Was ist Squalan aus Oliven?

Laborglas mit wasserhellem raffiniertem Öl neben nativem Olivenöl und Oliven

Squalan ist ein farbloses, fast geruchloses Öl, das sich leicht auf der Haut verteilt und kaum einen Fettfilm hinterlässt. Chemisch ist es ein gesättigter Kohlenwasserstoff mit 30 Kohlenstoffatomen. Gewonnen wird es, indem man Squalen härtet, also Wasserstoff anlagert. Das Squalen dafür kam früher fast ausschließlich aus Haifischleber, heute zum größten Teil aus Oliven, ein kleinerer Teil aus Zuckerrohr.

Ein Buchstabe trennt die beiden Stoffe, und der Unterschied ist für Kosmetik entscheidend. Squalen hat sechs Doppelbindungen und reagiert leicht mit Sauerstoff, es wird ranzig. Squalan hat keine mehr und hält sich jahrelang.

Der Name verrät die Herkunft der Entdeckung. Der japanische Chemiker Mitsumaru Tsujimoto fand den Stoff Anfang des 20. Jahrhunderts im Leberöl von Tiefseehaien und benannte ihn nach der Haigattung Squalus, den Dornhaien. Dass dieselbe Verbindung auch in Oliven, Amarant und in jeder menschlichen Talgdrüse vorkommt, wusste man damals noch nicht.

Squalen steckt im Olivenöl und in unserer Haut

Olivenöl gehört zu den squalenreichsten Pflanzenölen. Eine portugiesische Übersicht von 2022 nennt bis zu 0,5 Prozent, eine italienische Arbeit von 2025 rund 564 Milligramm je 100 Gramm. In einem Liter Olivenöl stecken also einige Gramm Squalen. Ein großer Teil davon geht bei der Raffination verloren, natives Olivenöl behält es. Über seinen Beitrag zur Haltbarkeit des Öls wird diskutiert, über seine Rolle in der Ernährung ebenfalls, beides ist ein eigenes Thema und gehört in die Küche.

Auch die menschliche Haut bildet Squalen. Bis zu 12 Prozent der Fette auf der Hautoberfläche sind Squalen, es stammt aus den Talgdrüsen. Dort hat es eine Schattenseite: Unter UV-Licht oxidiert es zu Squalenperoxiden, die nach heutigem Verständnis bei Mitessern und Akne mitwirken. Wer sich deshalb Sorgen um Squalan macht, kann beruhigt sein. Ohne Doppelbindungen kann es nicht auf diese Weise oxidieren.

Vom Raffinationsrückstand zum Pflegeöl

Direkt aus nativem Olivenöl wird kaum Squalen gewonnen, das wäre zu teuer und zu schade um das Öl. Der Rohstoff ist das Desodorierungsdestillat. Wenn Ölmühlen und Raffinerien Lampantöl oder Oliventresteröl raffinieren, dampfen sie im letzten Schritt unter Vakuum und Hitze Geruchsstoffe und freie Fettsäuren ab. Im Kondensat sammelt sich Squalen zusammen mit Tocopherolen und Pflanzensterinen. Nach der portugiesischen Übersicht kann der Squalenanteil dieses Destillats um 80 Prozent liegen. Italienische Analysen von Destillaten aus Tresteröl fanden 224 bis 452 Milligramm Squalen je Gramm.

Danach folgen drei Schritte:

  1. Das Squalen wird abgetrennt und gereinigt, meist durch Destillation unter Vakuum, manchmal nach einer Umesterung der Fettsäuren.
  2. Mit Wasserstoff und einem Metallkatalysator wird es gehärtet. Für Kosmetik muss das Squalan mehr als 92 Prozent rein sein und eine Iodzahl unter 1 haben, besser unter 0,1, also praktisch keine Doppelbindungen mehr.
  3. Zum Schluss wird es filtriert und entfärbt, bis ein klares, geruchloses Öl übrig bleibt.

Squalan aus Oliven ist damit ein Erzeugnis aus dem Rest der Olivenölwirtschaft, ähnlich wie Tresteröl selbst oder die Stoffe, die sich aus dem Abwasser der Ölmühlen gewinnen lassen. An Bio-Olivenöl aus der Flasche erinnert davon nichts mehr.

Laborglas mit wasserhellem raffiniertem Öl neben nativem Olivenöl und Oliven

Olive, Zuckerrohr oder Hai

Herkunft Weg zum Squalan Anmerkung
Haifischleber Leberöl destillieren, Squalen härten einfach und billig, Tiefseehaie sind überfischt
Olive Squalen aus dem Desodorierungsdestillat, härten nach einer Übersicht von 2022 rund 55 Prozent des Weltmarkts
Zuckerrohr Hefe vergärt Zucker zu Farnesen, das wird verknüpft und gehärtet gleiche Endsubstanz, gentechnisch veränderte Hefe
Amarant Squalen aus dem Samenöl bisher geringe Mengen

Haifischleber war lange die bequemste Quelle. Bei manchen Tiefseehaien macht die Leber einen großen Teil des Körpers aus, und ihr Öl besteht zu 40 bis 80 Prozent aus Squalen, eine einzige Vakuumdestillation liefert über 98 Prozent reines Produkt. Der Preis dafür ist die Überfischung langsam wachsender Arten. Umweltverbände haben über Jahre Druck gemacht, und viele Kosmetikhersteller sind auf pflanzliches Squalan umgestiegen. Die Environmental Justice Foundation deckte 2013 allerdings auf, dass Haifisch-Squalan auch als Oliven-Squalan ausgegeben oder damit verschnitten wurde.

Squalan aus Zuckerrohr entsteht auf einem ganz anderen Weg. Gentechnisch veränderte Hefen vergären Zuckerrohrsaft zu Farnesen, einem kleineren Kohlenwasserstoff, das anschließend zu Squalan verknüpft und gehärtet wird. Chemisch ist das Ergebnis dasselbe Molekül wie das Squalan aus Oliven. Welche Quelle ökologisch besser abschneidet, hängt an Faktoren wie Anbaufläche, Energieeinsatz und Transport, eine unabhängige Vergleichsrechnung habe ich nicht gefunden. Für die Haut macht es keinen Unterschied, solange die Reinheit stimmt.

Pipettenflasche mit klarem Öl, ein Tropfen auf der Fingerspitze, daneben Olivenzweig

Was es auf der Haut tut

Squalan ist ein Emollient, ein Weichmacher für die Haut. Es legt sich in die oberste Hornschicht, glättet sie und bremst die Verdunstung von Wasser etwas, ohne so schwer zu wirken wie Vaseline. Es gilt als gut verträglich und als kaum komedogen, Allergien sind selten. Weil es nicht oxidiert, braucht ein reines Squalan-Öl keine Konservierung und riecht auch nach Monaten nicht ranzig. Hersteller nutzen es außerdem als Trägeröl, um fettlösliche Wirkstoffe wie Vitamin E in die Haut zu bringen.

Die Werbung verspricht oft mehr: Schutz vor Hautalterung, Reparatur nach der Sonne, weniger Falten. Die Belege dafür stammen vor allem aus dem Labor. In einer polnischen Zellstudie von 2025 milderte Squalan in sehr kleinen Konzentrationen die Folgen von UVA-Licht auf Bindegewebszellen. Das ist Grundlagenforschung an Zellen in der Schale. Klinische Studien mit reinem Squalan an größeren Gruppen von Menschen sind rar, und die meisten Produkte enthalten es ohnehin gemischt mit anderen Stoffen.

In der Praxis reichen zwei bis vier Tropfen für das ganze Gesicht. Am besten verteilt man sie auf noch leicht feuchter Haut oder über einer wasserhaltigen Pflege, dann hält das Öl die Feuchtigkeit etwas länger in der Hornschicht. In die Haarspitzen gegeben, glättet ein Tropfen abstehende Enden, ohne dass das Haar strähnig wird, wie es bei schweren Ölen schnell passiert. Weil Squalan unpolar ist, löst es auch Make-up und Sonnencreme an und steckt deshalb in Reinigungsölen und Reinigungsbalsamen, die als Squalane Cleanser verkauft werden.

Squalan ersetzt also keine Creme mit Feuchthaltemitteln, wenn die Haut sehr trocken ist. Als Finish auf einer Feuchtigkeitspflege, als Öl für die Nagelhaut oder für trockene Haarspitzen funktioniert es gut. Für Menschen, die auf reines Olivenöl auf der Haut mit Rötungen reagieren, kann es eine Alternative sein, weil es keine Ölsäure enthält.

Etikett, Preis und Testsieger

Auf der Zutatenliste nach INCI steht nur Squalane, egal ob das Öl aus Oliven, Zuckerrohr oder Haifischleber stammt. Die Herkunft nennt der Hersteller freiwillig, etwa als olive-derived oder plant-derived. Steht gar nichts dabei, bleibt sie offen. Squalene, mit e, ist der ungehärtete Rohstoff und in Kosmetik seltener, weil er oxidiert.

Reine Squalan-Öle aus Drogerien und von bekannten Kosmetikmarken unterscheiden sich vor allem in Herkunft, Reinheit und Flasche, chemisch ist der Inhalt bei guter Ware praktisch gleich. Preisunterschiede um das Fünffache für 30 Milliliter erklären sich eher über Marke und Marketing. Ein Testsieger-Siegel sagt bei einem Reinstoff wenig, solange der Test nicht die Herkunft analysiert hat. Für ein reines Squalan-Öl reichen wenige Tropfen, auf Gesicht oder Haar verteilt. Wie die gleiche Olive auch in fester Form in der Pflege landet, zeigt die Olivenölseife von Kastilien bis Marseille.

Häufige Fragen

Ist Squalan dasselbe wie Olivenöl?

Nein. Squalan ist ein einzelner, gehärteter Bestandteil, der aus Resten der Olivenölraffination gewonnen wird. Es enthält weder Ölsäure noch Polyphenole.

Squalan aus Oliven oder aus Zuckerrohr, was ist besser?

Chemisch ist es dasselbe Molekül. Unterschiede liegen in der Rohstoffquelle und der Herstellung, nicht in der Wirkung auf der Haut.

Woran erkenne ich, dass kein Haifisch-Squalan drin ist?

Nur an der freiwilligen Angabe des Herstellers, etwa olive-derived oder plant-derived. Die INCI-Bezeichnung Squalane verrät die Herkunft nicht.

Verstopft Squalan die Poren?

Es gilt als kaum komedogen und wird auch bei fettiger Haut oft vertragen. Anders ist es beim ungehärteten Squalen, das an der Luft oxidiert.

Quellen

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