Wie man Olivenblättertee aufbrüht und was er kann

Glastasse mit Olivenblättertee neben getrockneten Olivenblättern und Teesieb

Die kurze Antwort zuerst: Ein bis zwei Gramm getrocknete Olivenblätter, das ist ein knapper bis gehäufter Teelöffel, kommen in eine Tasse mit 200 bis 250 Millilitern sprudelnd kochendem Wasser. Fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, abseihen, fertig. Olivenblättertee schmeckt grün, herb und leicht nach Heu, ein bisschen wie ein dünner grüner Tee, und je länger er zieht, desto bitterer wird er.

Dass die Bitterkeit kein Fehler ist, hat mit Oleuropein zu tun, dem Hauptpolyphenol des Blattes. Wie viel davon in der Tasse landet, hängt von Wassertemperatur, Ziehzeit und Schnittgröße ab, und genau dazu gibt es inzwischen ein paar brauchbare Messungen.

Glastasse mit Olivenblättertee neben getrockneten Olivenblättern und Teesieb

Zubereitung in vier Schritten

  1. Blätter abmessen: 1 bis 2 Gramm je Tasse. In den Laborstudien, auf die sich die Zahlen weiter unten beziehen, war es 1 Gramm auf 200 Milliliter.
  2. Blätter grob zerreiben, zwischen den Handflächen oder kurz im Mörser. Zerkleinertes Laub gibt seine Inhaltsstoffe schneller ab als ganze, ledrige Blätter.
  3. Mit sprudelnd kochendem Wasser übergießen und abgedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen lassen.
  4. Abseihen und warm trinken. Zitrone, ein Minzblatt oder etwas Honig nehmen der Bitterkeit die Spitze.

Für Eistee geht es auch kalt. Dafür die Blätter mit Wasser bei Zimmertemperatur ansetzen und mindestens eine halbe Stunde stehen lassen, im Kühlschrank gern über Nacht. Der Aufguss bleibt heller und milder.

Heißes Wasser holt am meisten heraus

Eine kroatische Arbeitsgruppe um Valerija Majetić Germek hat 2021 Blätter von sechs Sorten aus demselben Bio-Hain verglichen und jeweils 1 Gramm getrocknetes Laub mit 200 Millilitern Wasser aufgegossen. Gemessen wurde per Flüssigchromatographie, wie viel der im Blatt vorhandenen Phenole im Getränk ankam.

Zubereitung Anteil der Blatt-Phenole im Aufguss (Mittel)
Kalt, 25 Grad, 30 Minuten etwa 40 Prozent
Heiß, 75 Grad, 3 Minuten etwa 63 Prozent
Kochend, 100 Grad, 3 Minuten etwa 76 Prozent

Auch der kalte Auszug war nicht leer. Je nach Sorte fanden die Forscher darin 16,6 bis 36,5 Milligramm Hydroxytyrosol-Derivate pro 200 Milliliter. Sie bewerten deshalb beide Verfahren als brauchbar, um ein polyphenolreiches Getränk herzustellen.

Zwischen den Sorten lagen Welten. Die Summe der bestimmten Phenole reichte von 3.818 Milligramm je 100 Gramm Trockenmasse bei Istarska crnica bis 10.572 Milligramm bei Oblica, fast ein Faktor drei. Für den Käufer heißt das schlicht, dass zwei Tüten Olivenblättertee sehr unterschiedlich stark sein können, auch wenn sie gleich aussehen. Auf der Packung steht die Sorte so gut wie nie.

Noch mehr holt man heraus, wenn man die Blätter kocht. Die alte Arzneimonographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) beschreibt genau das: bis zu 5 Gramm getrocknete oder 10 Gramm frische Blätter in 150 Milliliter Wasser so lange köcheln, bis 100 Milliliter übrig sind. Getrunken wird so ein Sud aber als Arzneitee, und er ist entsprechend bitter.

Wie viel Oleuropein im Blatt steckt

Oleuropein ist im Olivenblatt der mengenmäßig wichtigste Phenolstoff. Eine spanische Gruppe aus Albacete hat für ihre Versuche ein Blattpulver mit 49 Milligramm Oleuropein pro Gramm verwendet, also knapp 5 Prozent des Trockengewichts. Im Öl ist davon nur ein Bruchteil übrig; dort zerfällt Oleuropein beim Pressen größtenteils in Abbauprodukte wie Hydroxytyrosol. Ein Löffel Öl und eine Tasse Blättertee enthalten deshalb ganz andere Polyphenole aus der Olive, auch wenn sie vom selben Baum stammen.

Spannend an derselben Arbeit von Martínez-Navarro und Kollegen (2021) ist, wie empfindlich der Stoff ist. Im wässrigen Auszug lag die Halbwertszeit bei Zimmertemperatur bei etwa 13 Tagen, bei 80 Grad bei rund 3,4 Tagen. Für die frisch gebrühte Tasse spielt das keine Rolle. Kritischer ist die Lagerung des Pulvers: Bei 40 Grad und 75 Prozent Luftfeuchte war die Hälfte des Oleuropeins schon nach etwa 13 Stunden verschwunden, bei Raumtemperatur dauerte das rund 30 Tage. Das Pulver gehört also in eine trockene Dose und nicht in den Dampf neben dem Herd.

Eine Sache sollte man nicht verwechseln. Für Olivenöl gibt es in der EU einen zugelassenen Health Claim zu Polyphenolen. Er gilt ausschließlich für Olivenöl mit einem Mindestgehalt an Hydroxytyrosol und seinen Derivaten, für Tee aus Blättern gibt es keine solche zugelassene Aussage.

Olivenzweig im Gegenlicht mit dunkler Blattoberseite und silbriger Unterseite

Was Studien mit Tee und Extrakt zeigen

Zum Tee selbst gibt es nur wenige kontrollierte Studien am Menschen. Die bekannteste kommt aus Japan. An der Universität Tsukuba tranken 57 Erwachsene zwischen 40 und 70 Jahren mit leicht erhöhtem Blutzucker (Prädiabetes) zwölf Wochen lang dreimal täglich 330 Milliliter Tee zu den Mahlzeiten. Die eine Gruppe bekam einen normal starken Aufguss, die andere einen zehnfach verdünnten. In der Gruppe mit dem starken Tee sanken LDL-Cholesterin und Triglyceride, der Nüchternblutzucker lag am Ende niedriger als in der Vergleichsgruppe. Gewicht, Bauchumfang und Insulin veränderten sich in keiner Gruppe. Die Autoren um Risa Araki (2019, Nutrition Research) nennen ihre Studie selbst explorativ. Eine frühere Studie derselben Gruppe mit schlanken, gesunden Teilnehmern hatte übrigens gar keine messbaren Effekte gefunden.

Die meisten Daten stammen aus Kapseln mit Blattextrakt. In einer randomisierten Crossover-Studie aus Reading mit 60 Männern mit hochnormalem Blutdruck enthielt die Tagesdosis 136 Milligramm Oleuropein und 6 Milligramm Hydroxytyrosol. Nach sechs Wochen lag der systolische 24-Stunden-Blutdruck im Mittel gut 3 mmHg niedriger als unter Placebo (Lockyer und Kollegen, 2017). Eine Metaanalyse von 2022 mit zwölf Studien und 819 Teilnehmenden fand ebenfalls kleine Effekte auf Blutdruck und Triglyceride, beim Blutzucker dagegen nichts Belastbares. Eine neuere Auswertung von elf randomisierten Studien, erschienen 2026 in Food & Function, kommt bei den Langzeitstudien zu keinem statistisch oder klinisch bedeutsamen Effekt auf Zucker- und Fettwerte und rät von Empfehlungen ab.

Unterm Strich ist die Studienlage dünn und uneinheitlich. Die Extraktdosen liegen außerdem deutlich über dem, was eine Tasse liefert. Was der Tee im Einzelnen bewirkt, lässt sich aus den Kapselstudien nicht ableiten, und die Dosierungen und Präparate beim Olivenblattextrakt unterscheiden sich von Studie zu Studie erheblich.

Zum Darm, nach dem oft gesucht wird, habe ich keine einzige Studie am Menschen mit Olivenblättertee gefunden. Aussagen wie "reinigt den Darm" sind durch nichts belegt.

In der Pflanzenheilkunde hat das Blatt eine eigene Tradition. Die EMA führt Ölbaumblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, um bei leichter Wassereinlagerung die Ausscheidung über die Nieren zu fördern, und zwar erst, nachdem ein Arzt ernste Ursachen ausgeschlossen hat. Die Einstufung beruht auf langjähriger Anwendung und ausdrücklich nicht auf klinischen Studien.

Sind Olivenblätter giftig?

Nein, für das Laub des echten Ölbaums (Olea europaea) sind keine Vergiftungen beschrieben. Verwechseln sollte man ihn aber nicht mit dem Oleander, der ähnlich schmale Blätter hat und stark giftig ist. Beim Baum im eigenen Garten sollte deshalb klar sein, was dort wächst.

Nebenwirkungen sind selten. Die EMA-Monographie nennt als einzige bekannte Reaktion Pollenallergien mit Schnupfen oder Asthma und rät bei Überempfindlichkeit gegen Pflanzen aus der Familie der Ölbaumgewächse ganz ab, dazu gehören auch Esche, Liguster und Flieder. Eschenallergiker reagieren übrigens oft auch auf Olivenpollen, die Kreuzallergie zwischen Olive und Esche ist gut beschrieben. Weitere Punkte aus derselben Monographie: nicht bei Erkrankungen, bei denen man weniger trinken soll, etwa schwerer Herz- oder Nierenschwäche; in Schwangerschaft und Stillzeit wegen fehlender Daten nicht empfohlen; für unter 18-Jährige nicht untersucht.

Das Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York weist auf mögliche Wechselwirkungen hin. In Laborversuchen verstärkte Blattextrakt die Wirkung von Blutdrucksenkern und senkte den Blutzucker. Wie wichtig das beim Menschen ist, sei offen. Wer solche Medikamente nimmt und regelmäßig größere Mengen trinken möchte, bespricht das am besten mit der Ärztin oder dem Apotheker.

Olivenblätter selbst trocknen

Ein eigener Olivenbaum liefert beim Frühjahrsschnitt genug Laub für einige Wochen Tee. Geeignet sind gesunde, grüne Blätter von Bäumen, die nicht gespritzt wurden. Bei einem frisch gekauften Baum aus dem Gartencenter weiß man das oft nicht, er wurde als Zierpflanze verkauft. Gelbe oder fleckige Blätter gehören nicht in den Tee; sie zeigen eher, dass mit dem Baum etwas nicht stimmt, und die häufigsten Ursachen sind bei gelben Blättern am Olivenbaum beschrieben.

So geht es:

  • Zweige abschneiden, Blätter abstreifen, kurz abspülen und gut abtupfen.
  • Locker auf einem Gitter oder Backpapier ausbreiten, an einem schattigen, luftigen Ort. Nach einer bis zwei Wochen sind sie trocken. Im Dörrgerät bei 35 bis 40 Grad reichen wenige Stunden.
  • Fertig sind die Blätter, wenn sie beim Biegen brechen statt sich zu biegen.
  • In einer dichten Dose, dunkel und trocken aufbewahren. Feuchte Luft schadet dem Oleuropein mehr als die Zeit.

Die Messwerte aus Albacete machen klar, warum zügiges Trocknen wichtig ist: Feucht und warm gelagert verliert das Blatt seinen Bitterstoff binnen Stunden. Kleine Portionen alle paar Wochen sind deshalb besser als ein großer Jahresvorrat.

Olivenblätter trocknen auf einem Holzgitter neben einem geschnittenen Kübel-Olivenbaum

Kaufen und Herkunft

Olivenblätter fallen in den Hainen ohnehin an, beim Schnitt der Bäume und bei der Ernte, wenn Laub mit den Früchten in die Mühle kommt. Ein Teil davon wird gewaschen, getrocknet und geschnitten als Tee verkauft, in Drogerien, Teeläden, Apotheken und online, meist lose oder in Beuteln. Das Europäische Arzneibuch hat für Ölbaumblätter eine eigene Monographie; Ware aus der Apotheke wird nach diesen Vorgaben geprüft. Bei Lebensmitteltee lohnt der Blick auf Herkunftsland, Bio-Siegel und Mindesthaltbarkeitsdatum. Graugrüne Farbe und ein frischer, heuartiger Geruch sprechen für gute Ware, braune Bruchstücke und Staub dagegen.

Häufige Fragen

Wie viele Tassen Olivenblättertee am Tag sind in Ordnung?

Eine offizielle Höchstmenge für Tee als Lebensmittel gibt es nicht. In der japanischen Studie tranken die Teilnehmer zwölf Wochen lang dreimal täglich 330 Milliliter, ohne dass Probleme berichtet wurden. Bei Dauermedikation größere Mengen vorher ärztlich abklären.

Kann man frische Olivenblätter aufbrühen?

Ja. Frische Blätter sind wasserreicher, man braucht etwa die doppelte Menge. Die EMA-Monographie rechnet mit 10 Gramm frischen statt 5 Gramm getrockneten Blättern.

Hilft Olivenblättertee bei Verdauungsproblemen?

Dazu gibt es keine Studien mit dem Tee. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoller als ein Hausmittel.

Warum schmeckt mein Tee so bitter?

Bitter macht vor allem das Oleuropein. Kürzer ziehen lassen, weniger Blätter nehmen oder kalt ansetzen macht ihn milder.

Darf ich Blätter von meinem Kübelbaum nehmen?

Wenn der Baum gesund ist und sicher nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde, ja. Bei frisch gekauften Bäumen ist das oft unklar, dann besser ein Jahr warten oder Tee kaufen.

Quellen

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