Was eine Olivenbaum-Patenschaft kostet und bringt

Knorriger alter Olivenbaum mit leerem Holzschild an einer Trockenmauer

Für 60 bis 80 Euro im Jahr bekommt man bei den bekannten Anbietern einen Olivenbaum mit Namensschild, ein paar Fotos und zwei bis fünf Liter natives Olivenöl extra. Das Öl kommt in aller Regel aus dem ganzen Hain, und der Liter kostet am Ende deutlich mehr als im Supermarkt. Wer damit leben kann, hat einen direkten Draht zu einem Erzeuger und oft die Einladung, den Baum zu besuchen.

So funktioniert das Modell

Der Grundgedanke ist alt und kommt aus der solidarischen Landwirtschaft. Verbraucher zahlen vorab, der Hof hat Geld für Pflege und Ernte, bevor die erste Olive gepflückt ist, und teilt dafür den Ertrag. Bei Olivenbäumen hat sich daraus eine eigene Form entwickelt, die meist Patenschaft oder Adoption heißt. Man sucht sich einen Baum aus, manchmal per Foto, manchmal mit GPS-Position und QR-Code, gibt ihm einen Namen und bekommt nach der Ernte Öl geschickt.

Drei Typen von Anbietern lassen sich unterscheiden:

  • Plattformen wie Crowdfarming, auf denen viele Höfe aus Spanien, Italien, Griechenland und Portugal ihre Bäume anbieten. Die Plattform übernimmt Bezahlung und Versand, der Hof die Pflege.
  • Einzelne Erzeuger mit eigenem Programm, etwa Nudo in den Marken, La Rogaia in Umbrien, TRE Olive in Kalabrien oder Especially Puglia in Apulien. Hier kauft man direkt beim Hof oder bei einer kleinen Vermittlung.
  • Projekte mit sozialem oder ökologischem Ziel, bei denen der Beitrag verlassene Haine wieder in Pflege bringt. Das bekannteste ist Apadrina un Olivo in Oliete in Aragonien.

Die Programme der Einzelerzeuger unterscheiden sich mehr, als man denkt. TRE Olive, ein Familienbetrieb, der seit 1934 in Kalabrien Öl macht, schickt seinen Paten drei Liter im Jahr und Informationen über den Baum. Bei Especially Puglia gibt es eine Drei-Liter-Dose, eine Keramikflasche aus Apulien und eine offene Einladung in den Hain. La Rogaia in Umbrien bietet neben der Jahrespatenschaft eine Patenschaft auf Lebenszeit an, mit einer eigens gefertigten Figur und einer garantierten Ölmenge. Und auf dem Hof Suzy's Yard bei Cetona in der Provinz Siena entstand das Programm aus der Not, nachdem die Olivenfliege eine Ernte vernichtet hatte. Die Beiträge sollten die Pflege in schlechten Jahren absichern.

Suzy's Yard zeigt, was ein Hof von Paten hat. Er bekommt Geld vor der Ernte und einen festen Kundenstamm, oft im Ausland, ohne Zwischenhändler. Für kleine Betriebe mit Terrassen und Trockenmauern, die sich maschinell kaum bewirtschaften lassen, kann das den Unterschied machen.

Knorriger alter Olivenbaum mit leerem Holzschild an einer Trockenmauer

Oliete, ein Dorf und 100.000 Bäume

Am Beispiel Oliete sieht man, was eine Patenschaft bewirken kann. In dem Dorf in der Provinz Teruel waren in sechs Jahrzehnten Landflucht mehr als 100.000 Olivenbäume aufgegeben worden. 2014 gründete sich dort Apadrina un Olivo. Paten zahlen 60 Euro im Jahr, geben ihrem Baum einen Namen, verfolgen online, wie er wieder in Schuss kommt, und dürfen ihn jederzeit besuchen. Dafür gibt es jährlich zwei Liter natives Olivenöl extra.

Nach zehn Jahren waren laut einer Projektbeschreibung des europäischen GAP-Netzwerks mehr als 15.000 Bäume wieder in Pflege, 16 Arbeitsplätze entstanden (eine Bankstiftung nennt in einem späteren Porträt 22), und die Dorfschule musste nicht schließen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO führt das Projekt als Beispiel für digitale Landwirtschaft, mit Sensoren, Drohnen und einem QR-Code an jedem Baum. Pro Liter gerechnet ist das Öl hier teuer. Der Großteil des Geldes bezahlt aber Arbeit in einem Dorf, das sonst leer liefe.

Was der Liter am Ende kostet

Die Angebote lassen sich am besten vergleichen, wenn man den Jahresbeitrag durch die zugesagte Ölmenge teilt. Die Zahlen unten stammen aus den Bedingungen der Anbieter oder aus Berichten über sie, Preise ändern sich jedes Jahr.

Angebot Beitrag pro Jahr Öl pro Jahr Rechnerisch je Liter
Hof bei Valencia über Crowdfarming (Arbequina) 78 €, Versand innerhalb Spaniens inklusive 5 Liter in zwei Bag-in-Box-Behältern etwa 15,60 €
Apadrina un Olivo, Aragonien 60 € 2 Liter 30 €
Nudo, Marken (ältere Angabe) 60 Pfund plus Versand etwa 1 bis 3 Liter je nach Ernte schwankt stark

Eine Patenschaft ist also kein Sparmodell. Supermarktöl ist deutlich billiger, Öl kleiner Erzeuger im Fachhandel liegt je nach Herkunft in einer ähnlichen Spanne wie die Tabelle. Bei den günstigeren Angeboten liegt der Literpreis etwa auf dem Niveau eines guten Direktkaufs, bei den Projektangeboten zahlt man den Zweck mit. Warum Öl von kleinen Höfen überhaupt so viel teurer ist als Discounteröl, erklärt der Beitrag über den Preis von Olivenöl.

Auf den Versand achten. Beim Crowdfarming-Hof in der Tabelle gilt der Preis für Lieferungen innerhalb Spaniens, nach Deutschland kann es mehr kosten. Die Verbraucherzentrale hat 2024 die Crowdfarming-App getestet und dabei für eine Avocado-Patenschaft 32,68 Euro Beitrag, aber 16,20 Euro Versand pro Kiste gezahlt. Bei schwerem Öl fällt das noch mehr ins Gewicht.

Ihr Baum, aber nicht ganz Ihr Öl

Viele Paten stellen sich vor, dass ihre Oliven getrennt gepflückt, gepresst und abgefüllt werden. Das passiert praktisch nie. Eine Mühle verarbeitet Partien von einigen hundert Kilo aufwärts, ein einzelner Baum liefert vielleicht 20 bis 25 Kilo Oliven. Der Hof bei Valencia schreibt in seinen Bedingungen offen, dass der ganze Hain zusammen geerntet und gepresst wird. Trägt der eigene Baum wenig, gleicht der Hain das aus. Nudo beschreibt das ähnlich, das Öl ist ein Anteil an der Ernte eines Abschnitts.

Für die Qualität ist das sogar gut, denn eine größere Partie lässt sich schneller und sauberer verarbeiten. Es bedeutet aber auch, dass die Menge nicht vom Baum abhängt, sondern davon, was der Anbieter zusagt. In schlechten Jahren, nach Frost, Dürre oder einem Befall durch die Olivenfruchtfliege, kann ein Hof weniger liefern oder zukaufen. Was dann passiert, sollte in den Bedingungen stehen.

Zwei Bag-in-Box-Kartons, eine Ausgießflasche und ein Foto eines Olivenbaums

Sieben Fragen vor dem Abschluss

  1. Wie viel Öl ist zugesagt, als feste Menge oder als Schätzung?
  2. Gilt der Preis inklusive Versand nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz?
  3. Wann wird abgebucht, und verlängert sich die Patenschaft automatisch? Beim Hof in der Tabelle wird der Beitrag jedes Jahr im November eingezogen, kündigen kann man vor jeder Saison.
  4. Welche Güteklasse steht auf dem Etikett? Natives Olivenöl extra sollte es sein, mit Erntejahr.
  5. Ist der Hof biozertifiziert? Wer Bio möchte, achtet auf das EU-Biologo und die Kontrollstellennummer. Was das Siegel beim Bio-Olivenöl abdeckt, ist enger gefasst, als viele annehmen.
  6. Darf man den Baum besuchen, und muss man das anmelden? Beim Crowdfarming-Hof mindestens sieben Tage vorher, in Oliete jederzeit.
  7. In welcher Verpackung kommt das Öl? Bag-in-Box schützt gut vor Licht und Luft, Blechkanister ebenfalls. Kanister über fünf Liter lohnen sich nur, wenn der Haushalt das Öl in einigen Monaten verbraucht.

Gerade der letzte Punkt wird unterschätzt. Fünf Liter frisches Öl, das im Januar ankommt, reichen in einem Zwei-Personen-Haushalt oft bis zum Herbst. Damit es bis dahin frisch bleibt, gehört es dunkel und kühl ins Regal, die Regeln zu Haltbarkeit und Lagerung gelten für Patenöl wie für jedes andere. Für die Bag-in-Box gilt dasselbe wie beim Kauf im Kanister: kühl, dunkel, nach dem Anbruch zügig verbrauchen.

Als Geschenk

Die meisten Anbieter haben Geschenkvarianten mit Urkunde, oft gegen Aufpreis. Nudo verlangte 2018 für eine Geschenkadoption ab 72 Pfund, die einfache Adoption gab es ab 39 Pfund. Ein Geschenk hat einen Haken, der gern vergessen wird. Beschenkte erhalten das Öl erst nach der nächsten Ernte, im Winter oder Frühjahr, und eine Verlängerung im Folgejahr läuft je nach Anbieter über das Konto der schenkenden Person. Sinnvoll ist es deshalb, eine Patenschaft für genau ein Jahr zu wählen, wenn es die gibt.

Häufige Fragen

Bekommt man das Öl vom eigenen Baum?

Fast nie. Die Oliven des ganzen Hains werden gemeinsam geerntet und gepresst, Paten bekommen einen Anteil. Ein einzelner Baum liefert zu wenig für eine eigene Pressung.

Wie viel Öl bringt ein Olivenbaum im Jahr?

Je nach Sorte, Alter und Jahr etwa 1 bis 5 Liter. Ein Hof bei Valencia rechnet mit rund 25 Kilo Oliven und 5 Litern Öl je Baum, andere Anbieter mit 1 bis 3 Litern.

Gibt es einen Test von Olivenbaum-Patenschaften?

Einen vergleichenden Test von Stiftung Warentest oder Öko-Test zu Patenschaften ließ sich bei der Recherche nicht finden. Die Verbraucherzentrale hat 2024 die Crowdfarming-App geprüft und die Preise als deutlich höher als im Supermarkt eingestuft, den direkten Kontakt zu den Höfen aber positiv bewertet.

Kann ich eine Olivenbaum-Patenschaft auf Kreta, Mallorca oder Sizilien übernehmen?

Ja, Angebote gibt es in den meisten Anbauregionen, meist von einzelnen Höfen oder über Plattformen. Die Fragen zu Menge, Versand, Laufzeit und Bio gelten dort genauso.

Kann man den Baum besuchen?

Bei den meisten Anbietern ja, oft mit Anmeldung. Die Erntezeit von Oktober bis Januar ist dafür die interessanteste Zeit, wie die Tipps zum Besuch einer Ölmühle zeigen.

Quellen

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