Wer am meisten Olivenöl isst

Balkendiagramm zum Pro-Kopf-Verbrauch von Olivenöl in acht Ländern

Wer isst am meisten Olivenöl? Die Griechen, und zwar seit Jahrzehnten. Nach den Zahlen des Internationalen Olivenrats (IOC), veröffentlicht im März 2025, verbraucht Griechenland 9,3 Kilogramm pro Kopf und Jahr, vor Spanien mit 7,5 und Italien mit 7,4 Kilogramm. In Deutschland liegt der Wert unter einem Kilo.

Überraschend ist eher etwas anderes. Die Spitzenreiter essen heute deutlich weniger Olivenöl als vor zehn oder zwanzig Jahren, während der Verbrauch in Ländern ohne eigene Olivenhaine wächst.

Griechenland vorn, Spanien und Italien knapp dahinter

Die IOC-Zahlen sind Durchschnittswerte, berechnet aus Erzeugung, Einfuhr, Ausfuhr und Lagerbeständen, geteilt durch die Einwohnerzahl. Was Touristen in Hotels essen, zählt also mit, ebenso Öl, das in Konserven oder Fertiggerichten landet. Für die EU-Länder nennt der IOC kein Erntejahr, die Werte der übrigen Mitglieder beziehen sich auf 2022/23. In diesen Jahren war das Öl nach zwei Dürreernten in Spanien knapp und teuer, das drückt die Zahlen.

Land kg pro Kopf und Jahr (IOC, Stand März 2025) kg pro Kopf (IOC-Angaben, Bericht 2021)
Griechenland 9,3 11,5
Albanien 8,7 4,7
Spanien 7,5 10,6
Italien 7,4 7,5
Marokko 4,0 keine Angabe
Zypern 3,8 keine Angabe
Libanon 3,8 keine Angabe
Portugal 3,7 keine Angabe
Kanada 1,2 keine Angabe
USA 1,1 keine Angabe
Japan 0,4 keine Angabe

Spanien fiel damit von 10,6 auf 7,5 Kilogramm. Ein Teil davon ist Preiseffekt. Als der Liter im Supermarkt 2023 und 2024 plötzlich das Doppelte kostete, griffen viele spanische Haushalte zu Sonnenblumenöl. Wie es zu dem Preissprung bei Olivenöl kam, lässt sich an den Ernten der Jahre 2022 und 2023 genau ablesen. Ob sich der Verbrauch mit den wieder fallenden Preisen ganz erholt, zeigen erst die nächsten Jahre.

Albanien ist der Ausreißer der Liste. Das kleine Land hat viele alte Haine, Olivenöl gehört dort zur Alltagsküche, und bei weniger als drei Millionen Einwohnern reicht eine gute Ernte für einen hohen Pro-Kopf-Wert. Der Sprung von 4,7 auf 8,7 Kilogramm dürfte teilweise auch auf geänderte Berechnungen zurückgehen, das lässt sich aus den veröffentlichten Daten nicht sauber trennen.

Balkendiagramm zum Pro-Kopf-Verbrauch von Olivenöl in acht Ländern

Kreta und die Zahlen aus den Sechzigern

Innerhalb Griechenlands liegt Kreta noch einmal deutlich über dem Landesschnitt. In der Sieben-Länder-Studie, die ab Ende der 1950er-Jahre Männer in Dörfern östlich von Heraklion untersuchte, fiel die kretische Ernährung durch ihren sehr hohen Anteil an Olivenöl auf. Daraus entstand später das Bild der Mittelmeerküche. Für heute kursieren Werte von 20 bis 30 Litern pro Kopf und Jahr, oft unter Berufung auf den Verband der kretischen Olivenöl-Gemeinden. Eine amtliche Statistik für die Insel allein gibt es nicht, und viele dieser Zahlen sind alt. Gesichert ist die Richtung: Auf Kreta wird mehr Olivenöl gegessen als im übrigen Griechenland, weil fast jede Familie Bäume hat oder Öl direkt von Verwandten bekommt. Die Insel liefert auch einen großen Teil des griechischen Öls, vor allem aus der Sorte Koroneiki, und wer dort im November unterwegs ist, sieht an fast jedem Hang Netze unter den Bäumen. Die Öle von Kreta und dem Peloponnes unterscheiden sich dabei stärker, als das gemeinsame Etikett Griechenland vermuten lässt.

Deutschland kommt auf weniger als ein Kilo

Für Deutschland veröffentlicht der IOC keinen Pro-Kopf-Wert. Zwei Wege führen trotzdem zu einer Größenordnung.

Der erste sind die Einfuhren. Deutschland erzeugt so gut wie kein Olivenöl. 2021 wurden fast 84.000 Tonnen eingeführt, 2023 waren es 64.000 Tonnen, wie die Fachzeitschrift Lebensmittel Praxis aus der Außenhandelsstatistik berichtete. Fast 45 Prozent davon kamen aus Italien, gut 34 Prozent aus Spanien. Geteilt durch rund 84 Millionen Einwohner ergibt das für 2023 etwa 0,76 Kilogramm pro Kopf. Diese Rechnung ist grob, denn ein Teil des Öls verlässt das Land wieder, etwa in Lebensmitteln.

Der zweite Weg ist der Einkauf der Haushalte. Laut dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie OVID, der sich auf das Haushaltspanel der GfK stützt, kauften private Haushalte 2024 rund 36 Millionen Liter Olivenöl. Das sind 17 Prozent aller gekauften Speiseöle, Rapsöl kam auf 86 Millionen Liter. Pro Kopf sind das gut 0,4 Liter im Jahr, knapp ein Esslöffel pro Woche. Restaurants, Bäckereien und die Lebensmittelindustrie fehlen in dieser Zahl.

Zwischen 0,4 und 0,8 Kilogramm liegt der deutsche Verbrauch also, je nach Rechnung. Ein Grieche isst im Schnitt mehr als zehnmal so viel.

Beim Vergleichen hilft es, auf die Einheit zu achten. Statistiken rechnen in Kilogramm, Verbände und Etiketten oft in Litern. Ein Liter Olivenöl wiegt etwa 0,91 bis 0,92 Kilogramm, 36 Millionen Liter sind also rund 33.000 Tonnen. Wer Zahlen aus verschiedenen Quellen nebeneinanderlegt, muss das umrechnen, sonst wirkt der Unterschied größer oder kleiner, als er ist. Dazu kommt, dass Jahre mit Missernten die Statistik verzerren. 2023 waren die Einfuhren auch deshalb niedrig, weil Olivenöl so teuer war wie nie zuvor.

Spanien erzeugt, Italien kauft zu

Verbrauch und Erzeugung hängen eng zusammen, aber nicht vollständig. Laut IOC wurden im Erntejahr 2024/25 weltweit 3,57 Millionen Tonnen Olivenöl erzeugt, 38 Prozent mehr als im Dürrejahr davor. Die größten Erzeuger:

  • Spanien mit 1,42 Millionen Tonnen, das sind rund 40 Prozent der Weltmenge, vor allem aus Andalusien
  • Türkei mit 505.000 Tonnen
  • Tunesien mit 340.000 Tonnen
  • Griechenland mit 250.000 Tonnen
  • Italien mit 248.000 Tonnen, 25 Prozent weniger als im Vorjahr
  • Portugal mit 177.000 Tonnen

Für 2025/26 erwartete der IOC im Dezember 2025 rund 3,44 Millionen Tonnen. Italien verbraucht in normalen Jahren mehr Olivenöl, als es erzeugt, und führt den Rest ein, zu großen Teilen aus Spanien, Griechenland und Tunesien. Tunesien dagegen exportiert den größten Teil seiner Ernte. Dass Spanien so viel erzeugt, liegt an der riesigen Olivenfläche in Andalusien und vor allem in Jaén und an modernen Plantagen. In Italien wirtschaften dagegen viele kleine Betriebe, von Ligurien bis in den Süden, und die Ernten in Apulien, der Toskana und Sizilien schwanken stark von Jahr zu Jahr.

Karte der sechs größten Olivenöl-Erzeugerländer mit Erntemengen 2024/25

Europa isst weniger, der Rest der Welt mehr

Weltweit wurden 2024/25 laut IOC rund 3,2 Millionen Tonnen Olivenöl verbraucht, fast doppelt so viel wie 1990/91, damals waren es knapp 1,67 Millionen Tonnen. Der Zuwachs kommt kaum noch aus Europa. Der Anteil der EU am weltweiten Verbrauch sank von gut 70 Prozent im Erntejahr 2004/05 auf zuletzt rund 45 Prozent. Gewachsen sind die USA, Kanada, Japan, Brasilien und China sowie Erzeugerländer außerhalb der EU wie die Türkei und Marokko.

Die USA sind dabei der größte Importmarkt. Sie verbrauchten im Erntejahr 2023/24 nach der IOC-Bilanz 185.500 Tonnen, produzierten selbst aber nur 34.000. Pro Kopf bleibt der Verbrauch mit gut einem Kilogramm trotzdem niedrig. In China verbrauchen 1,4 Milliarden Menschen nach IOC-Angaben im Schnitt rund 53.000 Tonnen im Jahr, pro Kopf knapp 40 Gramm.

Wie viel 9 Kilo am Tag ausmachen

Umgerechnet auf den Tag wirken die Zahlen weniger spektakulär. 9,3 Kilogramm im Jahr sind gut 25 Gramm am Tag, knapp drei Esslöffel. Der spanische Schnitt von 7,5 Kilogramm entspricht etwa 20 Gramm am Tag. In der spanischen PREDIMED-Studie sollten die Teilnehmer der Olivenöl-Gruppe mindestens vier Esslöffel natives Olivenöl extra am Tag verwenden, rund 50 Milliliter, also deutlich mehr als der Landesschnitt.

Die 20 Gramm tauchen auch an anderer Stelle auf. Die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 erlaubt für Olivenöl mit mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und Derivaten je 20 g Öl die Angabe "Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen", mit dem Hinweis, dass sich die Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl einstellt. Ein durchschnittlicher Spanier erreicht diese Menge, ein durchschnittlicher Deutscher mit ein bis zwei Gramm am Tag nicht annähernd.

Häufige Fragen

Welches Land verbraucht am meisten Olivenöl pro Kopf?

Griechenland mit 9,3 Kilogramm pro Kopf und Jahr nach IOC-Angaben von 2025, vor Albanien, Spanien und Italien.

Wie viel Olivenöl verbraucht Deutschland pro Kopf?

Ein offizieller Wert fehlt. Nach den Einfuhren 2023 sind es höchstens etwa 0,8 Kilogramm, private Haushalte kaufen pro Kopf gut 0,4 Liter im Jahr.

Welches Land produziert am meisten Olivenöl?

Spanien, mit 1,42 Millionen Tonnen im Erntejahr 2024/25 und damit rund 40 Prozent der Weltmenge. Danach folgen die Türkei, Tunesien, Griechenland und Italien.

Wie viel Olivenöl wird weltweit verbraucht?

Rund 3,2 Millionen Tonnen im Erntejahr 2024/25, für 2025/26 erwartet der IOC einen ähnlichen Wert.

Essen die Italiener mehr Olivenöl als die Spanier?

Nach den aktuellen IOC-Zahlen liegen beide fast gleichauf, Spanien bei 7,5 und Italien bei 7,4 Kilogramm. Früher lag Spanien klar vorn.

Stimmt es, dass die Kreter am meisten Olivenöl essen?

Kreta liegt über dem griechischen Durchschnitt. Die oft genannten 20 bis 30 Liter pro Kopf stammen aber aus Verbandsangaben und älteren Erhebungen, eine amtliche Inselstatistik gibt es nicht.

Quellen

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