Baba Ganoush, das rauchige Auberginenmus

Baba Ganoush mit Olivenöl, Granatapfelkernen und Minze, daneben Fladenbrot

Das cremige Auberginenmus mit Sesampaste, das hierzulande im Kühlregal als Baba Ganoush steht, würde in Amman oder Beirut oft anders heißen. Viele Familien dort nennen diese Fassung Moutabal und meinen mit Baba Ganoush einen stückigen Auberginensalat mit Tomate, Paprika und Kräutern, ganz ohne Tahini. Gemeinsam ist beiden der Kern: Auberginen, die über offener Flamme schwarz geröstet werden, bis das Fruchtfleisch nach Rauch schmeckt. Und ein Schuss Olivenöl, der am Ende darüberläuft.

Das Rezept hier folgt der Variante mit Tahini, weil sie in Deutschland unter dem Namen Baba Ganoush gesucht und gegessen wird. Die Salatfassung kommt mit denselben Auberginen aus und braucht nur zehn Minuten mehr Schnippelarbeit.

Baba Ganoush für vier

Zutaten

  • 2 große Auberginen (zusammen etwa 800 g)
  • 60 g helles Tahini
  • 2 EL frisch gepresster Zitronensaft
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 1/2 TL Salz
  • 2 EL Naturjoghurt nach Belieben
  • 2 EL Olivenöl nativ extra, mittel bis intensiv fruchtig
  • 1 EL Granatapfelkerne und einige Blätter frische Minze oder Petersilie

Zubereitung

  1. Die Auberginen rundum mehrmals mit einer Gabel einstechen, damit sie beim Rösten nicht platzen.
  2. Direkt auf die Gasflamme oder auf den heißen Holzkohlegrill legen und 15 bis 20 Minuten rösten, dabei alle paar Minuten drehen, bis die Haut überall schwarz und rissig ist und die Früchte in sich zusammenfallen.
  3. Die Auberginen in eine Schüssel legen, mit einem Teller abdecken und 10 Minuten ruhen lassen.
  4. Längs aufschneiden, das Fruchtfleisch mit einem Löffel aus der Haut kratzen und verkohlte Hautstücke entfernen. Ein paar schwarze Pünktchen dürfen bleiben.
  5. Das Fruchtfleisch in einem Sieb 15 Minuten abtropfen lassen und die bräunliche Flüssigkeit wegschütten.
  6. Den Knoblauch mit dem Salz auf dem Brett zu einer Paste zerdrücken.
  7. Das Fruchtfleisch mit einer Gabel oder einem großen Messer grob zerkleinern, dann Tahini, Zitronensaft, Knoblauchpaste und nach Belieben den Joghurt unterrühren und abschmecken.
  8. Flach auf einem Teller verstreichen, das Olivenöl darübergießen und mit Granatapfelkernen und Minze bestreuen.

Zeit: etwa 15 Minuten Arbeit und 30 Minuten für Rösten und Abtropfen. Lauwarm schmeckt es am rundesten, kalt aus dem Kühlschrank wirkt der Rauch gedämpfter.

Zwei Auberginen mit verkohlter Schale garen direkt über der Gasflamme

Ohne Flamme fehlt der Rauch

Der Geschmack von Baba Ganoush entsteht an der Haut. Wenn sie über offener Flamme verkohlt, dämpft das Fruchtfleisch im eigenen Saft und nimmt gleichzeitig Röstaromen auf. Eine Aubergine, die nur im Ofen weich gebacken wird, ergibt ein mildes, etwas süßliches Mus. Das ist essbar und auch gut, erinnert aber eher an Auberginenpüree.

Ein Gasherd ist die einfachste Lösung. Der Herd wird dabei schmutzig, ein Stück Alufolie um den Brenner spart das Putzen. Am Holzkohlegrill wird es noch rauchiger. Ohne beides bleibt der Backofengrill: höchste Stufe, Auberginen auf die oberste Schiene, 40 bis 50 Minuten, alle zehn Minuten wenden. In der Heißluftfritteuse werden ganze, eingestochene Auberginen bei 200 Grad in 30 bis 35 Minuten weich. Die Haut verkohlt dort aber kaum, und so fehlt das Rauchige weitgehend. Ein Hauch geräuchertes Paprikapulver gleicht das etwas aus, traditionell ist es nicht.

Zwei Fehler kommen häufig vor. Der erste ist der Mixer: Püriertes Auberginenfleisch wird glatt und leicht schleimig, mit der Gabel zerdrückt behält es Struktur. Der zweite ist das fehlende Abtropfen. Die Flüssigkeit aus gerösteten Auberginen schmeckt leicht bitter und verwässert das Mus, nach einer Stunde im Kühlschrank steht sonst eine Pfütze auf dem Teller.

Hier darf das Olivenöl Kante zeigen

Bei Hummus ist ein mildes Öl die sichere Wahl. Bei Baba Ganoush ist das anders. Rauch, Sesam und Knoblauch sind so kräftig, dass ein mittel bis intensiv fruchtiges Öl mit grasigen Noten und deutlicher Schärfe gut dagegenhält. Ein mildes Öl ist hier fast verschwendet, man schmeckt es nicht.

Die Schärfe im Hals stammt von Polyphenolen wie Oleocanthal, und wie viel davon ein Öl mitbringt, hängt von Sorte und Erntezeitpunkt ab. Wer wissen will, woher das Bittere und Scharfe im Olivenöl kommt und warum es bei frischem Öl stärker ist, findet dort die Erklärung. Eine Einordnung nach Gerichten bietet die Übersicht welches Olivenöl zu welchem Essen passt. Da das Öl roh obendrauf kommt, bleibt sein Aroma vollständig erhalten.

Zwei Esslöffel sind ein Minimum. Es darf ruhig so viel sein, dass sich das Öl am Tellerrand sammelt. Mit Fladenbrot aufgewischt ist das der beste Teil.

Baba Ganoush mit Olivenöl, Granatapfelkernen und Minze, daneben Fladenbrot

Vater des Verwöhnten

Bābā bedeutet im Arabischen Vater und wird liebevoll gebraucht. Ġannūj kann ein Personenname sein, wird aber auch als verwöhnt oder kokett gedeutet. Daraus entstehen Übersetzungen wie Vater der Koketterie oder verwöhnter Papa. Ob der Vater ein Mensch ist, den das Gericht verwöhnt, oder die Aubergine selbst, weiß niemand. Das Wörterbuch von Hans Wehr ordnete bābā ghanūj 1979 dem syrischen und libanesischen Arabisch zu.

Mit der Bezeichnung gehen die Länder unterschiedlich um. In Jordanien und in vielen libanesischen Familien steht Moutabal (auch mutabbal) für die Fassung mit Tahini und oft Joghurt, Baba Ganoush für den Salat aus gehackter gerösteter Aubergine, Tomate, Paprika, Petersilie und Olivenöl. Andere Quellen drehen die Namen um, und auf Speisekarten außerhalb der Region werden beide ohnehin gemischt. In Syrien kommt gelegentlich Schafskäse in das Mus, in Palästina und Jordanien gibt es Moutabal auch aus Kürbis.

In der Türkei heißt das Gericht babaganuş oder abugannuş. Besonders in Hatay, der Provinz um Antakya an der syrischen Grenze, gehört es zur regionalen Küche. Im April 2026 hat das türkische Patent- und Markenamt Hatay abugannuş als geografische Angabe eingetragen, zusammen mit sechs weiteren Spezialitäten der Provinz.

Die Salatfassung und Zucchini

Für den stückigen Auberginensalat, den viele im Libanon und in Jordanien Baba Ganoush nennen, werden die gerösteten, abgetropften Auberginen nur grob gehackt. Dazu kommen zwei kleine gewürfelte Tomaten, eine halbe grüne Paprika, eine Frühlingszwiebel, eine Handvoll gehackte Petersilie, Zitronensaft, Salz und vier Esslöffel Olivenöl. Manche geben Granatapfelsirup und gehackte Walnüsse dazu. Hier trägt das Öl den ganzen Salat, ein fruchtiges, frisches Öl lohnt sich besonders.

Eine Variante mit Zucchini funktioniert nach demselben Prinzip. Zucchini enthalten aber mehr Wasser, deshalb gehören sie länger ins Sieb, mindestens eine halbe Stunde. Ich röste sie lieber halbiert auf dem Grill als ganz auf der Flamme, weil sie sonst außen verbrennen, bevor sie innen weich sind. Wer ein ganzes Meze-Brett plant, kombiniert das Mus mit Hummus und einem Petersiliensalat wie Tabouleh. Auberginen in Olivenöl geschmort gibt es übrigens auch in Griechenland, als Imam bayildi aus der Familie der Ladera-Gerichte.

Aufbewahren und einfrieren

Im Kühlschrank hält Baba Ganoush in einer geschlossenen Dose zwei bis drei Tage. Der rohe Knoblauch wird mit der Zeit schärfer, und die Granatapfelkerne verlieren Farbe, deshalb erst kurz vor dem Servieren dazugeben. Einfrieren geht, allerdings besser vor dem Würzen: Das abgetropfte, geröstete Fruchtfleisch portionsweise einfrieren und nach dem Auftauen nochmals abtropfen lassen, dann frisch mit Tahini, Zitrone und Knoblauch anmachen. Fertig gewürzt eingefroren wird es nach dem Auftauen oft wässrig und der Knoblauch schmeckt muffig.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Baba Ganoush und Moutabal?

In Jordanien und vielen Teilen des Libanon ist Moutabal das cremige Mus mit Tahini und Joghurt, Baba Ganoush ein stückiger Salat aus gerösteter Aubergine mit Tomate und Kräutern. Außerhalb der Region werden beide Namen meist für die Variante mit Tahini verwendet.

Welche Zutaten gehören in ein originales Baba Ganoush?

Über der Flamme geröstete Aubergine, Tahini, Zitronensaft, Knoblauch, Salz und Olivenöl. Joghurt, Granatapfel, Minze oder Kreuzkümmel sind verbreitete Ergänzungen.

Kann man Baba Ganoush in der Heißluftfritteuse machen?

Ja, ganze eingestochene Auberginen werden bei 200 Grad in 30 bis 35 Minuten weich. Das Ergebnis schmeckt milder, weil die Haut nicht verkohlt.

Kann man Baba Ganoush einfrieren?

Am besten nur das geröstete, abgetropfte Fruchtfleisch, bis etwa drei Monate. Tahini, Zitrone und Knoblauch kommen nach dem Auftauen frisch dazu.

Quellen


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