Ende März im Keller: Der Olivenbaum hat den Winter überstanden, aber unter ihm liegt ein Teppich aus gelben Blättern. Das sieht dramatischer aus, als es meist ist. Olivenblätter leben in der Regel zwei bis drei Jahre, und im Frühjahr wirft der Baum einen Teil der alten Blätter ab, kurz bevor er neu austreibt. Fallen vor allem ältere Blätter innen an den Zweigen, während die Triebspitzen grün und fest bleiben, ist das der normale Wechsel.
Anders sieht es aus, wenn ganze Äste gelb werden, wenn junge Blätter an den Spitzen betroffen sind oder wenn Flecken, Beläge und Knoten dazukommen. Dann lohnt ein genauer Blick, und die folgende Tabelle hilft beim ersten Sortieren.
| Was man sieht | Wahrscheinliche Ursache | Was hilft |
|---|---|---|
| Ältere Blätter innen werden gelb und fallen im Frühjahr, Spitzen grün | natürlicher Blattwechsel | nichts tun |
| Viele Blätter gelb, Erde dauerhaft feucht, Topf schwer | Staunässe, Wurzelfäule | Gießen einstellen, Abfluss prüfen, notfalls umtopfen |
| Blattfall im Winterquartier, lange dünne Triebe | zu dunkel und zu warm | heller und kühler stellen |
| Ganzer Baum gleichmäßig blassgrün bis gelblich, schwacher Austrieb | Nährstoffmangel, oft Stickstoff | im Frühjahr düngen |
| Runde dunkle Flecken mit hellem Hof, vor allem unten in der Krone | Pfauenaugenkrankheit | Laub entfernen, Krone lichten, trocken halten |
| Raue, warzige Wucherungen an Zweigen | Olivenknoten | bei trockenem Wetter herausschneiden |
| Klebrige, glänzende Blätter, später schwarzer Belag, braune Höcker | Schildläuse mit Rußtau | abstreifen, Krone lichten, Öl-Präparat |
| Einzelne Äste welken plötzlich, Blätter vertrocknen am Zweig | Verticillium-Welke | tote Äste entfernen, keine Heilung |
Nasse Wurzeln sind der häufigste Grund
Bei Kübelbäumen nennen Gartenratgeber wie Öko-Test Staunässe als häufigste Ursache für gelbes Laub. Die Olive stammt aus Gegenden mit trockenem Sommer und steinigen Böden. Steht das Wasser im Untersetzer oder ist die Erde verdichtet, fehlt den Wurzeln Luft, sie faulen, und der Baum kann trotz nasser Erde kein Wasser mehr in die Blätter bringen. Die Blätter werden gelb, dann braun, und fallen.
Die Probe ist einfach. Finger zwei, drei Zentimeter tief in die Erde stecken: Ist sie dort nass, obwohl seit Tagen nicht gegossen wurde, liegt hier das Problem. Ein Kübel braucht ein Abflussloch, eine Drainageschicht aus Kies oder Blähton und am besten kleine Füße, damit Wasser ablaufen kann. Gegossen wird erst, wenn der Ballen oben abgetrocknet ist. Riecht die Erde faulig und sind die Wurzeln braun und matschig statt hell und fest, hilft nur, den Baum in frische, durchlässige Erde zu setzen und kranke Wurzeln abzuschneiden. Die Grundlagen von Gießen, Erde und Topf bilden das Herzstück der Pflege im Kübel.
Licht, Wärme und Hunger
Im Winterquartier fällt der zweithäufigste Fehler an. Ein Olivenbaum, der in einem warmen, dunklen Raum steht, treibt weiter, kann aber kaum Photosynthese betreiben. Er bildet dünne, bleiche Triebe und wirft Blätter ab. Hell und kühl, also etwa zwischen 5 und 12 Grad, ist besser als warm. Bei schwachem Licht hilft es, den Baum regelmäßig zu drehen oder eine Pflanzenlampe aufzuhängen. Keller mit Fenster, Garage mit Lichtband oder ungeheizter Wintergarten, beim Überwintern des Olivenbaums hat jede Lösung ihre Haken.
Wird der ganze Baum im Sommer gleichmäßig blass und treibt schwach aus, fehlt ihm vermutlich Nahrung. In einem Kübel ist der Vorrat an Nährstoffen nach ein, zwei Jahren aufgebraucht. Eine Düngung von Frühjahr bis Spätsommer mit einem Dünger für mediterrane Pflanzen reicht meist. Mehr hilft nicht mehr, Überdüngung schadet den Wurzeln eher als ein leichter Mangel. Beim Düngen des Olivenbaums kommt es mehr auf den Zeitpunkt an als auf die Menge, ab Herbst bekommt er nichts mehr.

Pfauenauge, die typische Pilzkrankheit
Die Pfauenaugenkrankheit trägt ihren Namen wegen ihrer Flecken. Auf der Blattoberseite entstehen erst rußige Stellen, dann runde, dunkle Flecken von etwa 2,5 bis 12 Millimetern, oft mit gelbem Hof und ringförmigen Zonen in Olivgrün, Grau und Braun. Erreger ist der Pilz Venturia oleaginea, in älterer Literatur Spilocaea oleagina. Befallene Blätter werden gelb und fallen vorzeitig, besonders im unteren Teil der Krone. Starker Blattverlust schwächt die nächste Blüte und kann Zweige absterben lassen.
Der Pilz liebt feuchtes, mildes Wetter. Nach Angaben der Universität von Kalifornien infiziert er Blätter zwischen etwa 2 und 27 Grad, am besten bei 14 bis 24 Grad, und braucht dafür rund 48 Stunden Nässe auf dem Blatt, bei wärmerem Wetter auch nur 14 Stunden. Neue Infektionen entstehen deshalb vor allem im Herbst und Winter mit Regen. Ein Baum, der in einer engen, feuchten Ecke steht oder dessen Krone sehr dicht ist, erwischt es eher. Die Sorte Arbequina gilt als vergleichsweise widerstandsfähig, ganz verschont bleibt keine.
Im Garten hilft vor allem Vorbeugung. Befallene Blätter auflesen und entfernen, den Baum im Herbst nicht von oben gießen und die Krone so lichten, dass sie nach Regen schnell abtrocknet. Beim Schneiden des Olivenbaums nimmt man dafür ganze Zweige aus dem Inneren heraus, statt außen die Spitzen zu kürzen. Im Erwerbsanbau wird vor den Herbstregen mit Kupfermitteln gespritzt. Kupferverbindungen sind in der EU seit der Durchführungsverordnung (EU) 2018/1981 nur noch als Substitutionskandidaten genehmigt, mit einer Obergrenze von 28 Kilogramm Kupfer je Hektar in sieben Jahren. Im Haus- und Kleingarten dürfen in Deutschland nur Mittel verwendet werden, die ausdrücklich dafür zugelassen sind, und die Gebrauchsanweisung gilt.
Knoten, Läuse und Rußtau
Olivenknoten
Raue, warzige Wucherungen von etwa einem bis fünf Zentimetern an Zweigen, Ästen oder am Stamm stammen vom Bakterium Pseudomonas savastanoi. Dünne Zweige oberhalb eines Knotens können absterben, die Blätter daran werden gelb und braun. Die Bakterien dringen über Blattnarben, Schnittwunden und Frostrisse ein, verbreitet werden sie durch Wasser. Befallene Zweige bei trockenem Wetter einige Zentimeter unterhalb des Knotens herausschneiden und die Schere danach desinfizieren. Nach Frostnächten steigt das Risiko deutlich. Die kalifornischen Pflanzenschützer beschreiben regelrechte Ausbrüche, wenn Frost Blätter abwirft und die Rinde aufreißt und danach Winterregen fällt. Ein Kübelbaum, der im Herbst zu lange draußen stand, ist deshalb doppelt gefährdet.
Schildläuse
Die Schwarze Olivenschildlaus (Saissetia oleae) sitzt als etwa fünf Millimeter großer, dunkelbrauner Höcker an Zweigen und Blattunterseiten, ausgewachsene Weibchen tragen auf dem Rücken eine erhabene Zeichnung in Form eines H. Ihre Jungtiere scheiden Honigtau aus, die Blätter glänzen und kleben. Darauf siedeln Rußtaupilze, die Blätter werden schwarz und bekommen weniger Licht. Die kalifornischen Fachleute halten das Auslichten für das beste Mittel: In offenen, luftigen Kronen siedelt die Schildlaus selten. Einzelne Tiere lassen sich mit einer weichen Bürste oder einem Wattestäbchen abstreifen, bei stärkerem Befall helfen Präparate auf Basis von Paraffin- oder Rapsöl, die die Läuse ersticken.

Wenn plötzlich ganze Äste welken
Die Verticillium-Welke ist die unangenehmste Ursache, weil es gegen sie kein Mittel gibt. Der Bodenpilz Verticillium dahliae dringt über die Wurzeln ein und verstopft die Leitungsbahnen. Typisch ist, dass die Blätter an einem oder mehreren Ästen im Frühjahr oder Frühsommer plötzlich welken und vertrocknen, während der Rest des Baums gesund aussieht. Manche Bäume erholen sich, andere sterben. Der Pilz kann mehrere Jahrzehnte im Boden überdauern, Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen und Gurken sind ebenfalls Wirte. Einen Olivenbaum pflanzt man deshalb besser nicht dorthin, wo zuvor Tomaten oder Kartoffeln standen. Als vergleichsweise tolerant beschreibt die Universität von Kalifornien Frantoio und mit Abstrichen Koroneiki. Abgestorbene Äste schneidet man heraus, der Rest ist Abwarten.
Ein Wort zu Xylella fastidiosa, dem Bakterium, das in Apulien Millionen Olivenbäume zum Absterben gebracht hat. Es ist in der EU ein Quarantäneschädling, ein Verdacht ist meldepflichtig beim Pflanzenschutzdienst des Landes. Die Krankheit beginnt mit vertrockneten Blatträndern und welkenden Zweigen. Gelbe Blätter gehören nicht zum typischen Anfangsbild. Was Xylella und der Klimawandel im Olivenanbau angerichtet haben, zeigt, warum Behörden hier keine Spielräume lassen. Ein paar gelbe Blätter am Terrassenbaum sind damit aber nicht zu verwechseln.
Häufige Fragen
Warum werden die Blätter meines Olivenbaums im Winter gelb?
Meist wegen zu wenig Licht bei zu viel Wärme oder wegen zu nasser Erde im Quartier. Hell, kühl um 5 bis 12 Grad und sparsam gießen.
Sollte man gelbe Blätter abschneiden?
Nicht nötig, sie fallen von selbst. Abgefallenes Laub mit Flecken aber aufsammeln und in den Restmüll geben, damit der Pilz nicht überdauert.
Erholt sich ein Olivenbaum nach starkem Blattverlust?
Oft ja, solange die Wurzeln gesund sind. Olivenbäume treiben auch aus altem Holz wieder aus. Kratzt man vorsichtig an einem Zweig und ist das Holz darunter grün, lebt er.
Ist die Olivenfliege für gelbe Blätter verantwortlich?
Nein. Die Olivenfruchtfliege legt ihre Eier in die Früchte und schädigt die Oliven, nicht das Laub.

