Wie viel Olivenöl brauchen Kinder?

Kinderhand tunkt Brot in ein Schälchen Olivenöl am Familientisch

Rund 20 Gramm Speisefett am Tag. So viel sehen die Schweizer Empfehlungen für Kinder zwischen einem und drei Jahren vor, und sie nennen dafür zwei Öle mit Namen: Rapsöl und Olivenöl. Mit dem ersten Geburtstag ist für die meisten Kinder die Breizeit vorbei. Sie essen am Familientisch mit, tunken Brot in die Soße und greifen nach den Oliven auf dem Teller der Eltern. Olivenöl gehört dabei selbstverständlich dazu. Nur als Hausmittel taugt es bei Kindern weniger, als manche Großmutter glaubt.

Frage Kurze Antwort
Ab wann wie bei den Großen? Ab etwa einem Jahr, wenn das Kind am Familientisch mitisst.
Wie viel Fett am Tag? Etwa 20 g Öl, Margarine und Butter zusammen mit ein bis drei Jahren, rund 25 g mit vier bis sechs.
Olivenöl oder Rapsöl? Beides. Rapsöl bringt mehr Omega-3, Olivenöl vor allem Ölsäure.
Zum Braten? Ja, wie bei Erwachsenen.
Kind mag es nicht? Ein mildes Öl nehmen und es immer wieder anbieten.
Als Hausmittel? Kein Löffel Öl gegen Verstopfung, nichts ins Ohr ohne ärztlichen Rat.
Kinderhand tunkt Brot in ein Schälchen Olivenöl am Familientisch

Wie viel Fett ein Kind braucht

Ein Kleinkind wächst schnell und bewegt sich viel. Gemessen an seinem Gewicht braucht es deutlich mehr Energie als ein Erwachsener, und Fett liefert davon einen guten Teil. Am Fett zu sparen ist in diesem Alter deshalb kein Ziel. Worauf es ankommt, ist die Art des Fetts. Eine Verzehrsstudie, die das Netzwerk Gesund ins Leben in seinen Handlungsempfehlungen für das Kleinkindalter zitiert, fand bei Ein- bis Vierjährigen gut ein Drittel der Energie aus Fett, also ungefähr das, was man erwarten würde. Die gesättigten Fettsäuren lagen mit rund 16 Prozent der Energie allerdings weit über dem Ziel von höchstens 10 Prozent, die mehrfach ungesättigten mit 3,7 Prozent deutlich unter den empfohlenen 6 bis 8 Prozent. Daraus folgt der Rat, sparsam mit Butter, Sahne und fetter Wurst umzugehen und pflanzliche Öle zu bevorzugen.

Wie viel das in Gramm ist, steht in zwei Empfehlungen aus derselben Werkstatt. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund hat das Konzept der optimierten Mischkost entwickelt, kurz optiMIX. Darin sind für Vier- bis Sechsjährige 25 g Öl, Margarine und Butter am Tag vorgesehen, für 13- und 14-Jährige 35 g bei Mädchen und 40 g bei Jungen. Für die Jüngeren gilt eine Schweizer Fassung von 2017, die Kersting mit der Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie erarbeitet hat. Sie nennt für Ein- bis Dreijährige 20 g, bevorzugt als Pflanzenöle, und zählt Rapsöl und Olivenöl als die beiden wichtigsten Öle für die Küche auf. Etwas Butter aufs Brot ist erlaubt.

Ein Esslöffel Olivenöl wiegt etwa 13,5 g. Die 20 g für ein Kleinkind sind also ungefähr anderthalb Esslöffel am Tag, verteilt auf alle Mahlzeiten und einschließlich des Fetts aufs Brot. Gemeint ist das Fett, das man beim Kochen und Streichen selbst zugibt. Was in Käse, Keksen oder Wurst steckt, kommt hinzu. Die Verbraucherzentrale NRW macht es noch einfacher und rechnet für Kinder mit höchstens zwei Portionen Fett am Tag, eine Portion entspricht einem Esslöffel. Wie sich die Fettsäuren im Olivenöl zusammensetzen, steht im Beitrag zu den Nährwerten von Olivenöl.

Rapsöl und Olivenöl in zwei Flaschen nebeneinander auf einer Küchenarbeitsplatte

Rapsöl, Olivenöl oder beides

In deutschen Empfehlungen taucht als Beispiel fast immer Rapsöl auf. Der Grund ist derselbe wie beim Babybrei, die Alpha-Linolensäure. Rapsöl enthält rund 9 Prozent dieser Omega-3-Fettsäure, Olivenöl weniger als 1 Prozent. Die Hauptfettsäure im Olivenöl ist die Ölsäure. Wie wenig Omega-3 tatsächlich im Olivenöl steckt, rechnet der Beitrag über Omega-3 in Olivenöl vor, und warum die Beikostempfehlungen Rapsöl nennen, steht im Text über Olivenöl fürs Baby.

Wer sich deshalb zwischen beiden Flaschen entscheiden will, muss das gar nicht. Die Schweizer Empfehlung nennt sie gleichrangig, und in der Praxis teilen sie sich die Arbeit ganz gut auf. Rapsöl schmeckt neutral und passt in Rührteig, Pfannkuchen und alles, was nicht nach Öl schmecken soll. Olivenöl gehört an Gemüse, Nudeln, Hülsenfrüchte und Salat. Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren, die Kinder für Gehirn und Augen brauchen, liefert ohnehin keines von beiden in nennenswerter Menge. Dafür empfiehlt das Netzwerk Gesund ins Leben ein- bis zweimal pro Woche Fisch, davon einmal einen fettreichen wie Lachs oder Hering.

Warum Kinder bitteres Öl stehen lassen

Ein frisches, früh geerntetes Olivenöl schmeckt grasig, bitter und kratzt im Hals. Erwachsene, die so ein Öl kennen, schätzen genau das. Ein Dreijähriger verzieht das Gesicht. Das ist keine Laune. Am Monell Chemical Senses Center in Philadelphia, wo auch das Kratzen im Hals auf das Oleocanthal zurückgeführt wurde, hat Julie Mennella 2005 143 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren und ihre Mütter untersucht. Wie empfindlich jemand für eine bittere Testsubstanz ist, hing bei beiden stark von Varianten eines Bitterrezeptor-Gens ab. Bei gleicher Genvariante erkannten aber 64 Prozent der Kinder die schwächste Lösung, und nur 43 Prozent der Erwachsenen. Kinder schmecken Bitteres also schärfer, und sie mögen Süßes lieber.

Raffiniertes Öl muss es deshalb nicht sein. Im Alltag hilft:

  • Ein mildes Öl wählen, etwa aus später Ernte oder von Sorten wie Arbequina. Kräftige Öle aus grünen Oliven bleiben für die Erwachsenen.
  • Das Öl mitgaren. Beim Erhitzen werden die bitteren Phenole teilweise abgebaut, gedünstetes Gemüse schmeckt deshalb runder als roh beträufeltes.
  • Kleine Mengen anbieten und nicht aufgeben. In einer Londoner Studie mit Kindern zwischen zwei und sechs Jahren ließ Jane Wardle Eltern ihre Kinder 14 Tage lang täglich ein bisher abgelehntes Gemüse kosten. Danach mochten und aßen die Kinder es deutlich mehr als in den Vergleichsgruppen. Für Olivenöl habe ich keine solche Studie gefunden, ich sehe aber keinen Grund, warum es dort anders laufen sollte.

Woher Bitterkeit und Schärfe im Öl kommen und wann sie ein Qualitätszeichen sind, erklärt der Beitrag Warum schmeckt Olivenöl bitter oder scharf?

Am Familientisch

Brot, Gemüse und Nudeln

Am einfachsten kommt Olivenöl über Dinge auf den Teller, die Kinder ohnehin mögen. Brot zum Eintunken statt Butterbrot, Nudeln mit etwas Öl und geriebenem Käse, Ofenkartoffeln, Kichererbsenmus. Gemüse, das in Öl gedünstet oder im Ofen geröstet wird, schmeckt vielen Kindern besser als gekochtes, und das Fett hilft, die fettlöslichen Farbstoffe und Vitamine aus Karotten oder Paprika aufzunehmen. Ein Blech mediterranes Ofengemüse oder ein selbst gemachter Hummus sind gute Einstiege. Bei Rezepten für Erwachsene lohnt es sich, Chili und Salz zurückzunehmen.

Braten und Backen

Für Kinder gelten in der Pfanne dieselben Regeln wie für alle. Natives Olivenöl extra hält die üblichen Brattemperaturen bis etwa 180 Grad aus, solange es nicht raucht. Mehr dazu steht im Beitrag Darf man Olivenöl erhitzen? Auch Kuchen und Muffins lassen sich mit Olivenöl statt Butter backen, mit einem milden Öl schmeckt man es kaum. Wie man die Menge umrechnet, steht unter Mit Olivenöl statt Butter backen.

Oliven als Snack

Viele Kinder lieben Oliven, gerade die schwarzen. Zwei Dinge sollte man dabei im Blick behalten. Zehn grüne Oliven bringen gut ein Gramm Salz mit, eine Handvoll ist also genug. Und Oliven mit Kern sind für kleine Kinder ungeeignet. Kleinkinder bekommen sie wie Weintrauben nur klein geschnitten, und vorher entsteint. Was in Oliven sonst steckt, fasst der Beitrag Sind Oliven gesund? zusammen.

Kinderteller mit Nudeln, Ofengemüse und klein geschnittenen Oliven

Olivenöl als Hausmittel bei Kindern

Meistens geht es um Verstopfung. Für Erwachsene gibt es ein paar kleine Studien, für Kinder keine, und Kinderärzte raten meist zuerst zu Flüssigkeit, Obst und Bewegung. Was über Öl gegen Verstopfung bekannt ist, steht im Beitrag Olivenöl bei Verstopfung.

Dazu kommt ein Risiko, an das kaum jemand denkt. Wird Öl eingeatmet statt geschluckt, kann es sich in der Lunge festsetzen und eine sogenannte Lipidpneumonie auslösen. Eine brasilianische Fallserie von 2009 beschreibt 28 Kinder, im Mittel knapp zwei Jahre alt, 23 von ihnen hatten das Öl gegen Verstopfung bekommen. In dieser Serie war es Paraffinöl. Fallberichte gibt es aber auch mit Olivenöl. Einem Kleinkind, das liegt, weint oder sich wehrt, sollte man deshalb kein Öl mit dem Löffel einflößen, auch kein gutes.

Ähnlich sieht es am Ohr aus. Olivenöl gegen Ohrenschmalz ist bei Erwachsenen verbreitet, bei Kindern mit Paukenröhrchen oder nach einer Mittelohrentzündung gehört es nicht ins Ohr. Die Einzelheiten stehen im Beitrag Löst Olivenöl Ohrenschmalz? Und für die Haut gilt, was schon bei Babys gilt: Zwei Studien fanden, dass Olivenöl die Hautbarriere eher schwächt, mehr dazu unter Olivenöl für die Haut.

Allergien und Unverträglichkeiten

Allergien gegen Olivenöl sind selten. Häufiger ist eine Allergie gegen die Pollen des Olivenbaums, und dabei spielt das Öl keine Rolle. Warum dabei auch die Esche mitspielt, steht unter Olivenpollenallergie. Bei Histaminintoleranz gilt Olivenöl als gut verträglich, anders als fermentierte Tafeloliven. Die Einzelheiten stehen im Beitrag Olivenöl bei Histaminintoleranz. Bei Mischölen lohnt ein Blick auf die Zutatenliste, wenn ein Kind auf Nüsse oder Soja allergisch ist.

Häufige Fragen

Ab wann dürfen Kinder Olivenöl essen?

Schon mit dem ersten Brei. Ab etwa einem Jahr, wenn das Kind am Familientisch mitisst, kann es Olivenöl genauso bekommen wie die Erwachsenen, in Salat, Gemüse und Nudeln.

Wie viel Olivenöl am Tag ist für ein Kleinkind richtig?

Eine eigene Menge für Olivenöl gibt es nicht. Für Ein- bis Dreijährige nennt die Schweizer Empfehlung insgesamt etwa 20 g Speisefett am Tag, bevorzugt Raps- und Olivenöl. Das sind ungefähr anderthalb Esslöffel, verteilt auf den ganzen Tag.

Ist Rapsöl für Kinder besser als Olivenöl?

Rapsöl enthält deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren. Olivenöl ist deshalb nicht schlechter, beide ergänzen sich. Am einfachsten nimmt man Rapsöl zum Backen und Olivenöl für Gemüse und Salat.

Darf ich für mein Kind mit Olivenöl braten?

Ja. Natives Olivenöl extra verträgt die üblichen Brattemperaturen bis etwa 180 Grad. Raucht das Öl, ist die Pfanne zu heiß.

Mein Kind mag kein Olivenöl. Was hilft?

Ein mildes Öl aus später Ernte, das Öl mitgaren statt roh darübergeben und kleine Mengen immer wieder anbieten. Kinder schmecken Bitteres stärker als Erwachsene und brauchen oft mehrere Anläufe.

Hilft ein Löffel Olivenöl bei Verstopfung?

Für Kinder gibt es dafür keine Belege. Bei kleinen Kindern kann eingeatmetes Öl außerdem die Lunge schädigen. Bei Verstopfung ist die Kinderarztpraxis die richtige Adresse.

Quellen

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