat unter vielen ist. Bessert sich dann der Blutdruck, kann es am Öl liegen, am Gemüse oder am Gewicht.

Weniger neue Diabetesfälle
Am dichtesten sind die Daten zum Risiko, überhaupt an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Der wichtigste Baustein kommt wieder aus PREDIMED. Für eine Unterauswertung, die 2014 in den Annals of Internal Medicine erschien, betrachtete Jordi Salas-Salvadó 3.541 Teilnehmer, die zu Beginn keinen Diabetes hatten. Über 4,1 Jahre erkrankten in der Olivenölgruppe 16,0 Personen je 1.000 Personenjahre neu, in der Kontrollgruppe 23,6. Die Hazard Ratio lag bei 0,60. Die Nussgruppe landete dazwischen, ohne gesicherten Unterschied zur Kontrolle. Bemerkenswert daran: Abnehmen oder Kalorien sparen sollte in PREDIMED niemand. Einen Haken hat die Auswertung trotzdem, sie entstand vor der Korrektur der PREDIMED-Randomisierung von 2018.
Die Beobachtungsstudien zeigen in dieselbe Richtung. Eine Metaanalyse, die Lukas Schwingshackl mit Kollegen 2017 in Nutrition and Diabetes veröffentlichte, kam über vier Kohortenstudien mit 15.784 Diabetesfällen auf ein um 16 Prozent niedrigeres Risiko in der Gruppe mit dem höchsten Olivenölverbrauch. Breiter angelegt war eine Arbeit aus Navarra, 2022 in Clinical Nutrition. Miguel Martínez-González und sein Team rechneten mit 680.239 Teilnehmern und fanden je 25 Gramm Olivenöl am Tag ein um 22 Prozent niedrigeres Risiko. Ungewöhnlich für Ernährungsdaten war, wie wenig sich die Einzelstudien widersprachen.
Gern wird an dieser Stelle auch PREDIMED-Plus angeführt. Übergewichtige Teilnehmer mit metabolischem Syndrom, die zusätzlich Kalorien einsparten und sich mehr bewegten, hatten dort über sechs Jahre 31 Prozent weniger neue Diabetesfälle, berichteten Ruiz-Canela und Kollegen 2025 in den Annals of Internal Medicine. Nur aßen beide Gruppen mediterran mit Olivenöl. Den Unterschied machten Gewichtsabnahme und Bewegung, das Öl hatten beide.

Wenn der Diabetes schon da ist
Für Menschen mit bestehendem Diabetes fasste die Metaanalyse von 2017 zusätzlich Interventionsstudien zusammen. Mit Olivenöl sank der Langzeitblutzucker HbA1c im Mittel um 0,27 Prozentpunkte stärker als in den Kontrollgruppen und der Nüchternblutzucker um 0,44 mmol/l. Die Vergleichsgruppen bekamen dabei meist andere Fette oder Diäten. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass ihr Ergebnis für Olivenöl als Lebensmittel gilt und sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Inhaltsstoffe übertragen lässt.
Ein praktischer Punkt geht in der Diskussion oft unter. Ein Esslöffel Olivenöl bringt rund 90 Kilokalorien mit. Kommt er jeden Tag zusätzlich zu allem anderen auf den Teller, steigt über die Monate eher das Gewicht, und Übergewicht ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für Typ-2-Diabetes. In PREDIMED nahmen die Olivenölgruppen trotz reichlich Öl nicht zu. Dort ersetzte das Öl aber andere Fette, und eine Diätassistentin begleitete die Umstellung. Die günstigen Zahlen gehören deshalb zu Olivenöl als Ersatz, nicht als Zugabe.
Woran es biologisch liegen könnte, ist offen. Diskutiert wird eine bessere Insulinempfindlichkeit, wenn einfach ungesättigte Fette gesättigte ersetzen, außerdem eine Wirkung der Polyphenole auf Entzündung und oxidativen Stress. Für sich allein trägt keine dieser Erklärungen.
Entzündungswerte sinken ein wenig
Chronische, niedriggradige Entzündung gilt als einer der Treiber von Arteriosklerose und Diabetes. Olivenöl steht im Verdacht, hier günstig zu wirken, vor allem wegen seiner Polyphenole. Im Mittelpunkt steht das Oleocanthal, das im Labor bestimmte Entzündungsenzyme ähnlich hemmt wie Ibuprofen. Im Öl steckt davon allerdings viel weniger als in einer Tablette.
Die gründlichste Zusammenfassung legten Lukas Schwingshackl, Mirjam Christoph und Georg Hoffmann 2015 in Nutrients vor, mit 30 randomisierten Studien und 3.106 Teilnehmern. Nach Olivenöl-Interventionen sank das CRP im Mittel um 0,64 mg/l stärker als in den Vergleichsgruppen, auch das Interleukin-6 ging etwas stärker zurück. Die Gefäßerweiterung nach kurzem Durchblutungsstopp, ein Maß für die Funktion der Gefäßinnenwand, verbesserte sich um 0,76 Prozentpunkte. Zur Vorsicht mahnen die Autoren selbst, denn mal wurde Olivenöl als Zusatz gegeben, mal als Teil einer Diät, und die Vergleichskost war nie dieselbe.
Was heißen 0,64 mg/l? Kardiologische Fachgesellschaften in den USA teilen das hochsensitive CRP grob in drei Bereiche. Unter 1 mg/l gilt als niedriges, 1 bis 3 mg/l als mittleres und über 3 mg/l als erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Gut ein halbes Milligramm kann jemanden von einem Bereich in den nächsten schieben, muss es aber nicht. Und ob ein durch Ernährung gesenktes CRP auch Herzinfarkte seltener macht, ist eine eigene Frage, die niemand beantwortet hat.
Aus PREDIMED stammt eine kleinere Auswertung mit 164 Teilnehmern, 2014 in PLoS One erschienen, Erstautorin Rosa Casas. Nach zwölf Monaten Mittelmeerdiät mit 50 ml nativem Olivenöl extra am Tag lagen mehrere Entzündungsmarker, darunter CRP und Interleukin-6, deutlich unter denen der fettarmen Kontrollgruppe. Bei so wenigen Menschen und so vielen gemessenen Markern liest man einzelne große Prozentwerte besser mit Abstand.
Die EFSA prüfte 2011 eine Angabe zu entzündungshemmenden Eigenschaften von Olivenöl-Polyphenolen und lehnte sie als nicht belegt ab. In der EU darf Olivenöl deshalb nicht mit Entzündungshemmung beworben werden.
Beim Blutdruck widersprechen sich die Studien
Zurück zu den 1,53 mmHg vom Anfang. Sie stammen aus einer Auswertung, die Estefanía Toledo 2013 in BMC Medicine veröffentlichte, mit allen 7.447 PREDIMED-Teilnehmern über vier Jahre. In allen drei Gruppen besserte sich die Blutdruckeinstellung, auch in der fettarmen Kontrollgruppe. Nur der diastolische Wert lag am Ende in der Olivenölgruppe niedriger, der systolische nicht. Für eine ganze Bevölkerung ist ein solcher Effekt nicht bedeutungslos. Spüren wird ihn kaum jemand.
Ganz anders fiel eine kleine Studie aus Sevilla aus, 2012 im American Journal of Hypertension. Die Gruppe um Rafael Moreno-Luna gab 24 jungen Frauen mit hochnormalem Blutdruck oder leichtem Bluthochdruck je zwei Monate lang ein polyphenolreiches und ein polyphenolfreies Olivenöl, doppelt verblindet und in wechselnder Reihenfolge. Nach dem polyphenolreichen Öl lag der systolische Blutdruck um 7,9 mmHg und der diastolische um 6,7 mmHg unter dem Ausgangswert. Nach dem polyphenolfreien Öl tat sich nichts. Das sind beachtliche Werte, gemessen an 24 Personen. Ein interessanter Hinweis also, der erst noch in größeren Studien bestehen muss.
Eine beantragte Angabe zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks durch Olivenöl-Polyphenole hat die EFSA ebenfalls abgelehnt. Eine laufende Blutdruckbehandlung umzustellen, weil man jetzt anderes Öl kauft, geben diese Daten nicht her.
Die Belege nach Gewicht sortiert
- Am meisten Gewicht hat das Diabetesrisiko. Eine randomisierte Unterauswertung, mehrere große Kohorten und Metaanalysen zeigen durchweg in die günstige Richtung, überwiegend handelt es sich aber um Beobachtung.
- Beim Blutzucker von Diabetikern stützen kleinere randomisierte Studien einen kleinen günstigen Effekt auf den HbA1c.
- Für Entzündungsmarker gibt es 30 randomisierte Studien mit sehr unterschiedlichem Aufbau. Die Richtung ist günstig, das Ausmaß unsicher.
- Am wenigsten trägt der Blutdruck. Eine PREDIMED-Auswertung und eine kleine Crossover-Studie kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen, in PREDIMED sank nur der diastolische Wert, und das wenig.
Olivenöl als Hauptfett in einer Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und wenig Zucker geht demnach mit einem geringeren Diabetesrisiko einher. Für die Blutfette gibt es zusätzlich einen zugelassenen Health Claim zu Olivenöl-Polyphenolen, der an 20 g Olivenöl am Tag und mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und Derivate je 20 g gebunden ist. Für Blutdruck und Entzündung reicht die Studienlage noch nicht für feste Aussagen.
Den Esslöffel Öl auf nüchternen Magen als Mittel gegen Bluthochdruck oder Diabetes stützt keine der genannten Studien, und auch sonst spricht wenig dafür, Olivenöl pur zu trinken. Wie sich die Befunde in die Forschung zu Herzinfarkt und Schlaganfall einfügen, zeigt der Überblick zu Olivenöl und Herz-Kreislauf. Und wer die Schwächen der spanischen Großstudie genauer kennen will, findet sie bei der PREDIMED-Studie samt Rückzug und Neuauswertung.
Häufige Fragen
Senkt Olivenöl den Blutdruck?
In PREDIMED lag der diastolische Blutdruck in der Olivenölgruppe um 1,5 mmHg niedriger als in der Kontrollgruppe, der systolische nicht. Eine kleine Studie mit 24 Frauen fand größere Effekte. Gesichert ist das nicht.
Hilft Olivenöl bei Diabetes?
In Studien mit Diabetikern sank der HbA1c-Wert mit Olivenöl im Mittel um 0,27 Prozentpunkte stärker als mit Vergleichskost. Eine Behandlung ersetzt das nicht.
Was zeigen Studien zu Olivenöl und Entzündungswerten?
In randomisierten Studien sanken Entzündungsmarker wie CRP leicht. Eine entsprechende Werbeaussage für Olivenöl-Polyphenole hat die EFSA aber als nicht belegt abgelehnt.
Spielt die Ölqualität eine Rolle?
Studien, die polyphenolreiches mit polyphenolarmem Öl vergleichen, deuten darauf hin. In den großen Beobachtungsstudien wird die Qualität meist nicht erfasst.
Quellen
- Schwingshackl L, Christoph M, Hoffmann G (2015): Effects of Olive Oil on Markers of Inflammation and Endothelial Function. Nutrients, Metaanalyse von 30 randomisierten Studien
- Casas R et al. (2014): The effects of the Mediterranean diet on biomarkers of vascular wall inflammation and plaque vulnerability. PLoS One, randomisierte Studie, 164 Teilnehmer
- Toledo E et al. (2013): Effect of the Mediterranean diet on blood pressure in the PREDIMED trial. BMC Medicine, randomisierte Studie, 7.447 Teilnehmer
- Moreno-Luna R et al. (2012): Olive oil polyphenols decrease blood pressure and improve endothelial function in young women with mild hypertension. American Journal of Hypertension, randomisierte Crossover-Studie, 24 Frauen
- Salas-Salvadó J et al. (2014): Prevention of diabetes with Mediterranean diets: a subgroup analysis of a randomized trial. Annals of Internal Medicine, 3.541 Teilnehmer
- Schwingshackl L et al. (2017): Olive oil in the prevention and management of type 2 diabetes mellitus. Nutrition and Diabetes, Metaanalyse
- Martínez-González MA et al. (2022): Effect of olive oil consumption on cardiovascular disease, cancer, type 2 diabetes, and all-cause mortality. Clinical Nutrition, Metaanalyse
- Ruiz-Canela M et al. (2025): Energy-Reduced Mediterranean Diet and Physical Activity Versus Ad Libitum Mediterranean Diet in the Prevention of Type 2 Diabetes (PREDIMED-Plus). Annals of Internal Medicine
- EFSA (2011): Scientific Opinion on health claims related to polyphenols in olive. EFSA Journal 9(4):2033

