Olivenöl-Tests richtig lesen, von Stiftung Warentest bis Goldmedaille

Verkostungskabinen mit abgedeckten blauen Gläsern auf Wärmeplatten

Zwei Flaschen stehen nebeneinander im Regal. Auf der einen klebt ein Testsiegel, auf der anderen eine goldene Medaille aus New York. Beide sehen nach Qualität aus. Sie beantworten aber ganz verschiedene Fragen. Die eine lautet: Wie gut war das Öl, das ein Prüfinstitut anonym im Laden gekauft hat? Die andere: Was kann ein Erzeuger, wenn er seine beste Probe selbst einschickt?

Im Jahr 2026 gab es von beidem reichlich. Die Stiftung Warentest prüfte im Januar 25 Olivenöle, vier bekamen ein "gut", acht ein "mangelhaft". Öko-Test legte im Mai mit 30 Ölen nach und kam zu einem ähnlich ernüchternden Bild.

Vier gute Öle von 25 im Februar-Heft

Erschienen ist der Warentest am 29. Januar 2026 in der Februar-Ausgabe. Gekauft hatte das Institut die Flaschen schon im Juni 2025, zu Literpreisen zwischen 7,99 und 54 Euro. 24 Öle trugen die Bezeichnung nativ extra, eines war als nativ deklariert, elf hatten ein Bio-Siegel. Unter den vier guten waren laut dpa ein sortenreines Coratina-Öl für 54 Euro je Liter und ein Bio-Öl für knapp 14 Euro. Unter zehn Euro je Liter fand sich kein empfohlenes Öl.

Fünf der acht mangelhaften Öle scheiterten schon an der Zunge der Prüfer. Ranzig, stichig, schlammig, modrig, so lauteten die Urteile, eines schmeckte weinartig. Nach EU-Recht hätte keines dieser fünf als nativ extra verkauft werden dürfen.

Die anderen drei fielen im Labor durch, wegen Mineralölbestandteilen oder Weichmachern. Auf test.de heißt es, drei Öle seien deutlich und drei stark mit Mineralöl belastet gewesen, dazu ein Bio-Öl sehr stark mit Weichmachern. Zum ersten Mal suchte das Labor außerdem nach Chlorparaffinen. Diese fettlöslichen, schwer abbaubaren Stoffe stecken in Kunststoffen und Schmiermitteln, wo sie als Weichmacher oder Flammschutz dienen. Drei Öle enthielten geringe Mengen davon.

Es gab auch Erfreuliches. Jedes der 25 Öle kam auf mindestens 250 mg Polyphenole je Kilogramm, und die Gehalte lagen etwas höher als in den beiden Tests davor.

Ein Jahr früher, im Januar 2025, sah es kaum anders aus. Wieder waren es 25 Öle. Ein Handelsmarkenöl für knapp 16 Euro je Liter gewann mit der Note 2,1, drei Öle fielen durch, und Mineralölbestandteile fanden sich auch damals in allen Proben.

Warum der Geschmack so oft den Ausschlag gibt, liegt an der Gewichtung. Die Hälfte der Gesamtnote, also 50 Prozent, stammt aus der Verkostung. Schadstoffe zählen 20 Prozent, die Deklaration auf dem Etikett 15, die chemische Qualität 10 und die Verpackung 5 Prozent. Ein Öl mit sauberer Laboranalyse, das muffig schmeckt, hat damit kaum eine Chance.

Verkostet hat ein staatlich anerkanntes Panel mit mindestens acht geschulten Prüfern. Fiel ein Öl auf, ging es an zwei weitere Panels. Mangelhaft wurde es erst, wenn mindestens zwei Panels den Fehler bestätigten. Das klingt umständlich und ist doch vernünftig, weil auch geübte Nasen bei der EU-Methode etwas streuen. Wie dort gerochen und bewertet wird, ist im Panel-Test nach EU-Methode bis ins Detail geregelt.

Verkostungskabinen mit abgedeckten blauen Gläsern auf Wärmeplatten

Öko-Test zieht schon für Spuren Punkte ab

Für die Ausgabe 05/2026 hat Öko-Test 30 Öle der Klasse nativ extra gekauft, 18 davon aus Bio-Anbau. Zweimal vergab das Magazin ein "sehr gut", beide Male an Bio-Öle: eines kostete 9,27 Euro je Liter, das andere 19,78 Euro. Sechs Öle schnitten gut ab, sieben mangelhaft. Ein Händler nahm sein durchgefallenes Öl danach aus dem Verkauf.

Die Verkostung fiel schlechter aus als beim Öko-Test von 2022. Sieben der 30 Öle hätten nach dem Urteil der Prüfer nur als nativ verkauft werden dürfen, sie schmeckten ranzig, modrig oder schlammig. Mineralöl fand das Labor in jeder einzelnen Probe, mindestens als Spur gesättigter Kohlenwasserstoffe (MOSH). In vier Ölen steckten aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) in einer Menge, die Öko-Test als bedenklich einstuft. Rückstände von meist mehreren Pestiziden hatten fast alle konventionellen Öle und dazu vier Bio-Öle, bei denen vermutlich Abdrift von Nachbarfeldern die Ursache war.

Der Maßstab ist strenger als bei der Stiftung. Öko-Test wertet schon Spuren bestimmter Pestizide ab, auch wenn das Öl alle gesetzlichen Höchstgehalte einhält. Kein Wunder also, dass Bio-Öle in diesem Magazin öfter vorne stehen.

Mineralöl, Weichmacher, Chlorparaffine

Die Namen tauchen in beiden Tests auf und klingen alle gleich unangenehm. Herkunft und Risiko sind aber verschieden.

  • MOSH, die gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffe, reichern sich im Fettgewebe und in Organen an. Wie bedenklich das für die Gesundheit ist, gilt als noch nicht abschließend geklärt.
  • MOAH sind die aromatischen Verwandten. Einige davon können krebserregend und erbgutschädigend sein, weshalb beide Institute sie strenger bewerten.
  • Weichmacher wie Phthalate wandern aus Schläuchen, Dichtungen und Kunststofftanks ins Öl. Fett löst sie besonders gut.
  • Chlorparaffine stammen ebenfalls aus technischen Materialien und Schmierstoffen und halten sich lange, in der Umwelt wie im Körper.
  • Pestizide kommen vom Feld. Im Bio-Anbau sind synthetische Mittel verboten, über Abdrift gelangen trotzdem manchmal Spuren ins Öl.

Beim Mineralöl ist die Spurensuche besonders mühsam. Es kann über Erntemaschinen und deren Hydrauliköl ins Öl geraten, über Abgase, über Förderbänder oder über Schmierstoffe in der Mühle. Für ein einzelnes Öl lässt sich der Weg kaum zurückverfolgen. Auffällig ist, wie gleichmäßig die Belastung verteilt war. Teure und billige Öle, bio und konventionell, fast alle hatten etwas abbekommen, und mit dem Preis kauft man sich davon offenbar nicht frei.

Eine Charge, ein Einkaufstag

Jeder Warentest ist eine Momentaufnahme. Geprüft wird die Charge, die an einem bestimmten Tag im Regal stand. Die nächste Abfüllung kann aus einer anderen Partie stammen und anders schmecken, darauf weisen Hersteller nach schlechten Noten gern hin. Ganz unrecht haben sie damit nicht.

Ein "mangelhaft" bleibt trotzdem ein ernstes Signal. Die Prüfmethode ist dieselbe, mit der auch die Lebensmittelüberwachung arbeitet.

Die zweite Lücke betrifft die Auswahl. Beide Institute kaufen dort ein, wo die meisten Menschen einkaufen: im Supermarkt, beim Discounter, in der Drogerie. Öle von kleinen Erzeugern, aus Hofläden oder vom Feinkosthändler kommen selten vor. Für diese Flaschen bleiben die Wettbewerbe und die eigene Zunge. Welche Bezeichnung auf dem Etikett stehen darf, regeln die Güteklassen für Olivenöl. Und wie ranzig, stichig oder modrig im Mund tatsächlich wirken, kann man mit etwas Übung selbst lernen, um Fehlaromen zu erkennen.

Frau liest im Supermarkt das Etikett einer Olivenölflasche

Gold für zwei Drittel der Einsendungen

Bei Wettbewerben läuft es umgekehrt. Die Erzeuger schicken ihre Öle selbst ein und zahlen eine Gebühr, und natürlich wählen sie dafür ihre beste Partie aus. Ein Wettbewerb zeigt also, was ein Betrieb kann. Was später im Regal steht, kann dasselbe Öl sein oder eine andere Partie aus demselben Haus.

Die New York International Olive Oil Competition, kurz NYIOOC, gilt als größter Wettbewerb dieser Art. Für 2026 meldet der Veranstalter Olive Oil Times 1.021 Öle aus 29 Ländern. Vergeben wurden 464 Gold- und 234 Silberauszeichnungen, rund zwei Drittel aller Einsendungen gingen also mit Medaille nach Hause. Mehrere internationale Panels verkosten blind, und Gold und Silber sind dabei Schwellen. Jedes Öl, das eine bestimmte Punktzahl erreicht, bekommt Gold, ganz gleich, wie viele andere es ebenfalls schaffen. Eine Goldmedaille aus New York bedeutet, dass ein Fachpanel das Öl für fehlerfrei und ausgeprägt hielt. Mit dem besten Öl unter tausend hat sie wenig zu tun.

Flos Olei funktioniert anders. Der Olivenölführer aus Italien, herausgegeben von Marco Oreggia, verkostet Öle aus aller Welt und vergibt bis zu 100 Punkte, er ist eher eine Auswahl der Besten als ein Medaillenwettbewerb. In Deutschland veranstaltet das Magazin Der Feinschmecker seit vielen Jahren den OLIO Award, ebenfalls mit Blindverkostung durch eine internationale Jury. Die prämierten Öle erscheinen danach in einer Bestenliste des Magazins.

Medaillen für Polyphenole

Einige Auszeichnungen fragen gar nicht nach dem Geschmack. Bei den Olympia Health and Nutrition Awards zählt der Gehalt an bestimmten Phenolen wie Oleocanthal, gemessen per NMR. Hinter dem Wettbewerb stehen die Oleocanthal International Society und der Kreis um den Athener Pharmazeuten Prokopios Magiatis. Zur Ausgabe 2016 kamen 565 Proben von 325 Erzeugern. Nach ähnlichem Muster vergibt Aristoleo aus Kanada seit 2016 Preise für hochphenolische Öle.

So eine Medaille verrät etwas über den Phenolgehalt der eingesandten Probe und wenig über den Geschmack. Auch die Zahlen dahinter sind mit Vorsicht zu lesen, denn zwei Labore können für dasselbe Öl verschiedene Werte liefern, je nachdem, wie der Polyphenolgehalt gemessen wird. Für High Phenolic Olivenöl gibt es zudem keine gesetzliche Grenze.

Prüfung Wer kauft ein Was zählt Was das Ergebnis aussagt
Stiftung Warentest Institut, anonym im Handel Sensorik, Schadstoffe, Etikett, Chemie Qualität einer Handelscharge
Öko-Test Institut, anonym im Handel Sensorik, Schadstoffe streng gewichtet Qualität und Belastung einer Charge
NYIOOC, OLIO Award Erzeuger reicht ein Blindverkostung Sensorische Güte der eingereichten Probe
Flos Olei Erzeuger reicht ein Verkostung, Punkte bis 100 Platz in einer Bestenauswahl
Olympia Awards, Aristoleo Erzeuger reicht ein Polyphenolgehalt im Labor Phenolgehalt der eingereichten Probe

Am Regal

Warentests lese ich vor allem als Warnliste. Ein Öl, das in der Verkostung durchgefallen ist, lasse ich eine Weile stehen, während mich eine gute Note nur begrenzt beruhigt, weil die nächste Charge eine andere sein kann. Ein Medaillenaufkleber zeigt einen Erzeuger, der sich der Konkurrenz stellt. Für die Flasche in der Hand beweist er wenig.

Verlässlicher ist die Rückseite. Erntejahr, Herkunft und Abfülldatum stehen auf ordentlichen Flaschen gut lesbar, und mit etwas Übung lässt sich auch der Rest vom Etikett entschlüsseln. Dann kommt der Geschmack. Frisches natives Olivenöl extra riecht nach grünem Obst oder Gras, ist etwas bitter und kratzt leicht im Hals. Ranzig, muffig oder nach Essig darf es nie schmecken, egal, welche Medaille auf der Flasche klebt.

Dunkle Olivenölflasche mit goldenem Medaillenaufkleber neben einem Glas Öl

Häufige Fragen

Welches Olivenöl ist Testsieger bei Stiftung Warentest?

Im Januar 2026 vergab die Stiftung kein "sehr gut". Vier Öle erhielten ein "gut", die vollständige Liste mit allen Noten steht kostenpflichtig auf test.de. Jede Note gilt für die geprüfte Charge und nicht automatisch für spätere Abfüllungen.

Ist Mineralöl in Olivenöl gefährlich?

Bei den gesättigten MOSH ist die Wirkung auf den Menschen noch nicht abschließend geklärt. Unter den aromatischen MOAH gibt es einzelne Verbindungen, die krebserregend sein können. Fachleute raten deshalb, so wenig wie möglich davon aufzunehmen.

Schneiden Bio-Olivenöle in Tests besser ab?

Bei Pestiziden meistens. Beim Geschmack und beim Mineralöl haben sie keinen eingebauten Vorsprung, und in beiden Tests von 2026 sind auch Bio-Öle durchgefallen.

Warum fehlen Öle kleiner Erzeuger in den Tests?

Beide Institute kaufen dort, wo die meisten Leser einkaufen, also im Supermarkt, beim Discounter und in der Drogerie. Für Öle aus dem Hofladen oder vom Feinkosthändler bleiben vor allem Wettbewerbe als Orientierung.

Was bedeutet eine Goldmedaille auf der Flasche?

Eine vom Erzeuger eingereichte Probe hat eine festgelegte Punktzahl erreicht. Bei der NYIOOC 2026 ging an rund zwei Drittel der Einsendungen eine Medaille. Gold ist dort eine Schwelle und keine Platzierung.

Quellen

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