Hilft ein Löffel Olivenöl, wenn der Darm streikt? Für Erwachsene gibt es tatsächlich ein paar kleine Studien, in denen sich die Beschwerden mit Olivenöl über einige Wochen besserten. Sofort löst das Öl eine Verstopfung aber nicht, und bei Babys und Kleinkindern gehört es nicht in die Rolle eines Abführmittels.
Für einen eigenen Versuch nennen die Studien zwei Mengen: 4 ml am Tag, also knapp einen Teelöffel, und zwei Esslöffel am Tag. Beide wurden vier Wochen lang genommen. Mehr Belege gibt es kaum, und die vorhandenen sind klein.
Drei Studien, drei sehr verschiedene Ansätze
Am häufigsten zitiert wird ein Versuch aus São Paulo. Eine Gruppe der Bundesuniversität um Ramos teilte 50 Dialysepatienten mit Verstopfung per Zufall in drei Gruppen ein. Sie nahmen vier Wochen lang täglich 4 ml Paraffinöl, Olivenöl oder Leinöl, die Menge durfte bei Bedarf angepasst werden. Weder Patienten noch Untersucher wussten, wer welches Öl bekam. Gemessen wurde mit dem Rom-III-Fragebogen, einem Punktwert für typische Verstopfungsbeschwerden.
Alle drei Gruppen verbesserten sich deutlich. In der Olivenölgruppe sank der Wert von 10,3 auf 3,2 Punkte, beim Paraffinöl von 10,5 auf 4,1, beim Leinöl von 9,6 auf 6,0. Ein statistisch belastbarer Unterschied zwischen den Ölen ergab sich nicht. Die Autoren schrieben 2015 im Journal of Renal Nutrition, Oliven- und Leinöl seien so wirksam gewesen wie Paraffinöl. Eine Gruppe ohne Öl gab es allerdings nicht, und bei Dialysepatienten spielen Trinkmengenbegrenzung und Medikamente eine große Rolle. Wie viel der Besserung auf das Öl zurückgeht und wie viel auf die Aufmerksamkeit, die eine Studie mit sich bringt, bleibt offen.
Die zweite Studie ist neuer und größer. An der Medizinischen Universität Guilan im Norden Irans bekamen 140 Erwachsene mit chronischer Verstopfung vier Wochen lang zwei Esslöffel Olivenöl täglich, die Hälfte natives Olivenöl extra, die andere Hälfte raffiniertes. Auch hier war die Studie doppelt verblindet. Mit dem nativen Öl fiel der Rom-III-Wert von 11,3 auf 3,5 Punkte, mit dem raffinierten von 11,4 auf 7,7. Der Stuhl wurde in der Gruppe mit nativem Öl auf der Bristol-Skala, einer Tabelle von hart bis flüssig, zunehmend weicher. Die Arbeit erschien 2025 im Caspian Journal of Internal Medicine.
Auffällig ist hier, dass auch das raffinierte Öl die Beschwerden besserte. Das passt zu einem Effekt, der zum Teil schlicht vom Fett kommt. Warum das native Öl besser abschnitt, erklären die Autoren mit seinen Begleitstoffen, belegt ist das nicht. Eine Placebogruppe fehlte auch hier.
Die dritte Studie arbeitet von außen. In Pflegeheimen in Schiras bekamen ältere Menschen fünf Tage lang je 15 Minuten eine Bauchmassage, entweder mit 20 ml nativem Olivenöl oder mit Wasser, eine dritte Gruppe bekam keine Massage. Beide Massagegruppen hatten danach weniger Beschwerden, die Olivenölgruppe am deutlichsten. Mit 52 ausgewerteten Teilnehmern und nur einem Fragebogen ist das ein schmaler Befund. Er zeigt aber, dass die Massage selbst einen guten Teil ausmacht.

Warum Öl im Darm überhaupt etwas bewirken könnte
Paraffinöl, das klassische Abführöl, wird vom Körper nicht aufgenommen. Es gleitet durch den Darm, umhüllt den Stuhl und macht ihn weicher. Olivenöl verhält sich anders. Bei gesunder Verdauung wird es fast vollständig gespalten und aufgenommen, als Gleitmittel kommt im Dickdarm also nur wenig an.
Plausibler ist ein zweiter Weg. Fett im Zwölffingerdarm setzt Verdauungshormone frei, regt den Gallenfluss an und verstärkt den sogenannten gastrokolischen Reflex, mit dem der Dickdarm nach einer Mahlzeit in Bewegung kommt. Deshalb kann ein fettreiches Frühstück bei manchen Menschen den Gang zur Toilette beschleunigen. Ob das die Studienergebnisse erklärt, hat bisher niemand gezielt untersucht.
Ein Teil der Wirkung dürfte auch daher kommen, dass Olivenöl selten allein gegessen wird. Wer es über Gemüse, Bohnen und Vollkornbrot gibt, isst zugleich mehr Ballaststoffe. Die bleiben im Darm, binden Wasser und vergrößern das Stuhlvolumen.
So nehmen Erwachsene es ein
Verbindliche Dosierungen gibt es nicht, weil es kein Arzneimittel ist. Aus den Studien lässt sich Folgendes ablesen:
- Ein bis zwei Esslöffel am Tag, morgens nüchtern oder zum Frühstück. In Guilan waren es zwei Esslöffel, in São Paulo deutlich weniger.
- Mindestens zwei bis vier Wochen dabei bleiben, bevor man urteilt. Kürzere Zeiträume wurden nicht untersucht.
- Natives Olivenöl extra verwenden, weil es in der einzigen Vergleichsstudie besser abschnitt als raffiniertes.
- Viel trinken und auf Ballaststoffe achten, sonst bleibt der Stuhl trotz Öl hart.
- Die Kalorien mitzählen. Zwei Esslöffel sind rund 240 kcal.
Ob man das Öl pur, mit Zitronensaft oder im Joghurt nimmt, ist Geschmackssache. Um den Olivenöl-Shot am Morgen ranken sich ohnehin mehr Versprechen, als Studien je geprüft haben. Größere Mengen auf einmal, etwa ein halbes Glas, verursachen eher Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfe als eine sanfte Lösung. Für das Versprechen, Olivenöl löse eine Verstopfung sofort, fehlt jeder Beleg.
Babys, Kinder und Schwangere
Bei Kindern ist Vorsicht angebracht. Säuglinge, die gestillt werden, haben manchmal nur alle paar Tage Stuhlgang, ohne verstopft zu sein. Wenn der Stuhl beim Übergang zum Brei fester wird, raten Kinderärzte zuerst zu Flüssigkeit und zu Obst wie Birne, Pflaume oder Apfel, auch als Saft in kleinen Mengen. Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums nennt Macrogol als erstes Abführmittel für Kinder im Kindergarten- und Schulalter, und es rät ausdrücklich von Paraffinölpräparaten bei Säuglingen und Kleinkindern ab. Kleine Kinder können sich an Öl verschlucken, und Öl in der Lunge kann eine schwere Entzündung auslösen. Was sonst für Olivenöl bei Kindern gilt, fasst der Beitrag Wie viel Olivenöl brauchen Kinder? zusammen.
Olivenöl im Gemüsebrei ist etwas anderes. Ein Löffel Öl gehört in jeden selbst gekochten Mittagsbrei, nur eben als Fettquelle und nicht als Abführmittel. Für den Brei wird in Deutschland meist Rapsöl empfohlen, und ob Olivenöl für Babys eine gute Wahl ist, hängt vor allem an den Fettsäuren. Aus dem Iran ist eine Studie registriert, in der Kleinkindern zwischen einem und vier Jahren eine Salbe mit 85 Prozent Olivenöl auf den Bauch gerieben wurde, verglichen mit Paraffinsalbe. Veröffentlichte Ergebnisse dazu waren nicht zu finden.
Ein Kind mit Verstopfung gehört zur Kinderärztin, wenn Fieber, Erbrechen, ein harter aufgeblähter Bauch, Blut im Stuhl oder fehlendes Gedeihen dazukommen. Neugeborene, die zwei Tage nach der Geburt noch keinen ersten Stuhl hatten, ebenfalls.
In der Schwangerschaft ist Verstopfung häufig, weil Hormone den Darm träger machen und später das Kind auf den Darm drückt. Olivenöl in normalen Küchenmengen ist dabei unbedenklich. Eigene Studien zu Olivenöl gegen Verstopfung bei Schwangeren gibt es nicht, für den Darm gilt deshalb dasselbe wie für andere Erwachsene. Was sonst über Olivenöl in der Schwangerschaft bekannt ist, betrifft vor allem die Ernährung insgesamt. Abführmittel in der Schwangerschaft sollte man mit der Frauenärztin absprechen.

Hund, Katze und das verstopfte Ohr
Tierhalter fragen oft, ob ein Schuss Olivenöl im Futter bei Verstopfung hilft. Für Hunde und Katzen gibt es dazu keine aussagekräftigen Studien. Kleine Mengen gelten bei gesunden Tieren als verträglich, bei Neigung zu Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Übergewicht ist Fett aber problematisch. Hat ein Tier mehr als ein bis zwei Tage keinen Kot abgesetzt, frisst nicht oder presst erfolglos, sollte die Tierärztin draufschauen. Bei Katzen kann hinter vermeintlicher Verstopfung auch ein Harnverhalt stecken, der ein Notfall ist. Wie viel Öl im Napf vertretbar ist, unterscheidet sich zwischen Olivenöl beim Hund und Olivenöl bei der Katze deutlich.
Und das Ohr? Bei einem Gehörgang voller Ohrenschmalz werden häufig ein paar Tropfen Olivenöl zum Aufweichen empfohlen, wie das funktioniert und wo die Grenzen liegen, zeigt Olivenöl gegen Ohrenschmalz. Mit dem Darm hat das nichts zu tun, nur die Suchmaschine wirft beides zusammen.
Wann zum Arzt
Verstopfung, die neu auftritt und nicht mehr weggeht, ist bei Erwachsenen ein Grund für einen Arzttermin, besonders ab dem 50. Lebensjahr. Warnzeichen sind Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, starke Bauchschmerzen, Erbrechen oder bleistiftdünner Stuhl. Ebenso, wenn Abführmittel über Wochen nötig sind. Olivenöl kann einen Versuch wert sein, wenn sonst alles in Ordnung ist. Als Ersatz für eine Abklärung taugt es nicht.
Häufige Fragen
Wie schnell wirkt Olivenöl bei Verstopfung?
Dazu gibt es keine Daten. Die Studien liefen über vier Wochen und haben den Verlauf über diese Zeit gemessen, eine Wirkung innerhalb von Stunden wurde nicht untersucht.
Wie viel Olivenöl soll ich nehmen?
In Studien waren es 4 ml bis zwei Esslöffel am Tag. Mehr bringt nicht automatisch mehr, große Mengen führen eher zu Durchfall und Bauchweh.
Darf ich meinem Baby Olivenöl gegen Verstopfung geben?
Nicht als Abführmittel. Im Brei als normale Fettquelle ist Pflanzenöl in Ordnung. Bei anhaltender Verstopfung entscheidet die Kinderärztin über Mittel und Dosis.
Ist Olivenöl besser als Leinöl?
In der Studie aus São Paulo waren beide ähnlich wirksam wie Paraffinöl, das Olivenöl schnitt bei mehreren Einzelsymptomen etwas besser ab. Für einen sicheren Vergleich ist die Studie zu klein.
Hilft Olivenöl mit Zitrone besser?
Das wurde nicht verglichen. Zitronensaft macht das Öl für viele angenehmer zu schlucken, mehr ist darüber nicht bekannt.
Kann ich Olivenöl dauerhaft nehmen?
Als Teil der normalen Ernährung ja. Wer aber über Monate etwas braucht, um überhaupt Stuhlgang zu haben, sollte die Ursache ärztlich klären lassen.
Quellen
- Ramos CI et al. (2015): The short-term effects of olive oil and flaxseed oil for the treatment of constipation in hemodialysis patients. Journal of Renal Nutrition 25(1):50-56
- ClinicalTrials.gov NCT02103556: Edible Oils in the Treatment of Constipation of Hemodialysis Patients, Federal University of São Paulo
- Joukar F et al. (2025): Comparative efficacy of extra virgin olive oil versus refined olive oil in the treatment of individuals suffering from constipation: a double-blind randomized clinical trial. Caspian Journal of Internal Medicine 16(4):674-685
- Faghihi A et al. (2021): The effect of abdominal massage with extra-virgin olive oil on constipation among elderly individuals: a randomized controlled clinical trial. Int J Community Based Nurs Midwifery 9(4):268-277
- Iranian Registry of Clinical Trials: Olivenölsalbe gegen Paraffinsalbe bei funktioneller Verstopfung von Kindern zwischen 1 und 4 Jahren (Studienprotokoll)
- gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Verstopfung bei Kindern

