1865 eröffneten Francesco Bertolli und seine Frau Caterina in Lucca einen kleinen Laden. Sie verkauften Wein, Käse, Oliven und Olivenöl aus der Toskana. Gut 160 Jahre später gehört die Marke Bertolli einem spanischen Konzern mit Sitz in Córdoba, der wiederum mehrheitlich Finanzinvestoren gehört, und im Sommer 2026 stritten sich eine italienische Familie und zwei spanische Unternehmen darum, wer ihn kaufen darf.
Der Konzern heißt Deoleo. Er füllt laut Olive Oil Times rund 158 Millionen Liter Olivenöl im Jahr ab und gilt als größter Abfüller von Markenolivenöl der Welt. Bertolli ist seine wichtigste Marke, Carapelli, Carbonell, Koipe und Hojiblanca gehören ebenfalls dazu.
Von Lucca nach Córdoba
Bis 1994 war Bertolli in italienischer Hand, dann kaufte der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever die Marke. Unilever baute sie zu einer Dachmarke für Nudelsaucen, Margarine und Tiefkühlgerichte aus. 2008 verkaufte er das Olivenölgeschäft für 500 Millionen Pfund an die spanische Grupo SOS, die sich später in Deoleo umbenannte. Die übrigen Bertolli-Produkte gingen getrennte Wege. Die Brotaufstriche gehören heute zur Flora Food Group, früher Upfield, die Tiefkühlgerichte seit 2012 zu Conagra in den USA, die Nudelsaucen in Nordamerika zu Mizkan aus Japan. Wer im Supermarkt eine Bertolli-Margarine und eine Flasche Bertolli-Öl nebeneinander sieht, hat zwei Produkte verschiedener Konzerne vor sich.
Carapelli hat eine ähnliche Geschichte. Costantino Carapelli gründete das Unternehmen 1893 in Montevarchi bei Arezzo, heute sitzt es in Tavarnelle Val di Pesa südlich von Florenz. Seit März 2006 gehört es zur Gruppe, die heute Deoleo heißt. 2024 belastete ein Steuerstreit in Italien rund um Carapelli die Bilanz des Konzerns, der in jenem Jahr 54,5 Millionen Euro Verlust schrieb.

Deoleo, ein Konzern mit wechselnden Besitzern
Deoleo wurde 1955 in Bilbao gegründet, damals als Holzhandel unter dem Namen Arana Maderas. Über Zukäufe wuchs daraus ein Lebensmittelkonzern. Nach hohen Verlusten, 2017 allein 179 Millionen Euro, wurde umgebaut. Der Konzern verkaufte seine Abfüllanlage in Antequera und strich rund 15 Prozent der Stellen, heute arbeitet er nach eigenen Angaben mit vier Werken. Später folgte eine Umschuldung, und die Kontrolle liegt seitdem bei Finanzinvestoren. Die wichtigsten sind CVC Capital Partners und Alchemy Partners. Wie viel sie genau halten, wird unterschiedlich angegeben, Olive Oil Times nennt zusammen rund 70 Prozent, spanische Wirtschaftsmedien nennen höhere Werte, je nachdem, ob die börsennotierte Muttergesellschaft oder die operative Holding gemeint ist.
Zur Einordnung der Größe hilft eine Zahl. Deoleo kam 2025 nach Schätzungen auf 8,3 Prozent des weltweiten Markts für abgepacktes Olivenöl. Für ein Produkt, das von Hunderttausenden Erzeugern stammt, ist das viel Marktmacht in einer Hand. Für 2025 stand wieder ein Gewinn von rund 20 Millionen Euro in der Bilanz.
Der Bieterstreit 2026
Im Sommer 2026 boten die Investoren Deoleo zum Verkauf an. Bis Ende August lagen drei Angebote vor. Die italienische Pietro Coricelli aus Spoleto bot über eine spanische Holding rund 500 Millionen Euro, die andalusische Genossenschaft Dcoop etwa 470 Millionen Euro, der Abfüller Acesur aus Dos Hermanas bei Sevilla um die 460 Millionen Euro. Zunächst stellte sich die spanische Regierung hinter Dcoop, weil sie die Marken in spanischer Hand halten wollte. In Italien rief der Landwirtschaftsminister die heimischen Erzeuger auf, sich nicht zu zersplittern.
Dcoop erklärte Mitte September, sein Angebot sei am 31. August ohne Antwort der Verkäufer abgelaufen. Coricelli bat um Exklusivität. Ende September liefen die Verhandlungen mit Coricelli nach einem Bericht von Il Sole 24 Ore weiter, und die spanische Regierung soll laut Bloomberg inzwischen eine Einigung mit der Familie Coricelli bevorzugen. Unterschrieben war bis Mitte Oktober 2026 nach öffentlichen Berichten nichts. Für die Flasche im Regal ändert ein Eigentümerwechsel zunächst wenig. Woher das Öl kommt, entscheidet der Einkauf, und der richtet sich nach Preis und Verfügbarkeit.
Italienische Marke, Öl aus vielen Ländern
Bertolli klingt nach Toskana. Im Test der Stiftung Warentest vom Januar 2026 stand für das Bertolli Originale Natives Olivenöl extra als Herkunft laut Etikett "EU und Drittländer". Das ist zulässig und bei großen Marken die Regel. Die Abfüller kaufen Öl dort, wo es in passender Menge und Qualität zu haben ist, vor allem in Spanien, Griechenland, Tunesien und Portugal, und mischen es zu einem gleichbleibenden Geschmack.
In den USA hat das schon einmal Ärger gebracht. Auf Bertolli-Flaschen stand dort jahrelang "Imported from Italy". Eine Sammelklage hielt dagegen, die Oliven seien in Griechenland, Chile, Spanien, Australien, der Türkei und Tunesien gewachsen und gepresst worden, in Italien sei das Öl nur gemischt und abgefüllt worden. Deoleo einigte sich 2018 auf einen Vergleich über 7 Millionen US-Dollar und strich den Hinweis. Schon 2010 hatte eine Untersuchung der University of California in Davis Bertolli unter den Ölen genannt, deren Einstufung als nativ extra sie anzweifelte. Wie solche Fälle zu bewerten sind und wo die Grenze zur echten Fälschung von Olivenöl liegt, ist eine eigene Frage.
Andere bekannte italienische Marken sind ähnlich aufgestellt. Filippo Berio, ebenfalls aus Lucca, gehört über die Firma Salov seit 2014 mehrheitlich dem chinesischen Lebensmittelkonzern Bright Food. Das Öl stammt nach Angaben des Unternehmens aus Italien, Griechenland, Spanien und Tunesien. Wer wissen will, woher sein Öl kommt, findet die Pflichtangabe zur Herkunft auf dem Etikett. Erntejahr, Sorte oder Mühle verraten oft mehr als der Markenname, und beim Lesen des Etiketts lohnt der Blick auf die Rückseite mehr als auf die Vorderseite.

Bertolli im Test
Die Stiftung Warentest prüfte im Januar 2026 insgesamt 25 Olivenöle, 24 davon nativ extra. Nur vier schnitten gut ab, acht waren mangelhaft. Probleme machten Mineralölrückstände, in einem Bio-Öl ein Weichmacher und vor allem sensorische Fehler wie stichig, ranzig oder muffig. Bertolli Originale war im Test, die Einzelnote hat die Stiftung hinter eine Bezahlschranke gestellt. Der durchschnittliche Ladenpreis lag bei 6,76 Euro für 500 Milliliter, also gut 13,50 Euro je Liter. Kein einziges der vier empfehlenswerten Öle kostete weniger als 10 Euro je Liter. Rückstände von Mineralöl und Weichmachern können aus Schmierstoffen von Erntemaschinen und Mühlen stammen oder aus Schläuchen und Dichtungen, an der Marke allein lassen sie sich nicht festmachen.
Ein zweites Bertolli-Produkt nahm die Stiftung im Juli 2025 einzeln unter die Lupe, ein Grill-Olivenöl mit Kräuter- und Knoblauchnote für 14 Euro je Liter, beworben als "bedenkenlos hoch erhitzbar bis 200 Grad Celsius". Zum Braten braucht man so ein Spezialprodukt nicht. Auch normales natives Olivenöl extra verträgt die üblichen Brattemperaturen, wie die Versuche zu Rauchpunkt und Erhitzen zeigen.
Die Handelsmarken der Discounter
Ein großer Teil des Olivenöls in deutschen Supermärkten wird unter Eigenmarken des Handels verkauft. Im aktuellen Test standen unter anderem Bellasan von Aldi, Primadonna von Lidl, Ja von Rewe, Gut & Günstig von Edeka, K-Classic von Kaufland und Vegola von Netto. Laut Stiftung Warentest gehörten mehrere dieser weit verbreiteten Handelsmarken zu den mangelhaften Ölen.
Wer diese Öle abfüllt, steht meist nicht drauf. Auf dem Etikett muss nach der Lebensmittelinformationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 der Lebensmittelunternehmer stehen, unter dessen Namen das Produkt verkauft wird. Bei Eigenmarken ist das der Händler selbst. Dahinter stecken große Abfüller in Spanien, Italien und Portugal, die über Ausschreibungen zum Zug kommen und wechseln können. Zu den Großen dieses Geschäfts zählen Acesur mit Marken wie La Española und Coosur sowie die portugiesische Sovena-Gruppe. In einer Markenübersicht zu Sovena taucht auch der Name Primadonna auf. Ob jede Charge des Lidl-Öls von dort stammt, lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Manchmal verrät ein Registrierungscode auf der Flasche, etwa die spanische RGSEAA-Nummer, den tatsächlichen Abfüllbetrieb.
Für die Qualität sagt der Abfüller allerdings wenig aus. Dasselbe Unternehmen füllt Öle unterschiedlicher Preisklassen ab, und die Güteklasse auf dem Etikett muss für jede Charge stimmen, egal wer sie abgefüllt hat. Ob sie stimmt, zeigen nur Laboranalyse und Verkostung.
Häufige Fragen
Wem gehört Bertolli?
Das Olivenölgeschäft von Bertolli gehört seit 2008 dem spanischen Konzern Deoleo mit Sitz in Córdoba, der mehrheitlich von den Finanzinvestoren CVC und Alchemy kontrolliert wird. Margarine, Saucen und Tiefkühlgerichte unter dem Namen Bertolli gehören anderen Konzernen.
Kommt das Öl von Bertolli aus Italien?
Nicht nur. Für Bertolli Originale nennt das Etikett laut Stiftung Warentest "EU und Drittländer". Abgefüllt wird zum Teil in Italien, das Öl stammt aus mehreren Ländern.
Wer stellt das Olivenöl von Aldi und Lidl her?
Auf der Flasche steht in der Regel nur der Händler. Hergestellt werden Eigenmarken von großen Abfüllern in Spanien, Italien und Portugal, die Lieferanten können wechseln.
Quellen
- Il Sole 24 Ore (24.09.2026): Farmers Elite (Coricelli) set to take over Deoleo
- Wikipedia: Bertolli (Geschichte, Unilever, Verkauf an Grupo SOS, Sammelklage)
- Wikipedia: Deoleo
- Wikipedia (italienisch): Carapelli
- Olive Oil Times (2026): Italian, Spanish bidders vie for control of olive oil giant Deoleo
- ItaliaOggi (26.08.2026): Olio, per Deoleo due pretendenti
- Estrategias de Inversión (16.09.2026): Dcoop da por caducada su oferta por Deoleo
- Stiftung Warentest (29.01.2026): Olivenöl im Test, gutes Olivenöl ist rar geworden
- Stiftung Warentest (29.07.2025): Bertolli Grill Olivenöl im Test
- Wikipedia: Filippo Berio
- Wikipedia (spanisch): Acesur
- Wikipedia: Sovena
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel

