Griechisches Olivenöl von Kreta bis Lesbos

Hügellandschaft auf Kreta mit Olivenhainen und einem kleinen Dorf

Drei Hektar. So groß war ein griechischer Olivenbetrieb im Durchschnitt, als ein EU-Bericht die Höfe in Spanien, Italien und Griechenland bis 2009 verglich. In Spanien waren es zwölf. Viele Familien besitzen ein paar hundert Bäume, verteilt auf mehrere Parzellen, und ernten neben einem anderen Beruf. Die Oliven bringen sie zur nächsten Mühle, oft einer Genossenschaft, und dort liegt das Öl, bis ein Händler kauft.

Aus solchen Höfen kommen in einem normalen Jahr zwischen 200.000 und 350.000 Tonnen Olivenöl, der größte Teil davon nativ extra. Die meisten Haine stehen auf Kreta und auf der Peloponnes, und fast überall wächst dieselbe kleine Olive, die Koroneiki.

Warum griechisches Öl im deutschen Regal selten ist

Gemessen an der Menge sieht man griechisches Öl hierzulande erstaunlich selten. Der Verband der griechischen Olivenölabfüller SEVITEL schätzt, dass 50 bis 60 Prozent des Öls ins Ausland gehen, aber nur etwa ein Fünftel davon vorher in Griechenland abgefüllt wird. Der Rest reist in Tanks, vor allem nach Italien, wird dort mit anderen Ölen gemischt und unter italienischen Marken verkauft. Wie das Geschäft auf der anderen Seite der Adria aussieht, mit den großen Abfüllern und den eigenen Anbaugebieten, beschreibt der Überblick über Olivenöl aus Italien.

Langsam ändert sich das. Eine neue Herkunftsbezeichnung für ganz Kreta, eine wachsende Zahl kleiner Abfüller und gute Platzierungen griechischer Öle bei internationalen Wettbewerben sorgen dafür, dass mehr Öl mit griechischem Etikett im Ausland ankommt. In Deutschland findet man es trotzdem am ehesten bei kleinen Importeuren, in Feinkostläden oder direkt beim Erzeuger, im Discounter eher selten.

Koroneiki, eine kleine Olive mit großem Anteil

Keine andere Sorte prägt griechisches Olivenöl so wie die Koroneiki. Nach dem Sortenkatalog des IOC dominiert sie 50 bis 60 Prozent der griechischen Olivenfläche, vor allem auf Kreta und auf der Peloponnes. Ihre Früchte sind klein. Der Baum trägt früh und regelmäßig, kommt mit Trockenheit gut zurecht und leidet unter Kälte. Das Öl hat einen sehr hohen Ölsäureanteil und gilt als besonders stabil, früh geerntet schmeckt es grasig, nach grüner Banane und Artischocke, mit deutlicher Bitterkeit und Schärfe. Koroneiki-Öle zählen zu den Ölen mit viel Polyphenolen, wie viele es genau sind, hängt allerdings stark vom Erntezeitpunkt ab.

Daneben hat fast jede Region ihre eigenen Sorten. Auf Kreta wachsen die Tsounati, die anderswo Mastoidis heißt, und die Throumba, in Lakonien die Athinolia, auf Lesbos Kolovi und Adramytiani.

Hügellandschaft auf Kreta mit Olivenhainen und einem kleinen Dorf

Kreta, von Sitia bis Kolymbari

Ungefähr ein Drittel des griechischen Olivenöls kommt in den meisten Jahren von Kreta. Die Insel hat gleich mehrere geschützte Ursprungsbezeichnungen (g.U.), darunter Sitia, Peza, Archanes und Kolymbari. Am bekanntesten ist Sitia Lasithiou Kritis im Osten. Das Öl stammt aus Koroneiki-Oliven, und für die Oxidationswerte gelten engere Grenzen als in der allgemeinen Norm für nativ extra. Im Januar 2026 hat die EU eine Änderung der Spezifikation veröffentlicht, mit der die Höchstwerte für K232 und K270 leicht angehoben wurden. Strenger als die allgemeine Norm für nativ extra bleiben sie trotzdem. Was die beiden Kennzahlen über den Zustand eines Öls aussagen, erklärt der Text über Peroxidzahl, K232 und K270.

Neu ist seit September 2025 eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) für die ganze Insel, Kriti. Mindestens 90 Prozent des Öls müssen aus Koroneiki, Tsounati oder einer Mischung der beiden stammen, höchstens 10 Prozent dürfen andere Sorten sein, vor allem Throumba. Die freie Säure darf 0,6 Prozent nicht übersteigen. Mit der neuen Bezeichnung soll mehr kretisches Öl unter eigenem Namen verkauft werden. Bisher gehen laut Olive Oil Times rund 30 Prozent davon als Fassware nach Italien.

Auf Kreta haben Genossenschaften und ihre Verbände seit Jahrzehnten viel Gewicht. Sie betreiben Mühlen, sammeln das Öl ihrer Mitglieder und verkaufen es weiter, mal abgefüllt, mal im großen Tank. In den letzten fünfzehn Jahren sind daneben eine Reihe kleiner Güter entstanden, die selbst abfüllen und auf internationalen Wettbewerben auffallen.

Messenien, Lakonien und der Name Kalamata

Auf der Peloponnes, der zweiten großen Olivenregion, stehen die Haine besonders dicht in Messenien rund um Kalamata und in Lakonien rund um Sparta und Molai. Auch hier ist fast überall die Koroneiki zu Hause.

Beim Namen Kalamata muss man genau hinsehen, denn er taucht auf vielen Etiketten auf und meint nicht immer dasselbe. Das Olivenöl mit der g.U. Kalamata ist ein natives Olivenöl extra aus Koroneiki und Mastoidis. In der ursprünglichen Spezifikation von 2009 war die freie Säure auf 0,5 Prozent begrenzt, strenger als die allgemeine Norm mit 0,8 Prozent. 2015 weitete die EU-Kommission das Gebiet von der Gegend um Kalamata auf ganz Messenien aus (Durchführungsverordnung (EU) 2015/1393). Bis dahin wurden unter dem Namen laut Olive Oil Times nur rund 5.000 Tonnen erzeugt, nach der Ausweitung erwarteten die Beteiligten 40.000 bis 50.000 Tonnen. Umstritten war die Erweiterung trotzdem, Einsprüche aus mehreren Ländern hatten sie über zehn Jahre hinausgezögert.

Mit der g.U. werben darf ein Öl also nur, wenn es die Spezifikation erfüllt und aus Messenien stammt. "Griechisches Olivenöl mit Kalamata-Oliven" auf einer Flasche ist etwas anderes. Die Kalamata- oder Kalamon-Olive selbst ist ohnehin vor allem eine Tafelolive und landet nur in kleinen Mengen in der Mühle, warum der Name für Olive und Öl zweierlei bedeutet, steht im Porträt der Kalamata-Olive.

Rote Erntekisten mit frisch gepflückten Oliven auf grünen Netzen unter Olivenbäumen

Lesbos und der Rest des Landes

Lesbos in der nördlichen Ägäis hat seine eigene Ölkultur. Das Öl stammt vor allem von Kolovi und Adramytiani, und viele Öle sind Mischungen aus beiden, wobei die Kolovi als kräftiger gilt und die Adramytiani als milder. Nach Erhebungen des Geografen Thanasis Kizos erzeugt die Insel im Schnitt etwa 8.500 Tonnen im Jahr, mit Ausschlägen zwischen 3.000 und 12.000 Tonnen. Ende des 19. Jahrhunderts exportierte Lesbos rund 10.000 Tonnen jährlich, ungefähr so viel wie heute in einem guten Jahr. Viele Haine liegen an steilen Hängen und werden nur noch zum Teil bewirtschaftet.

Weitere wichtige Gebiete sind Ätolien-Akarnanien und Phokis rund um Amfissa in Mittelgriechenland, die Ionischen Inseln mit Korfu und Zakynthos sowie Chalkidiki, wo vor allem Tafeloliven wachsen.

Die Zahlen hinter der Ernte

Im Zehnjahresschnitt bis 2023/24 erzeugte Griechenland nach Angaben des Internationalen Olivenrats (IOC) knapp 265.000 Tonnen Olivenöl. Die Ausschläge sind groß. Das beste Jahr der letzten Dekade war 2017/18 mit rund 346.000 Tonnen, das schwächste 2023/24 mit weniger als 200.000 Tonnen. 2024/25 waren es vorläufig 250.000 Tonnen, gut 30 Prozent mehr als im Jahr davor, womit Griechenland knapp vor Italien (248.000 Tonnen) lag und etwa 7 Prozent des Olivenöls der Welt lieferte. 2025/26 fiel die Ernte nach Berichten aus dem Sektor wieder schwächer aus. Regen zur Blüte, Pilzbefall und die Olivenfliege setzten den Bäumen zu, und allein auf Kreta wurden statt rund 78.000 nur 45.000 bis 50.000 Tonnen erwartet.

Bemerkenswert hoch ist der Anteil an nativ extra. SEVITEL schätzt ihn auf 70 bis 80 Prozent und damit deutlich höher als in Spanien oder Italien. Das liegt an der Sorte, am Klima und daran, dass viele Familien früh und von Hand ernten.

Kennzahl Wert Quelle
Erzeugung im Zehnjahresschnitt ca. 265.000 t IOC
Erzeugung 2024/25 ca. 250.000 t (vorläufig) IOC
Anteil an der Weltproduktion 2024/25 ca. 7 % eigene Rechnung nach IOC
Anteil nativ extra 70 bis 80 % SEVITEL
Pro-Kopf-Verbrauch 2022/23 9,3 kg IOC
Anteil Koroneiki an der Olivenfläche 50 bis 60 % IOC-Sortenkatalog
Exportanteil 50 bis 60 %, davon nur ein kleiner Teil abgefüllt SEVITEL

Gegessen wird das Öl zu einem guten Teil im Land selbst. Im Erntejahr 2022/23 kamen die Griechen laut IOC auf rund 9,3 Kilogramm pro Kopf, die Spanier auf 7,5 und die Italiener auf 7,4. Früher lagen die griechischen Werte noch deutlich höher, auf Kreta sogar über dem Landesschnitt. Die hohen Preise 2023 und 2024 haben den Verbrauch aber auch in Griechenland gedrückt, und wie es zu diesen Preisen kam, hat viel mit zwei Dürreernten in Spanien zu tun, die den Olivenölpreis in ganz Europa nach oben getrieben haben.

Häufige Fragen

Ist griechisches Olivenöl besser als spanisches oder italienisches?

Nicht grundsätzlich. Griechenland hat einen hohen Anteil an nativ extra und mit der Koroneiki eine Sorte, die kräftige, polyphenolreiche Öle liefert. Gute und schlechte Öle gibt es aber in jedem Land.

Was bedeutet Kalamata auf einer Ölflasche?

Mit der g.U. Kalamata ist ein natives Olivenöl extra aus Messenien gemeint, gewonnen aus Koroneiki und Mastoidis und nach der Spezifikation geprüft. Die Kalamata-Olive selbst ist vor allem eine Tafelolive.

Woran erkenne ich Öl mit der Angabe Kriti?

An der geschützten geografischen Angabe Kriti, die es seit September 2025 gibt. Das Öl muss zu mindestens 90 Prozent aus Koroneiki, Tsounati oder einer Mischung der beiden bestehen und darf höchstens 0,6 Prozent freie Säure haben.

Wann wird in Griechenland geerntet?

Je nach Region und gewünschtem Stil von Oktober bis Januar. Für grüne, kräftige Öle beginnt die Ernte schon früh im Oktober, für mildere später.

Wie viel Olivenöl essen die Griechen?

Laut IOC rund 9,3 Kilogramm pro Kopf im Erntejahr 2022/23, mehr als in jedem anderen EU-Land. Auf Kreta liegt der Verbrauch traditionell noch höher.

Quellen

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