In vielen Familien steht dieselbe grüne Flasche erst in der Küche und dann im Badezimmer. Ein Löffel Olivenöl in den ersten Brei, ein paar Tropfen für die Babymassage, etwas auf die schuppige Kopfhaut. So hat es schon die Großmutter gemacht. Die Forschung trennt hier inzwischen klar: Im Essen ist Olivenöl für Babys unproblematisch, auf der Haut gibt es Gründe, es lieber zu lassen.
| Frage | Kurze Antwort |
|---|---|
| Olivenöl im Babybrei? | Ja, ab dem Beikoststart. In Deutschland wird Rapsöl bevorzugt. |
| Ab wann? | Mit dem ersten Brei, meist zwischen dem 5. und 7. Monat. |
| Wie viel? | Etwa 1 Esslöffel auf einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei von rund 200 g, 1 Teelöffel auf einen Getreide-Obst-Brei. |
| Zur Babymassage? | Eher nicht. Zwei Studien fanden eine schwächere Hautbarriere. |
| Bei Milchschorf? | Der NHS rät von Olivenöl ab. |
| Bei Verstopfung? | Keine Studien bei Säuglingen, Kinderarztpraxis fragen. |

Ein Löffel Öl in jeden Brei
Babys brauchen viel Fett. Muttermilch liefert rund die Hälfte ihrer Energie als Fett, und wenn nach und nach ein Brei eine Milchmahlzeit ersetzt, fehlt dieses Fett plötzlich. Gemüse und Kartoffeln enthalten fast keins. Deshalb gehört in den selbst gekochten Brei immer etwas Öl, auch damit das Kind die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K aus dem Gemüse aufnehmen kann.
Das Netzwerk Gesund ins Leben, das in Deutschland die Empfehlungen für die Säuglingsernährung bündelt, nennt für den ersten Brei eine feste Rezeptur: 100 g Gemüse, 50 g Kartoffeln, 30 g mageres Fleisch oder Fisch, anderthalb Esslöffel Obstsaft und einen Esslöffel Rapsöl. Gedacht ist dieser Brei für den 5. bis 7. Monat. Für einen Getreide-Obst-Brei am Nachmittag reicht ein Teelöffel. Das Öl kommt zum Schluss dazu, wenn der Brei gekocht und püriert ist.
Häufig gefragt wird nach dem Alter, etwa "Olivenöl Baby 9 Monate" oder "10 Monate". Die Antwort ist schlicht: Die Menge pro Breimahlzeit bleibt gleich, auch wenn die Portionen größer werden. Mit etwa einem Jahr isst das Kind am Familientisch mit, und dann gilt, was für alle gilt, Olivenöl darf zum Kochen und Beträufeln verwendet werden. Nur Salz und kräftige Gewürze sollten noch sparsam bleiben. Wie viel Fett Kinder danach brauchen und welches Öl passt, steht im Beitrag Wie viel Olivenöl brauchen Kinder?
Welche Flasche in die Babyküche gehört
Fürs Baby muss es kein besonderes Öl sein, aber ein frisches. Ein ranziger, talgiger Ton verdirbt den ganzen Brei, und manche Babys verweigern ihn dann. Praktisch ist eine kleine Flasche, die innerhalb von ein, zwei Monaten leer wird, dunkel und kühl steht und nach dem Ausgießen sofort wieder zugeschraubt wird. Erhitzt werden muss das Öl im Brei nicht. Rührt man es erst unter den fertigen, lauwarmen Brei, bleiben Aroma und die empfindlichen Begleitstoffe erhalten. Eingefrorene Breiportionen bekommen ihr Öl am besten erst nach dem Auftauen, dann schmeckt es frischer.
In Elternforen taucht oft die Idee auf, einen zu festen Brei mit mehr Öl geschmeidig zu machen. Dafür ist ein Schluck abgekochtes Wasser besser geeignet, die Ölmenge bleibt bei dem einen Löffel.
Babygeleitete Beikost
Bei Baby-led Weaning, kurz BLW, gibt es keinen Brei, in den man Öl rühren könnte. Hier lässt sich Gemüse in Olivenöl dünsten oder weich gegartes Essen damit beträufeln. Die amerikanische Beikostseite Solid Starts schlägt vor, ab dem sechsten Monat ein paar Tropfen auf das Tablett zu geben, damit das Kind das Öl pur schmeckt, und ab dem ersten Geburtstag Brot zum Eintunken anzubieten. Allergien gegen Olivenöl sind selten. Gibt es weitere Allergien in der Familie, lohnt ein Blick auf Mischöle, denen manchmal Haselnuss- oder Sojaöl beigemengt ist.

Rapsöl oder Olivenöl
Dass deutsche Empfehlungen Rapsöl nennen, hat einen einzigen Grund: Alpha-Linolensäure. Diese Omega-3-Fettsäure macht im Rapsöl etwa ein Zehntel der Fettsäuren aus. Bei nativem Olivenöl extra liegt die Grenze laut EU-Vermarktungsnorm bei 1 Prozent, nur unter zusätzlichen Bedingungen bei 1,4 Prozent. Die meisten Öle bleiben deutlich darunter. Wie wenig Omega-3 tatsächlich im Olivenöl steckt, rechnet der Beitrag zu Omega-3 in Olivenöl vor.
Wie viel diese Fettsäure dem Baby bringt, ist allerdings weniger klar, als die Etiketten der Beikostöle vermuten lassen. Der Körper wandelt Alpha-Linolensäure nur zu einem sehr kleinen Teil in DHA um, die Fettsäure, die für Gehirn und Augen gebraucht wird. Öko-Test hat deshalb Werbeaussagen auf Beikostölen beanstandet. Eine spezielle Flasche aus der Drogerie braucht es laut dem Netzwerk nicht, gewöhnliches Rapsöl reicht.
In Südeuropa sieht man das entspannter. In einer Befragung griechischer Kinderärzte aus dem Jahr 2022, veröffentlicht 2024 in Nutrients, empfahlen die Befragten Olivenöl meist ab dem sechsten Lebensmonat, einige schon ab dem fünften. Es spricht also nichts dagegen, sich abzuwechseln: mal Rapsöl, mal Olivenöl.
Ein Wort zum Geschmack. Ein kräftiges, frühes Öl kratzt im Hals und schmeckt bitter. Manche Babys verziehen das Gesicht, andere essen ungerührt weiter. Ein mildes Öl macht den Einstieg leichter. Raffinierte Öle schmecken neutraler, bei kalt gepressten Ölen fanden Tests häufiger Schimmelpilzgifte und Rückstände. Im Öko-Test von 2025 steckten in allen acht Beikostölen Spuren von Mineralöl, und auch Olivenöl ist vor Mineralöl und Weichmachern aus Schläuchen und Dichtungen nicht sicher.
Und bei Verstopfung?
Gerade mit dem ersten Brei wird der Stuhl fester, seltener und anders gefärbt. Das ist meist normal. Ein Teelöffel Öl pur gegen Verstopfung ist ein verbreiteter Tipp, Studien dazu bei Säuglingen gibt es nicht. Ich würde einem Baby kein Öl löffelweise extra geben, ohne vorher mit der Kinderarztpraxis gesprochen zu haben, zumal sich hinter anhaltender Verstopfung auch zu wenig Flüssigkeit oder eine Unverträglichkeit verbergen kann. Bei Erwachsenen ist die Lage etwas besser untersucht, dort gibt es zumindest kleine Studien zu Olivenöl bei Verstopfung.

Auf der Haut sieht es anders aus
Die Wende kam 2013 aus Manchester und Sheffield. Simon Danby und Michael Cork ließen 19 Erwachsene, manche mit Neurodermitis in der Vorgeschichte, zweimal täglich sechs Tropfen Olivenöl auf einen Unterarm geben. In einer zweiten Gruppe kam auf den anderen Arm Sonnenblumenöl. Nach vier Wochen hatte die Hornschicht unter dem Olivenöl an Festigkeit verloren, die Haut war leicht gerötet. Unter Sonnenblumenöl blieb die Barriere intakt, die Haut war sogar feuchter. Die Autoren rieten in Pediatric Dermatology davon ab, Olivenöl bei trockener Haut und zur Babymassage zu verwenden.
Als Erklärung gilt die Ölsäure. Sie macht im Olivenöl 55 bis 85 Prozent aus und lockert in Versuchen die Fettschichten der Hornschicht. Sonnenblumenöl besteht überwiegend aus Linolsäure. Gemessen hat die Studie das allerdings nicht, die Ölsäure-Erklärung ist eine Vermutung.
Drei Jahre später folgte eine Pilotstudie an Neugeborenen. Ein Team um Alison Cooke teilte 115 gesunde, reif geborene Babys per Los in drei Gruppen auf: Olivenöl, Sonnenblumenöl oder gar kein Öl, vier Wochen lang zweimal täglich. Beide Ölgruppen hatten danach feuchtere Haut, aber die Fettschichten der Hornschicht hatten sich weniger gut entwickelt als bei den Babys ohne Öl. Wasserverlust und Rötung unterschieden sich nicht. Ob daraus später mehr Neurodermitis entsteht, konnte die kleine Studie nicht klären. Die Autorinnen empfehlen trotzdem Zurückhaltung, bis größere Studien vorliegen.
Das bedeutet für den Alltag: Gesunde Babyhaut braucht in den ersten Wochen meist gar nichts. Baden in klarem Wasser genügt, Öl im Badewasser macht die Wanne zudem rutschig. Massieren geht auch ohne Öl, und wer eine Pflege möchte, fragt in der Hebammen- oder Kinderarztpraxis nach einer geeigneten Creme. Was Olivenöl auf der Haut von Erwachsenen bewirkt, fasst der Beitrag zu Olivenöl für die Haut zusammen.
Milchschorf und Kopfgneis
Gelbliche, fettige Schuppen auf dem Kopf eines Säuglings heißen bei Ärzten meist Kopfgneis. Sie sind harmlos und verschwinden in der Regel von selbst. Der Begriff Milchschorf wird oft gleichbedeutend verwendet, steht aber genau genommen für trockene, juckende Krusten, die ein frühes Zeichen für Neurodermitis sein können. Beides gehört bei Unsicherheit in die Kinderarztpraxis.
Der britische NHS rät, die Schuppen mit Kokosöl einzumassieren und dann sanft auszubürsten. Von Olivenöl rät er ab, weil es für die Haut womöglich nicht geeignet sei, von Erdnussöl wegen der Allergiegefahr. Für Erwachsene, die sich nach Öl für Kopfhaut und Haare erkundigen, gelten andere Überlegungen, denn deren Haut ist ausgereift.
Häufige Fragen
Ab wann darf ein Baby Olivenöl bekommen?
Ab dem ersten Brei, also meist zwischen dem 5. und 7. Monat. Es gibt keinen Grund, mit Öl zu warten, wenn das Kind schon Beikost isst.
Wie viel Olivenöl kommt in den Babybrei?
Etwa ein Esslöffel auf einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei von rund 200 g, ein Teelöffel auf einen Getreide-Obst-Brei.
Muss es ein spezielles Beikostöl sein?
Nein. Gewöhnliches Rapsöl reicht, Olivenöl kann sich damit abwechseln.
Darf ich mein Baby mit Olivenöl massieren?
Die beiden vorhandenen Studien sprechen dagegen, weil die Hautbarriere sich schlechter entwickelte. Eine Massage ohne Öl ist eine gute Alternative.
Hilft Olivenöl bei Milchschorf?
Der NHS empfiehlt dafür Kokosöl und rät von Olivenöl ab. Bei Juckreiz, nässenden Stellen oder Ausbreitung sollte die Kinderarztpraxis draufschauen.
Darf Olivenöl ins Badewasser?
Besser nicht. Klares Wasser reicht für gesunde Babyhaut, und Öl macht Baby und Wanne rutschig.
Quellen
- Danby SG et al. (2013): Effect of olive and sunflower seed oil on the adult skin barrier. Pediatric Dermatology
- Cooke A et al. (2016): Olive Oil, Sunflower Oil or no Oil for Baby Dry Skin or Massage (OBSeRvE). Acta Dermato-Venereologica
- Vassilopoulou E et al. (2024): Complementary Feeding Practices. Nutrients
- Öko-Test (2025): Beikostöl-Test
- Netzwerk Gesund ins Leben: Fortbildungsmaterial Beikost
- NHS: Cradle cap
- Solid Starts: Olive oil for babies
- Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104

