Gutes Olivenöl kommt auch aus Tunesien, Portugal und Kroatien

Olivenplantage in Tunesien mit weit auseinanderstehenden Bäumen auf trockenem Boden

Welche Länder sind eigentlich gemeint, wenn auf einer Flasche "Mischung von Olivenölen aus der EU und aus Nicht-EU-Ländern" steht? Mit einiger Wahrscheinlichkeit Tunesien. Das Land gehört zu den größten Olivenölerzeugern der Welt, sein Name steht trotzdem fast nie vorn auf dem Etikett. Portugal, Kroatien, Kalifornien und Australien werden aus ganz anderen Gründen übersehen, wenn man an Spanien, Italien und Griechenland denkt.

Tunesien, der stille Großlieferant

Nach Spanien gehört Tunesien regelmäßig zu den größten Erzeugern weltweit. Für 2024/25 meldete das tunesische Olivenölamt ONH einen Rekord von 340.000 Tonnen, 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 1,8 Millionen Hektar sind mit Ölbäumen bepflanzt, die meisten in der Mitte und im Süden rund um Sfax. Es regnet dort wenig, und die Bäume stehen weit auseinander.

Zwei Sorten bestimmen das Bild. Chemlali macht etwa 70 Prozent der verarbeiteten Oliven aus, trägt kleine Früchte, kommt mit Trockenheit gut zurecht und gibt ein mildes, eher süßliches Öl. Chetoui, rund 10 Prozent, wächst vor allem im Norden. Sie schmeckt deutlich bitterer und schärfer und hat höhere Polyphenolwerte. Viele tunesische Öle sind Mischungen aus beiden.

Ins Ausland geht das meiste unverpackt. Nach tunesischen Zahlen für 2024/25 gingen 26,8 Prozent der Ausfuhren nach Italien, 25,5 Prozent nach Spanien und 20,1 Prozent in die USA, 85 Prozent davon als Fassware. Im Kalenderjahr 2025 wuchs die Exportmenge um 60 Prozent auf 318.000 Tonnen. Die Erlöse sanken trotzdem, weil die Preise stark nachgaben.

In Europa verschwindet dieses Öl dann in Mischungen, deren Rückseite "aus der EU und aus Drittländern" oder "aus Nicht-EU-Ländern" angibt. Die Zeile steht klein gedruckt, aber an einer festen Stelle, und mit etwas Übung beim Lesen eines Olivenöl-Etiketts findet man sie in Sekunden. Schade ist das Ganze, weil es in Tunesien inzwischen Mühlen gibt, die frühe Chetoui-Öle von sehr guter Qualität unter eigenem Namen abfüllen. Man muss sie nur suchen.

Olivenplantage in Tunesien mit weit auseinanderstehenden Bäumen auf trockenem Boden

Portugal und das Wasser aus Alqueva

Vor zwanzig Jahren war Portugal noch auf Importe angewiesen. Seit 2013 deckt das Land seinen Bedarf selbst, und die Exporte liegen inzwischen bei mehr als einer Milliarde Euro im Jahr. Für 2024/25 nennt der Internationale Olivenrat (IOC) 177.000 Tonnen, das Statistikamt INE für 2024 rund 180.000 Tonnen, die zweitgrößte Ernte seit Beginn der Aufzeichnungen. Etwa 90 Prozent stammen aus dem Alentejo im Süden. Fassware geht vor allem nach Spanien und Italien, abgefülltes Öl mit portugiesischer Marke nach Brasilien.

Ermöglicht hat den Sprung das Wasser. Der Stausee von Alqueva speist ein Bewässerungsnetz, das 2024 etwa 127.800 Hektar versorgte, und im Alentejo entstanden damit große Neuanlagen. Gut 74.000 Hektar Olivenhaine hängen laut dem Betreiber EDIA an diesem System, rund 70 Prozent davon als Hecken mit bis zu 2.500 Bäumen je Hektar. Gepflanzt werden dort meist Sorten aus Spanien und Griechenland, etwa Arbequina und Koroneiki, weil sie sich für die Maschinenernte eignen.

Umweltverbände sehen das kritisch. Sie verweisen auf Bodenerosion, den Verlust an Artenvielfalt und darauf, dass sich das bewässerte Land bei wenigen großen Unternehmen sammelt. Wasserverbrauch und Hecken sind auch in Spanien ein Streitthema, und die Umweltbilanz des Olivenanbaus hängt stark davon ab, wie angebaut wird.

Die alten portugiesischen Sorten wachsen weiter in traditionellen, unbewässerten Hainen. Galega Vulgar gibt milde, leicht süße Öle mit Noten von reifem Obst. Cobrançosa ist kräftiger und bitterer, Cordovil de Serpa kennt man aus der Gegend um Serpa und Elvas. Nach diesen Namen lohnt es sich gezielt zu suchen, denn sie schmecken anders als die Arbequina-Öle aus denselben Regionen.

Istrien und die kroatischen Inseln

Kroatien erntet wenig. Laut dem kroatischen Statistikamt DZS waren es 2024 rund 63.000 Hektoliter, also knapp 6.000 Tonnen, und 2025 nach einer schwachen Ernte knapp 46.000 Hektoliter. 2025 führte das Land erstmals mehr Olivenöl ein, als es selbst erzeugte. In Qualitätsführern steht das Land trotzdem weit oben. Flos Olei, der italienische Olivenölführer, hat Istrien in der Ausgabe 2026 zum neunten Mal zur besten Olivenregion der Welt gekürt. Von den 500 ausgewählten Betrieben aus 57 Ländern kommen 68 aus Istrien.

Das ging schnell. 1994 standen in Istrien etwa 350.000 Olivenbäume, und es gab drei Mühlen. Zwanzig Jahre später waren es rund 1,2 Millionen Bäume und 30 Mühlen.

Typisch ist die Istarska bjelica, bitter und scharf, dazu die mildere Buža und die Leccino, die man aus Italien kennt. Weiter südlich in Dalmatien überwiegt die Oblica. Geschützte Herkünfte gibt es für die Inseln Krk (seit 2016 EU-weit), Cres, Korčula und Šolta, außerdem für Istrien, das zunächst national geschützt wurde. Viele Familien pressen nur ein paar tausend Liter. Kleine Mengen, Handernte und Urlauber, die vor Ort einkaufen, treiben den Preis. Unter 20 Euro für einen halben Liter istrisches Spitzenöl habe ich selten etwas gefunden.

Kleiner Olivenhain mit Trockenmauer und Erntenetzen in Istrien, dahinter ein Hügeldorf

Oliven auf anderen Kontinenten

Kalifornien

Mehr als 400.000 Tonnen Olivenöl verbrauchen die USA im Jahr. Selbst erzeugt haben sie 2023/24 laut US-Landwirtschaftsministerium etwa 12.000 Tonnen, fast alles in Kalifornien und dort vor allem im Central Valley. Das deckt weniger als 2 Prozent des Bedarfs, ist aber sechsmal so viel wie vor zwanzig Jahren.

Auf Hecken hat Kalifornien früh gesetzt. 1999 entstanden die ersten superintensiven Anlagen, und bis Ende 2008 zählte das Olive Center der University of California in Davis gut 12.000 Acres, 78 Prozent davon mit Arbequina. Eine Schätzung von 2025 kommt auf etwa 80 Prozent Arbequina, 15 Prozent Arbosana und 5 Prozent Koroneiki. Die katalanische Arbequina und die griechische Koroneiki sind also auch in Amerika die Sorten der Hecke.

Für Käufer interessant ist das Siegel des California Olive Oil Council (COOC). Es verlangt Oliven ausschließlich aus Kalifornien, Öl aus der aktuellen Ernte und Prüfwerte, die strenger sind als die der EU, etwa höchstens 0,5 Prozent freie Säure statt 0,8 und eine Peroxidzahl von höchstens 15 statt 20. Nur bekommt man in Deutschland kaum ein kalifornisches Öl zu kaufen.

Australien

Auf der Südhalbkugel wird von April bis Juli geerntet. Ein australisches Öl ist im europäischen Herbst damit ein halbes Jahr jünger als ein europäisches aus der Vorjahresernte. Die Mengen schwanken stark. Für 2024 nannte der Branchenverband nur 13.000 bis 14.000 Tonnen, nach schlechtem Fruchtansatz und Schäden durch die Olivennetzwanze, andere Schätzungen kommen für 2024/25 auf etwa 19.000 Tonnen. Bei einem Verbrauch von rund 50.000 Tonnen im Jahr deckt Australien etwa ein Drittel selbst.

Größter Erzeuger ist Cobram Estate in Victoria. Nach eigenen Angaben gewann das Unternehmen aus über 80.000 Tonnen Oliven rund 14,2 Millionen Liter Öl. Seit 2018 gibt es außerdem den freiwilligen Branchenkodex OliveCare, der Qualität, Herkunft und Geschmack prüft und laut Verband den Großteil des australischen Öls abdeckt.

Die Mengen nebeneinander

Die Zahlen stammen aus verschiedenen Quellen und Jahren und lassen sich nur grob vergleichen. Zur Einordnung: Die Welternte lag 2024/25 laut IOC bei etwa 3,57 Millionen Tonnen.

Land Erzeugung (Tonnen) Hauptsorten Besonderheit
Tunesien 340.000 (2024/25, IOC) Chemlali, Chetoui größter Exporteur außerhalb der EU, viel Fassware
Portugal 177.000 (2024/25, IOC) Galega, Cobrançosa, Cordovil, dazu Arbequina rund 90 Prozent aus dem Alentejo
Australien 13.000 bis 19.000 (2024) Frantoio, Barnea, Picual, Coratina Ernte von April bis Juli
USA (fast nur Kalifornien) ca. 12.000 (2023/24, USDA) Arbequina, Arbosana, Koroneiki unter 2 Prozent des US-Verbrauchs
Kroatien ca. 3.500 im Schnitt Istarska bjelica, Buža, Oblica, Leccino Istrien gilt als Spitzenregion

Im Supermarkt sind Tunesien und Portugal die wichtigeren Länder, auch wenn man ihre Namen kaum liest. Die Mischangabe auf der Rückseite sagt über die Qualität wenig. Sie zeigt nur, dass der Abfüller die Herkunft je nach Preis und Verfügbarkeit wechseln kann.

Zum Probieren sind die kleinen Länder spannender. Ein istrisches Öl aus Istarska bjelica ist ein guter Anfang, weil der Unterschied zu einem milden Supermarktöl sofort auffällt. Ein portugiesisches Galega-Öl daneben, und man hat zwei Pole auf dem Tisch. Wer danach die großen Erzeuger dagegen schmecken möchte, nimmt eine Picual aus Spanien oder eine Koroneiki aus Griechenland dazu.

Vier Verkostungsgläser mit Olivenöl in Grün- und Goldtönen neben vier Flaschen

Häufige Fragen

Ist tunesisches Olivenöl gut?

Es gibt sehr gute tunesische Öle, vor allem früh geerntete Chetoui-Öle. Das meiste wird aber als Fassware verkauft und in Mischungen verarbeitet, die nicht unter dem Namen Tunesien im Regal stehen.

Was bedeutet "aus Nicht-EU-Ländern" auf dem Etikett?

Dass das Öl ganz oder teilweise außerhalb der EU geerntet wurde. In europäischen Mischungen stammt es häufig aus Tunesien. Über die Qualität sagt die Angabe nichts.

Woher stammt das meiste portugiesische Olivenöl?

Rund 90 Prozent aus dem Alentejo im Süden. Ein großer Teil kommt aus neuen, bewässerten Anlagen im Gebiet des Stausees von Alqueva.

Warum ist kroatisches Olivenöl so teuer?

Die Mengen sind klein, meist handelt es sich um Familienhöfe mit Handernte, und die Nachfrage aus dem Tourismus ist hoch. Im Schnitt erzeugt Kroatien nur etwa 3.500 Tonnen im Jahr.

Gibt es kalifornisches Olivenöl in Deutschland?

Kaum. Die USA erzeugen nur etwa 12.000 Tonnen und decken damit weniger als 2 Prozent des eigenen Bedarfs. Geprüfte Qualität aus Kalifornien erkennt man am COOC-Siegel.

Wann wird in Australien geerntet?

Von April bis Juli. Öl der aktuellen australischen Ernte gibt es deshalb im europäischen Herbst schon zu kaufen.

Quellen

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