Im Frühjahr stehen Olivenbäume zu Hunderten vor Baumärkten und Gartencentern. Die meisten sind jung, schlank und gut anderthalb Meter hoch, daneben stehen ein paar teurere mit dicken, gedrehten Stämmen, denen man ein Jahrhundert oder mehr ansieht. Woher kommen die alle?
Fast immer aus Spanien oder Italien, seltener aus Griechenland oder Portugal. Die jungen Bäume stammen aus Baumschulen im Süden. Die alten wurden in Olivenhainen ausgegraben, stark zurückgeschnitten und in Töpfe gesetzt. Kaufen kann man beides ohne schlechtes Gewissen, wenn ein paar Dinge stimmen: Der Baum hat einen ordentlichen Wurzelballen, der Händler kann die Herkunft nennen, und es gibt einen Pflanzenpass, spätestens beim Versand.
Woher die knorrigen Stämme kommen
In Andalusien, Valencia oder Apulien werden alte Haine ständig erneuert. Bäume, die wenig tragen, werden gerodet, Flächen für Straßen oder Häuser frei gemacht, und manche Bauern verkaufen einzelne Bäume, weil ein knorriger Stamm als Gartendekoration mehr bringt als seine Oliven. Für den Transport kappt man die Krone bis auf ein paar Aststummel und sticht den Wurzelballen klein ab. Nach einer Zeit in der Baumschule treiben aus den Stummeln junge Zweige, und genau so sehen viele dieser Bäume beim Kauf aus: mächtiger Stamm, darauf eine kleine, buschige Krone.
Was den Baum alt aussehen lässt, ist sein Stamm. Er kann hohl sein, gedreht, mehrfach geteilt. Ein verlässliches Alter steht dagegen auf keinem Etikett. Olivenholz bildet keine sauber zählbaren Jahresringe, und bei alten Stämmen fehlt oft das Kernholz. Angaben wie 100 oder 300 Jahre sind Schätzungen des Händlers, meist aus dem Stammumfang abgeleitet. Ein großer Baumarkt etwa misst den Umfang ausdrücklich an der dicksten Stelle, bei einem Baum mit 135 Zentimetern. Warum solche Zahlen so unsicher sind, zeigt die Mühe, mit der Forscher das Alter von Olivenbäumen bestimmen.

Der Pflanzenpass und das Feuerbakterium
Seit Xylella fastidiosa im Süden Apuliens Millionen Olivenbäume getötet hat, schaut die EU genau hin, wenn Olivenbäume über Grenzen wandern. Das Bakterium verstopft die Leitungsbahnen, Blätter vertrocknen vom Rand her, ganze Äste sterben ab. Eine Heilung gibt es nicht, befallene Pflanzen werden vernichtet. In Apulien, wo sie 2013 entdeckt wurde, hat sie eine ganze Kulturlandschaft verändert. Weitere Befallsgebiete gibt es unter anderem auf den Balearen und in der Provinz Alicante.
Die Regeln dazu stehen in der Durchführungsverordnung (EU) 2020/1201. Olea europaea gehört dort zu den sogenannten spezifizierten Pflanzen. Für sie gilt:
- Sie dürfen innerhalb der EU nur verbracht werden, wenn die Anbaufläche jährlich vom Pflanzenschutzdienst kontrolliert wurde. Beim ersten Verbringen sind nach dem Datenblatt des Julius Kühn-Instituts amtliche Inspektionen und Probenahmen vorgeschrieben.
- Zwischen Betrieben reist jeder Baum mit einem Pflanzenpass. Bei Olivenbäumen muss darauf immer ein Rückverfolgbarkeitscode stehen, etwa eine Partie- oder Liefernummer.
- Aus abgegrenzten Befallsgebieten, wie dem Salento, dürfen Olivenbäume nur unter strengen Auflagen hinaus.
Für Privatleute gibt es eine Lücke, die viele überrascht. Kauft man einen Baum direkt im Gartencenter und nimmt ihn selbst mit, braucht der Händler nach Artikel 81 der Pflanzengesundheitsverordnung (EU) 2016/2031 keinen Pass mitzugeben. Beim Versandhandel dagegen schon, auch an Hobbygärtner. Ein seriöser Händler kann den Pass trotzdem zeigen, denn er hat ihn selbst beim Einkauf bekommen. Das kleine Etikett mit EU-Flagge, den Buchstaben A bis D und dem Ländercode hängt oft noch am Topf.
Dass die Kontrollen nötig sind, hat sich 2018 gezeigt. Im September fand die belgische Lebensmittelbehörde bei einer Routinekontrolle eines Großhändlers Xylella in Olivenbäumen aus Spanien. Nach Angaben der Region Toskana stammten sie aus Baumschulen in Alicante und Almería, wo das Bakterium bis dahin nicht bekannt war. Einige der befallenen Bäume zeigten keine Symptome. Die Pflanzen wurden vernichtet.
Raubbau und Diebstahl im Süden
Die meisten Bäume im Gartencenter sind ein paar Jahrzehnte alt, vielleicht hundert. Am oberen Ende des Marktes geht es um andere Stücke. Die spanische Felix-Rodríguez-de-la-Fuente-Stiftung berichtete 2016, dass in Andalusien Hunderte Bäume mit über tausend Jahren ausgegraben und an reiche Käufer im Nahen Osten, in Nordeuropa und den USA verkauft wurden, für bis zu 100.000 Euro. Eine Petition an das Europäische Parlament bekam über 145.000 Unterschriften.
Die Regionen reagieren unterschiedlich. Valencia verbietet seit 2006 die Ausfuhr von Olivenbäumen, die älter als 350 Jahre sind. Apulien hat 2007 mit dem Regionalgesetz Nr. 14 das Ausgraben, Fällen und den Handel mit Bäumen verboten, die in die Liste der monumentalen Olivenbäume aufgenommen sind. In Andalusien war der Verkauf nach einem Bericht von 2018 nicht geregelt. Ob sich das inzwischen geändert hat, konnte ich nicht sicher klären.
Seit den hohen Ölpreisen 2023 kommt reiner Diebstahl dazu. In Griechenland, Spanien und Italien sägten Banden nachts Äste und ganze Bäume ab, wegen des Holzes und der Oliven. Bei Bari wurden nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP an einem einzigen Abend 100 Bäume zerstört oder schwer beschädigt. Ins Gartencenter gelangen solche Bäume kaum, sie zeigen aber, wie viel ein alter Ölbaum im Süden inzwischen wert ist.

Baumarkt, Baumschule oder Versand
Im Baumarkt, im Gartencenter und in der Baumschule stehen oft Bäume derselben Großhändler. Der Unterschied liegt eher in Pflege und Beratung. Eine Baumschule, die ihre Bäume schon einen Winter bei sich hatte, kann sagen, wie sie die Kälte überstanden haben. Bei Bäumen, die erst im März vom Lkw kommen, weiß das niemand. Beim Aussuchen hilft diese Liste:
- Den Topf leicht anheben oder kippen. Wackelt der Stamm im Ballen, ist der Baum frisch eingetopft und hat kaum Wurzeln.
- Die Blätter von beiden Seiten ansehen. Braune Ränder mit scharfer gelber Grenze zum grünen Gewebe gehören zu den Symptomen von Xylella und sind ein Grund, den Baum stehen zu lassen und den Händler darauf hinzuweisen.
- Die Rinde am Stamm abtasten. Lose Stücke, nasse dunkle Stellen oder Pilzkörper deuten auf Fäulnis.
- Nach Herkunft und Pflanzenpass fragen.
- Die Frostangaben gegenlesen. Händler schreiben oft winterhart bis minus 13 Grad am Stamm. Für einen Baum im Kübel, dessen Wurzeln von allen Seiten auskühlen, ist das viel zu optimistisch.
Auf den Etiketten fehlt fast immer die Sorte. Dabei vertragen Olivensorten unterschiedlich viel Kälte, Leccino etwa gilt als vergleichsweise robust. Bei alten Bäumen aus gerodeten Hainen weiß oft auch der Händler nicht, was er verkauft, zumal in alten Hainen oft mehrere Sorten nebeneinander stehen.
Den letzten Punkt der Liste unterschätzen die meisten. Ausgepflanzt und eingewachsen hält ein Olivenbaum in milden Lagen einiges aus, im Topf ist schon bei wenigen Minusgraden Schluss für die Wurzeln. Die ehrliche Antwort auf die Frage, wie winterhart ein Olivenbaum ist, fällt für Kübelbäume deutlich vorsichtiger aus als auf den Etiketten. Gängige Ratgeber empfehlen für das Überwintern im Kübel einen hellen Raum mit etwa fünf bis zehn Grad.
Ein großer alter Baum ist nicht automatisch die bessere Wahl. Sein Wurzelballen ist im Verhältnis zum Stamm klein, er braucht Jahre, um sich zu erholen, und er wiegt mit Kübel schnell mehrere hundert Kilo. Ein junger Baum mit eineinhalb Metern lässt sich leichter ins Winterquartier tragen, verzeiht mehr Fehler und wächst sich in zehn Jahren zu einem ansehnlichen Stamm aus. Spätestens dann steht auch das erste Umtopfen an, denn der kleine Topf aus dem Baumarkt reicht selten länger als zwei Jahre.
Künstlich oder echt fürs Wohnzimmer
Ein echter Olivenbaum als Zimmerpflanze geht meist nach ein, zwei Jahren ein. Ihm fehlt Licht, im Winter ist es zu warm, und die trockene Heizungsluft lockt Schädlinge an. Draußen auf Balkon oder Terrasse, mit einem hellen, kühlen Platz im Winter, fühlt er sich wohler. Wer drinnen das Bild eines Olivenbaums will, ohne Pflege, fährt mit einem künstlichen besser. Die gibt es von 60 Zentimetern bis über zwei Meter, mit Stämmen aus echtem Holz und Blättern aus Kunststoff oder Stoff. Was ein echter Olivenbaum im Kübel sonst braucht, ist überschaubar. Viel Sonne, durchlässige Erde, ein Topf mit Abzugsloch und im Sommer regelmäßig Wasser, ohne dass Staunässe entsteht.
Häufige Fragen
Was kostet ein alter Olivenbaum?
Bäume mit 20 Jahren und 20 bis 30 Zentimetern Stammumfang gibt es ab etwa 150 Euro. Mit Altersangaben um 100 Jahre liegen Versandangebote meist im mittleren dreistelligen Bereich, große Solitärbäume in der Baumschule kosten oft mehrere tausend Euro. Bäume mit tausend Jahren wurden für fünf- bis sechsstellige Summen gehandelt.
Wo kann ich in der Nähe einen Olivenbaum kaufen?
In fast jedem Gartencenter und Baumarkt, im Frühjahr auch im Discounter. Für große Bäume lohnt eine Baumschule in der eigenen Region, etwa rund um Hannover oder Oldenburg, weil man dort fragen kann, wie die Bäume den letzten Winter überstanden haben.
Ist ein Olivenbaum aus dem Baumarkt winterhart?
Die Sorte und der Standort entscheiden mehr als das Etikett. Im Kübel braucht jeder Olivenbaum in Deutschland Winterschutz.
Darf ich einen Olivenbaum aus dem Urlaub mitbringen?
Aus Xylella-Gebieten wie Südapulien nicht. Auch sonst ist es keine gute Idee, denn ohne Kontrolle kann man Krankheiten einschleppen. Im Zweifel vorher beim Pflanzenschutzdienst des eigenen Bundeslands fragen.
Wie alt ist mein Olivenbaum wirklich?
Das lässt sich am lebenden Baum kaum feststellen. Stammumfang und Händlerangabe geben nur eine grobe Richtung.
Quellen
- Durchführungsverordnung (EU) 2020/1201 über Maßnahmen gegen Xylella fastidiosa
- Verordnung (EU) 2016/2031, Artikel 81: Ausnahmen von der Pflanzenpasspflicht
- Julius Kühn-Institut: Pflanzengesundheitliches Datenblatt Xylella fastidiosa
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein: Xylella fastidiosa, Besonderheiten beim Ausstellen von Pflanzenpässen
- Regione Toscana: Xylella trovata in Belgio su olivi spagnoli (2018)
- The Olive Press: 1,000-year-old olive trees ripped out of the ground in Spain and sold (2016)
- European Tree of the Year: Ancient garden ornaments for sale (2018)
- Regione Puglia: Linee guida espianto e reimpianto ulivi monumentali, zur L.R. 14/2007
- AP via Christian Science Monitor: Century-old trees chopped by chainsaw-wielding thieves (2023)

