Wie alt ein Olivenbaum wirklich ist

Uralter Olivenbaum mit mächtigem, verdrehtem Stamm hinter einem Holzzaun in mediterraner Landschaft

Wie alt ist der Olivenbaum von Vouves auf Kreta? Mindestens 2.000 Jahre, sagen die Landschaftshistoriker Oliver Rackham und Jennifer Moody. Rund 4.000, heißt es auf Webseiten mit Verweis auf die Universität Kreta. Beides kann stimmen, beides ist geschätzt. Für Olivenbäume gilt das fast immer: Ihr Alter lässt sich nur selten genau bestimmen, weil alte Stämme hohl sind, die Jahresringe unregelmäßig wachsen und ein Baum nach dem Fällen aus der Wurzel neu austreibt.

Bei einem Gartenbaum ist es nicht anders. Stammumfang und Händlerangabe geben eine grobe Richtung, mehr nicht. Ein paar Anhaltspunkte gibt es trotzdem, und die Rekordbäume rund ums Mittelmeer zeigen gut, wo die Methoden an ihre Grenzen stoßen.

Die Kandidaten für den ältesten Olivenbaum der Welt

Vouves, Kreta

Der Baum steht im Dorf Ano Vouves in der Gemeinde Kolymvari, im Hinterland westlich von Chania. Sein Stamm misst 12,5 Meter im Umfang und 4,6 Meter im Durchmesser, innen ist er hohl. Radiokarbon fällt damit aus, denn das älteste Holz fehlt. Trotzdem trägt der Baum bis heute Oliven, auf ihn ist die kretische Sorte Tsounati veredelt. Seit 1997 steht er als Naturdenkmal unter Schutz, und 2009 öffnete daneben ein kleines Olivenmuseum. Für die Siegerkränze der Spiele 2004 in Athen und 2008 in Peking schnitt man Zweige von diesem Baum. Die Idee dahinter ist alt, denn schon in der Antike bekamen die Sieger einen Kranz aus Olivenzweigen.

Gethsemane, Jerusalem

Am Ölberg stehen acht alte Olivenbäume, die Pilger seit Jahrhunderten mit der Nacht vor der Kreuzigung verbinden. Ein Team des italienischen Forschungsrats CNR untersuchte sie und stellte die Ergebnisse 2012 vor. Bei drei Bäumen ließ sich Holz per Radiokarbon datieren, auf die Jahre 1092, 1166 und 1198. Die anderen fünf waren zu hohl. Genetisch stammten alle untersuchten Bäume von derselben Mutterpflanze ab. Der Holzforscher Mauro Bernabei, der die Arbeit 2015 im Journal of Archaeological Science veröffentlichte, betont, dass damit nur das Alter des erhaltenen Holzes feststeht. Die Wurzeln können älter sein, denn ein abgeschlagener Ölbaum treibt aus dem Stock wieder aus. Für Pilger ändert das wenig, der Ölberg bleibt einer der Orte, an denen sich Olive und Glaube am engsten berühren.

Die Schwestern Noahs, Libanon

In Bchaaleh im Norden des Libanon stehen sechzehn Bäume, die nach örtlicher Überlieferung 5.000 oder 6.000 Jahre alt sind. Eine Radiokarbonstudie in der Fachzeitschrift Dendrochronologia kam 2024 für den ältesten auf etwa 1.163 Jahre, mit einer Unsicherheit von 131 Jahren. Auch hier ist das Kernholz verrottet, die Zahl ist also ein Mindestalter.

Weitere Rekordbäume

Fast jedes Olivenland hat seinen Methusalem. In Luras auf Sardinien steht S'Ozzastru, ein wilder Ölbaum, also ein Oleaster, mit geschätzten 3.000 bis 4.000 Jahren. In Mouriscas in Portugal soll die Oliveira do Mouchão 3.350 Jahre alt sein, berechnet 2016 aus Stammmaßen. Die Stara Maslina bei Bar in Montenegro gilt als über 2.000 Jahre alt. Für den Al-Badawi-Baum in Al-Walaja bei Bethlehem werden sogar rund 5.000 Jahre genannt, ohne dass klar wäre, worauf die Zahl beruht. Die Wikipedia-Liste der ältesten Bäume führt alle diese Olivenbäume nur unter geschätzten Altern und nennt die Angaben ausdrücklich spekulativ.

Ganz anders funktioniert die Zählung im Gebiet Taula del Sénia zwischen Valencia und Katalonien. Dort wurden über 4.900 Olivenbäume registriert, die als tausendjährig gelten. Aufgenommen wird, wessen Stamm in 1,30 Meter Höhe mehr als 3,5 Meter misst. Das ist eine praktische Konvention. Eine Altersmessung steckt dahinter nur in Ausnahmen, zwei der Bäume hat die Polytechnische Universität Madrid mit einem Lasermessverfahren datiert. Die meisten registrierten Bäume gehören zur alten Lokalsorte Farga, und acht Erzeuger der Gegend verkaufen ihr Öl als Öl von tausendjährigen Bäumen.

Uralter Olivenbaum mit mächtigem, verdrehtem Stamm hinter einem Holzzaun in mediterraner Landschaft

Warum Jahresringe beim Olivenbaum versagen

Bei Eichen oder Kiefern zählt man Ringe, vergleicht sie mit Referenzkurven und kennt das Alter oft aufs Jahr genau. Beim Olivenbaum klappt das kaum. Er wächst in Wintern mit milden Phasen und Sommern mit Trockenruhe, manchmal zweimal im Jahr, manchmal gar nicht. Die Ringe sind schwer zu erkennen, oft nicht kreisrund, und der Stamm wächst auf einer Seite schneller als auf der anderen.

Wie groß der Fehler sein kann, hat eine israelische Gruppe am Weizmann-Institut 2017 an einer Stammscheibe aus Zippori in Galiläa gezeigt. Sie verglich gezählte Ringe mit Radiokarbondaten aus elf Proben. An einer Stelle hätte Ring 60 auf die Jahre um 1940 bis 1950 fallen müssen, das Holz stammte aber aus der Zeit zwischen 1879 und 1916. Anderswo fehlten rund zwanzig Ringe. Der Stamm wuchs je nach Richtung zwischen 0,13 und 0,26 Zentimetern im Radius pro Jahr. Er hatte außerdem mindestens drei Markröhren, also drei Zentren, weil mehrere Triebe zu einem Stamm verwachsen waren. Die Autoren datierten diese Zentren auf 1840 bis 1920. Der Baum war demnach kaum älter als 100 bis 180 Jahre, deutlich weniger, als sein Umfang vermuten ließ.

Radiokarbon, Genetik und ihre Grenzen

Die Radiokarbonmethode misst, wie viel Kohlenstoff-14 im Holz noch übrig ist. Sie braucht also Holz aus der Zeit, als der Baum jung war. Genau das fehlt den Rekordbäumen. Ihr Inneres ist über Jahrhunderte verrottet, übrig bleibt ein Ring aus jüngerem Holz. Die Messung liefert dann ein Mindestalter, und wie viel Zeit davor liegt, weiß niemand.

Dazu kommt die Biologie der Olive. Sie treibt aus dem Wurzelstock immer wieder neue Triebe, die nach Frost, Feuer oder Axt den alten Stamm ersetzen. Der Baum, den man heute sieht, kann jung sein, während die Wurzel denselben Genotyp seit Jahrhunderten trägt. Gentests wie in Gethsemane sagen dann, dass Bäume verwandt oder sogar Klone sind. Wann sie gepflanzt wurden, verraten sie nicht.

Olivenbaum Alter schätzen am Stammumfang

Für den Baum im eigenen Garten bleibt meist nur das Maßband. Gemessen wird der Umfang in etwa 1,30 Meter Höhe, oder knapp über dem Boden, wenn der Stamm sich früher teilt. Wer daraus ein Alter berechnen will, braucht eine Annahme über das Wachstum, und genau die schwankt enorm.

Ein Rechenbeispiel mit den israelischen Messwerten zeigt das. 0,13 Zentimeter Radius pro Jahr bedeuten knapp 0,8 Zentimeter mehr Umfang. 0,41 Zentimeter, so schnell wuchs derselbe Baum in jungen Jahren auf einer Seite, ergeben rund 2,6 Zentimeter. Ein Stamm mit einem Meter Umfang wäre damit irgendwo zwischen 40 und 120 Jahre alt. Ein bewässerter Baum in einer Baumschule wächst noch schneller, ein Baum an einem kargen Hang in Kreta langsamer. In Portugal und Spanien arbeiten Forscher deshalb mit Formeln, die an Bäumen bekannten Alters geeicht sind. Auch diese Formeln liefern am Ende eine Spanne von Jahrzehnten, und je älter der Baum, desto breiter wird sie.

Dazu kommen Eingriffe des Menschen. Viele alte Bäume wurden mehrfach bis auf den Stumpf zurückgeschnitten, umveredelt oder aus mehreren Trieben zu einem Stamm gezogen. Bei alten Olivenbäumen aus dem Gartencenter sind die Stämme oft so behandelt worden, und eine Angabe wie 150 Jahre auf dem Etikett ist dann eine freundliche Schätzung.

Querschnitt eines Olivenstamms mit unregelmäßigen Jahresringen neben einem Maßband

Alter und Früchte

Ein junger Olivenbaum blüht frühestens mit vier bis sechs Jahren und trägt meist ab dem siebten Jahr Früchte. Am ertragreichsten ist er nach Angaben der deutschsprachigen Wikipedia um das zwanzigste Jahr. Danach geht die Ernte nicht unbedingt zurück. Bäume von mehreren hundert Jahren tragen weiter, wenn sie geschnitten und versorgt werden, wie der Baum von Vouves zeigt. Wenn ein Baum im Kübel trotz Blüte keine Oliven ansetzt, liegt das selten am Alter, sondern an Bestäubung, Winterruhe oder Licht.

Häufige Fragen

Wie alt kann ein Olivenbaum werden?

Datiertes Holz lebender Olivenbäume reicht bisher rund 900 bis 1.200 Jahre zurück, etwa in Gethsemane und im Libanon. Schätzungen für Rekordbäume liegen bei 2.000 bis über 4.000 Jahren, sind aber nicht durch Datierung belegt.

Kann man das Alter am Stammdurchmesser berechnen?

Nur grob. Je nach Standort, Sorte und Pflege wächst der Umfang um weniger als einen bis mehrere Zentimeter pro Jahr, und mehrere verwachsene Triebe täuschen einen dickeren Stamm vor.

Woran erkennt man einen alten Olivenbaum?

An einem dicken, gedrehten, oft hohlen oder geteilten Stamm mit tiefen Furchen. Ein genaues Alter lässt sich daraus nicht ablesen.

Ab welchem Alter trägt ein Olivenbaum Früchte?

Meist ab etwa sieben Jahren, im Kübel oft später.

Gibt es eine winterharte Alternative zum Olivenbaum?

Als Ersatz wird oft die Schmalblättrige Ölweide angeboten, auch Russische Olive genannt, mit silbrigen, schmalen Blättern. Sie wirft im Winter das Laub ab und gehört zu einer ganz anderen Pflanzenfamilie. Späte, strenge Fröste verträgt auch sie schlecht. Wer im Haus etwas mit Olivenoptik sucht, greift zu einem künstlichen Baum, und für echte Olivenbäume lohnt sich ein Blick auf ihre tatsächliche Frosthärte.

Wie alt ist mein Olivenbaum aus dem Gartencenter?

Händler geben für Bäume mit 20 bis 30 Zentimetern Stammumfang meist rund 20 Jahre an. Bei Bäumen mit über einem Meter Umfang wird jede Angabe zur Schätzung mit großer Spanne.

Quellen

Teilen Sie den Beitrag:

Oliven Öl wie es sein sollte

Immer frisch (kalt gelagert), reich an Polyphenolen (mind. 400 mg/kg), lichtgeschützt abgefüllt.

Wir lieben gutes Olivenöl und wollen genau wissen, was drin ist. Deshalb gibt es O'Liv: Bio, kalt gepresst, nativ extra und direkt aus Griechenland. O'Liv PLUS hat mindestens 950 mg/kg Polyphenole. Für die tägliche Küche gibt es O'Liv Daily mit mindestens 400 mg/kg. Und geerntet wird ohne Vogelsterben.

Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl ein.

O'Liv the better Oil

O'Liv PLUS

O'Liv PLUS Flasche

Sehr hoher Polyphenolgehalt: Mindestens 950 mg/kg.

Reich an Vitamin E: 32,4 mg je 100 g.

Kräftiger Geschmack: Reichhaltig und intensiv, pur als Shot oder über kalte Speisen.

O'Liv Daily

O'Liv Daily, natives Bio-Olivenöl extra im 1-Liter-Kanister

Jetzt im 1-Liter-Kanister: Lichtdicht verpackt, auch als 2, 3 und 6 Liter.

Mindestens 400 mg/kg Polyphenole: Regelmäßig laborgeprüft.

Für die kalte und warme Küche: Bio, von Hand gepflückte Koroneiki-Oliven aus Achaia, kalt gepresst und ungefiltert.

Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl ein.

Ähnliche Beiträge

Blaue Verkostungsgläser, Probenfläschchen und ein Olivenzweig auf einem Holztisch

Olivenöl-Glossar von A bis Z

Von Agourelaio bis Zweiphasenverfahren: Das Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe rund um Olivenöl, Güteklassen, Laborwerte, Sorten und Ölmühle in wenigen Sätzen und verweist auf die ausführlichen Beiträge im Wiki.

Mehr lesen
Olivenernte mit Handkämmen und Netzen unter alten Olivenbäumen

Die Olivenernte, Fragen und Antworten zur neuen Saison

Auf der Nordhalbkugel werden Oliven von Oktober bis Januar geerntet. Für die Saison 2026/27 erwartet Spanien rund 1,6 Millionen Tonnen Öl, Griechenland etwa 300.000 Tonnen, Italien weniger als im Vorjahr. Die Erzeugerpreise sind gesunken, im Laden kommt das mit Verzögerung an.

Mehr lesen