17,1 gegen 23,4 Prozent. So oft trat in einer Madrider Studie ein Schwangerschaftsdiabetes auf, je nachdem, ob die Frauen reichlich natives Olivenöl und Pistazien bekamen oder angehalten wurden, Fett zu sparen. Die Studie ist der wichtigste Grund, warum Olivenöl in der Schwangerschaft einen guten Ruf hat. Für vieles andere, was Schwangeren mit Olivenöl empfohlen wird, von der Bauchmassage bis zum Öltampon, ist die Datenlage dagegen schmal.
Vorweg die einfache Nachricht: Olivenöl als Lebensmittel ist in der Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich, ob kalt gepresst, ungefiltert oder raffiniert.

Ein Liter Öl pro Woche in Madrid
Am Hospital Clínico San Carlos in Madrid wurden 2015 tausend Schwangere in der 8. bis 12. Woche per Los in zwei Gruppen geteilt. Alle hatten zu Beginn normale Blutzuckerwerte. Die eine Gruppe sollte sich mediterran ernähren und täglich mindestens 40 Milliliter natives Olivenöl extra sowie eine Handvoll Pistazien essen, also 25 bis 30 Gramm. Damit das klappte, bekamen die Frauen jede Woche einen Liter Öl und 150 Gramm Pistazien mit nach Hause. Die Kontrollgruppe erhielt die damals übliche Beratung, Fett und damit auch Olivenöl und Nüsse eher einzuschränken.
Ausgewertet wurden 874 Frauen. Zwischen der 24. und 28. Woche hatten in der Olivenölgruppe 74 von 434 einen Schwangerschaftsdiabetes (17,1 Prozent), in der Kontrollgruppe 103 von 440 (23,4 Prozent). Das relative Risiko lag bei 0,73. Insulin brauchten in der Olivenölgruppe 19 Prozent der Erkrankten, in der Kontrollgruppe 32 Prozent. Dazu kamen weniger Frühgeburten, weniger Notkaiserschnitte, weniger Harnwegsinfekte und weniger Kinder, die für ihr Alter zu klein oder zu groß waren. Die Frauen der Olivenölgruppe nahmen bis zur Geburt sogar etwas weniger zu, trotz der zusätzlichen Kalorien aus Öl und Nüssen.
So eindrucksvoll das klingt, die Studie hat Grenzen. Sie lief an einer einzigen Klinik, die Teilnehmerinnen wussten, in welcher Gruppe sie waren, und verglichen wurde eine ganze Ernährungsweise mit einer fettarmen Kost. Welcher Anteil auf das Öl entfällt, welcher auf Pistazien, Gemüse oder die intensivere Beratung, lässt sich nicht trennen. Das Muster ähnelt der PREDIMED-Studie, in der ebenfalls natives Olivenöl verteilt und mit einer fettarmen Kost verglichen wurde. Für Frauen, die bereits einen Schwangerschaftsdiabetes haben, sagt die Studie nichts aus. Ihre Ernährung legt das Diabetesteam fest, Olivenöl hat darin aber meist selbstverständlich Platz.
Gesundheitsbezogene Werbung mit Olivenöl ist in der EU eng geregelt. Zugelassen ist nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012 nur diese Aussage: "Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen." Sie gilt bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl, und auch nur für Öle, die mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und seine Derivate je 20 g enthalten. Speziell für Schwangere gibt es keine zugelassene Aussage.
Kalt gepresst, ungefiltert, abgelaufen
Viele Suchanfragen drehen sich um die Frage, ob eine bestimmte Sorte Öl in der Schwangerschaft erlaubt ist. Eine Regel, die natives oder ungefiltertes Olivenöl ausschließt, gibt es nicht. Ungefiltertes Öl enthält feine Fruchtteilchen und Wasserreste, es altert dadurch schneller, ist aber keine Gefahr für das Kind. Ein Öl kurz nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum ist ebenfalls nicht gefährlich, das Datum ist ein Qualitätsversprechen des Herstellers. Riecht es nach Wachsmalstift oder altem Nussöl, ist es ranzig und schmeckt einfach schlecht. Dunkel, kühl und gut verschlossen gelagert, bleibt eine Flasche monatelang frisch, und die Haltbarkeit von Olivenöl hängt mehr an Licht und Luft als am Datum.
Bei Oliven sieht es etwas anders aus. Das Bundesinstitut für Risikobewertung zählt Schwangere zu den Gruppen, die sich vor Listerien schützen sollten, Keimen, die das Ungeborene schädigen können. Die Ratgeberreihe "Sicher essen in der Schwangerschaft" nennt Oliven und Antipasti aus offenen Gefäßen, von der Feinkosttheke oder vom Salatbuffet als problematisch. Oliven aus dem Glas oder der Dose, die erhitzt wurden und ungekühlt haltbar sind, gelten als unbedenklich. Weil Oliven viel Salz enthalten, sind ein paar Stück eine gute Menge. Ob Oliven gesund sind, hängt ohnehin stark davon ab, wie sie eingelegt wurden.
Verstopfung
Verstopfung trifft viele Schwangere, weil Hormone den Darm träger machen und später das Kind auf ihn drückt. Ein Löffel Öl am Morgen ist ein häufiger Rat. Studien bei Schwangeren gibt es dazu keine, die wenigen Arbeiten zu Olivenöl bei Verstopfung stammen von Erwachsenen außerhalb der Schwangerschaft. Ballaststoffe, genug Flüssigkeit und Bewegung bleiben die erste Wahl, Abführmittel nur nach Rücksprache.

Dehnungsstreifen
Sehr viele Schwangere bekommen sie, und die Regale sind voll mit Ölen und Cremes dagegen. Ein Cochrane-Review aus Irland fasste 2012 sechs Studien mit rund 800 Frauen zusammen. Getestet wurden Olivenöl, Kakaobutter und mehrere Markencremes. Keines der Mittel verhinderte nachweislich Dehnungsstreifen.
Seitdem kamen einige kleine Studien hinzu, mit wechselndem Ergebnis:
- Iran, 2012: Bei rund 100 Erstgebärenden, die im zweiten Drittel der Schwangerschaft Olivenöl auftrugen, bekamen 40 Prozent Streifen, in der Gruppe ohne Behandlung 56 Prozent.
- Eine zweite iranische Studie mit 100 Frauen fand keinen gesicherten Unterschied.
- Türkei, 2022: 156 Erstgebärende im letzten Drittel. Mit Olivenöl zweimal täglich hatten 50 Prozent Streifen, ohne 69 Prozent, und die Streifen waren schwächer ausgeprägt.
- Eine unverblindete Studie mit 70 Frauen, die ab der 18. bis 20. Woche massierten, fand keinen signifikanten Unterschied.
In diesen Studien wussten die Frauen, ob sie Öl auftrugen, und die Bewertung der Streifen ist ein Stück weit Ansichtssache. Ein großer, sauberer Versuch fehlt. Schaden tut das Einölen nicht, und viele Frauen empfinden die Massage als angenehm, weil sie die Spannung der Haut lindert. Mehr sollte man sich davon nicht versprechen. Wer zu Reizungen neigt, testet das Öl zuerst an einer kleinen Stelle, denn Olivenöl kann die Hautbarriere schwächen, wie Studien zu Olivenöl auf der Haut zeigen.
Dammmassage, Öltampon und ozonisiertes Öl
Für die Dammmassage gibt es tatsächlich Belege, nur nicht speziell für Olivenöl. Ein Cochrane-Review von 2013 wertete drei Studien mit 2.434 Frauen aus, die ab etwa der 35. Woche regelmäßig den Damm massierten. Bei Frauen, die zum ersten Mal vaginal gebaren, mussten Verletzungen seltener genäht werden, vor allem wegen weniger Dammschnitten. Das relative Risiko lag bei 0,91, ein kleiner Effekt. Frauen, die schon einmal geboren hatten, berichteten drei Monate später seltener über Schmerzen. Womit massiert wurde, spielte in der Auswertung keine Rolle. Eine randomisierte Studie von 2013 verglich Jojobaöl mit einer Mischung aus Mandel- und Olivenöl und fand keinen Unterschied bei Rissen oder Nähten.
Der Öltampon, ein in Öl getränkter Tampon über Nacht in den letzten Wochen, ist eine verbreitete Hebammenempfehlung. Studien zu Wirkung oder Sicherheit habe ich nicht gefunden. Nach einem Blasensprung und bei Infektionen gehört nichts in die Scheide, ansonsten ist die betreuende Hebamme die richtige Ansprechpartnerin. Für ozonisiertes Olivenöl, das als Hautpflege verkauft wird, fehlen Daten aus der Schwangerschaft ganz.

Nach der Geburt: wunde Brustwarzen
In den ersten Stilltagen tun vielen Frauen die Brustwarzen weh, manche reißen ein. Ein Cochrane-Review aus Kanada wertete 2014 vier gute Studien mit 656 Frauen aus. Gar nichts aufzutragen oder etwas abgepumpte Muttermilch zu verteilen, war mindestens so wirksam wie Lanolinsalbe. Im Mittel ließ der Schmerz nach 7 bis 10 Tagen deutlich nach, egal was die Frauen verwendeten. Wichtiger als jede Salbe ist, wie das Kind an der Brust liegt und saugt. Dabei helfen Hebamme oder Stillberatung.
Olivenöl kam in dieser Übersicht nicht vor. Später erschienen kleine Studien aus Spanien, Ägypten und der Türkei. In der spanischen aus Jaén, mit 124 Frauen, hatten Erstgebärende mit Bio-Olivenöl seltener Risse als mit Muttermilch, aus Ägypten wird berichtet, dass Öl und Muttermilch die Schmerzen ähnlich linderten. Alle Studien sind klein und unverblindet. Ein Tropfen Öl nach dem Stillen ist für das Kind unbedenklich. Kommen Fieber, eine gerötete, heiße Brust oder eitrige Stellen dazu, braucht es ärztliche Hilfe.
Auch beim Stillen gilt fürs Essen: Olivenöl darf in normaler Menge auf den Tisch. Gegen Spucken und Reflux beim gestillten Säugling hilft es nach allem, was bekannt ist, weder über die Muttermilch noch direkt gegeben. Sein eigenes erstes Olivenöl bekommt das Baby dann ein paar Monate später im Brei. Wie es nach dem ersten Geburtstag weitergeht, steht unter Wie viel Olivenöl brauchen Kinder?
Häufige Fragen
Ist Olivenöl in der Schwangerschaft gesund?
Olivenöl ist in der Schwangerschaft ein gut geeignetes Fett. In einer Studie aus Madrid sank mit Mittelmeerkost, reichlich nativem Olivenöl und Pistazien der Anteil der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes von 23,4 auf 17,1 Prozent.
Hilft Olivenöl gegen Dehnungsstreifen?
Das ist nicht belegt. Einige kleine Studien fanden etwas weniger Streifen, andere keinen Unterschied, und eine Cochrane-Übersicht konnte für kein Öl und keine Creme einen Nutzen zeigen.
Darf ich in der Schwangerschaft Oliven essen?
Ja, aus Glas oder Dose problemlos. Offene Ware von der Feinkosttheke sollten Schwangere wegen der Listeriengefahr meiden.
Kann ich Olivenöl auf wunde Brustwarzen geben?
Ein Tropfen schadet nicht, kleine Studien deuten auf einen Nutzen hin. Muttermilch oder gar nichts sind nach der Cochrane-Übersicht aber ähnlich wirksam, entscheidend ist das richtige Anlegen.
Quellen
- Assaf-Balut C et al. (2017): St. Carlos GDM Prevention Study. PLoS One
- Brennan M, Young G, Devane D (2012): Topical preparations for preventing stretch marks in pregnancy. Cochrane
- Taavoni S et al. (2012): Olive oil and Saj cream on striae gravidarum. Iranian Journal of Nursing
- Kırca N, Gül S (2022): Effects of Olive Oil on Striae Gravidarum in Primiparous Women
- Beckmann MM, Stock OM (2013): Antenatal perineal massage for reducing perineal trauma. Cochrane
- Can we find the perfect oil to protect the perineum? (2013). Journal of Maternal-Fetal and Neonatal Medicine
- Dennis CL et al. (2014): Interventionen zur Behandlung schmerzender Brustwarzen bei Stillenden. Cochrane
- Agea-Cano I et al. (2021): Aceite de oliva ecológico en las grietas del pezón. Evidentia
- BfR: Schutz vor Lebensmittelinfektionen mit Listerien
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012

