Olivenöl-Reise im Herbst, wenn die Mühlen laufen

Frisch geerntete grüne und violette Oliven auf dem Förderband einer Ölmühle

Mitte November riecht man eine laufende Ölmühle auf Kreta oder in Apulien lange, bevor man sie sieht. Grün, nach frisch gemähtem Gras und ein wenig nach Artischocke, dazu Dieselgeruch von den Traktoren, die mit vollen Kisten im Hof warten. In diesen Wochen lohnt eine Olivenöl-Reise am meisten. Den Rest des Jahres bleiben die Museen, und davon gibt es rund ums Mittelmeer mehr, als die meisten Urlauber ahnen.

Oktober bis Januar ist Mühlenzeit

Auf der Nordhalbkugel werden Öloliven ungefähr von Oktober bis Januar geerntet. Frühe, grüne Öle kommen in der Toskana, in Istrien oder am Gardasee oft schon im Oktober in die Flasche, in Andalusien und auf Kreta zieht sich die Ernte je nach Lage und Sorte bis in den Januar und manchmal darüber hinaus. Warum manche Erzeuger früh und andere spät ernten, hat mit Ausbeute, Geschmack und Polyphenolen zu tun, und das erklärt der Beitrag zum richtigen Erntezeitpunkt ausführlich.

Für die Reiseplanung genügt eine Faustregel. Wer die Maschinen laufen sehen will, fährt zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember. Im Sommer stehen die Mühlen still, die Dekanter sind gereinigt, und eine Führung zeigt dann vor allem Edelstahl. Dafür haben die Betreiber Zeit zum Erzählen.

Ein Haken: In der Hochsaison laufen viele Mühlen fast rund um die Uhr. Kleine Familienbetriebe lassen Besucher trotzdem oft einen Blick in die Halle werfen, wenn man fragt und nicht im Weg steht. Größere Betriebe bieten feste Führungen an, die man vorher bucht.

Frisch geerntete grüne und violette Oliven auf dem Förderband einer Ölmühle

Was man in einer modernen Mühle zu sehen bekommt

Die Oliven werden gewogen, entlaubt und gewaschen. Dann zerkleinert eine Hammer- oder Scheibenmühle sie samt Kern zu einem Brei. Dieser Brei wird in Wannen langsam gerührt, die Fachleute nennen das Malaxation. Danach trennt ein Dekanter, eine liegende Zentrifuge, das Öl von Wasser und Trester, und ein Separator klärt das Öl nach. Wie das im Detail funktioniert und warum die Temperatur beim Rühren so viel ausmacht, steht im Text über Malaxation und Dekanter.

Der Moment, auf den alle warten, kommt am Ende der Linie. Aus einem Hahn am Separator läuft trübes, leuchtend grünes Öl. Probiert man es vom Löffel oder auf einem Stück Brot, kratzt es oft kräftig im Hals und schmeckt bitter. Genau dieses Öl verkaufen Mühlen in Italien als olio nuovo, unfiltriert und zum schnellen Verbrauch.

Es ist laut in der Halle, der Boden kann ölig sein, und es riecht intensiv. Feste Schuhe helfen.

Olivenöl-Museen von Sparta bis zum Gardasee

Museen haben den Vorteil, dass sie auch im Juli offen sind. Viele gehören zu einer Mühle oder einem Ölerzeuger, entsprechend endet der Rundgang meistens an der Verkostungstheke. Die folgende Auswahl beruht auf den Angaben der Häuser und von Tourismusseiten. Öffnungszeiten und Preise ändern sich, vor der Fahrt also nachsehen.

Ort Museum Was es zeigt Eintritt laut Quelle
Sparta, Peloponnes Museum der Olive und des griechischen Olivenöls Fossile Olivenblätter von Santorin, Nachbildungen von Linear-B-Tafeln, Pressen von der Vorgeschichte bis zur Motorpresse, Seifenherstellung 6 €, ermäßigt 3 €, dienstags geschlossen
Imperia, Ligurien Museo dell'Olivo Carlo Carli 18 Räume, Garten mit alten Pressen und Ölkrügen, Sammlung von Ölkännchen und Öllampen Dienstag bis Samstag geöffnet, Preis auf der Tourismusseite nicht genannt
Cisano di Bardolino, Gardasee Museo dell'Olio d'Oliva Hebelpresse aus Eichenholz, wassergetriebene Ölmühle, Pressen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert frei
Pula, Istrien Museum Olei Histriae 2.000 Jahre Ölherstellung in Istrien, römische Amphoren, nachgebaute Mühle des 19. Jahrhunderts Grundverkostung im Eintritt enthalten
Škrip, Insel Brač Ölmühlen-Museum der Familie Cukrov Ölmühle von 1864 mit Mahlstein, Spindelpresse und Werkzeug Angaben schwanken, Verkostung gegen Aufpreis
Eggares, Naxos Eggares Olive Press Museum Ölpresse aus den 1880er Jahren mit Originalgeräten, im Besitz der Familie Lianos Führung und Kostprobe kostenlos

Ein paar Hintergründe zu den Häusern in der Tabelle. Das Museum in Sparta öffnete Ende 2002 im Gebäude des alten Elektrizitätswerks und gehört zum Museumsnetz der Kulturstiftung der Piräus-Bank. Die ältesten Stücke sind fossile Blätter, die auf 50.000 bis 60.000 Jahre geschätzt werden. In Cisano di Bardolino eröffnete 1987 nach Angaben des Betreibers das erste italienische Museum zur Geschichte der Ölherstellung, direkt an der Gardesana neben dem Laden des Oleificio Cisano. Bardolino selbst ist eher für Wein bekannt, die Mühle liegt aber nur wenige Minuten südlich am Ufer.

Das Museum in Pula liegt im Zentrum, ein paar Gehminuten vom römischen Amphitheater, und hat im Mai 2017 eröffnet. Die Grundverkostung stellt ein paar istrische Öle neben ein Supermarktöl, was den Unterschied schneller klarmacht als jede Schautafel. Von Split aus erreicht man das Museum in Škrip mit der Fähre nach Supetar und ein paar Kilometern Fahrt ins Inselinnere. Die Mühle lief von 1864 bis 1963, seit 2013 ist sie Museum.

Korfu, Zakynthos und Mallorca

Auf Korfu gibt es mehrere kleine Häuser. Das Olivenmuseum in Kynopiastes steckt in der alten Mühle der Familie Paipetis, die bis in die 1970er Jahre arbeitete, der Eintritt ist frei. Bei Paleokastritsa zeigt die Familie Konstantis in Vistonas Erbstücke aus ihren Mühlen, die seit 1897 laufen. Auf Zakynthos führt das Aristeon in Lithakia durch eine Pressanlage, deren Wurzeln bis 1850 zurückreichen, als noch Tiere den Mahlstein drehten. Auf Mallorca zeigt Sa Tafona de Caimari den alten Mahlstein der Tafona Cas Menescal. Am dritten Novemberwochenende ist in Caimari Olivenmarkt, dann läuft auch die alte Anlage.

Historische Ölpresse aus dunklem Eichenholz mit Spindel in einem Museumsraum mit Steinwänden

Andalusien hat ein Programm daraus gemacht

In der Provinz Jaén wachsen auf großen Flächen fast nur Ölbäume, die Gegend lebt vom Öl. Die Provinzverwaltung, die Diputación de Jaén, bündelt deshalb unter dem Namen Oleotour Jaén Mühlen, Museen, Landgüter, Restaurants und Unterkünfte, die sich auf Olivenöl-Besucher eingestellt haben. Die Universität Jaén untersucht diese Gäste seit Jahren, eine Arbeit von 2017 wertete Besucher der Mühlen in der Provinz aus und fragte, was sie zu so einer Reise bewegt.

Konkrete Angebote sind schnell gefunden. Eine Mühle in Arjonilla, gegründet 1850, bietet Führungen mit Laden ab 15 Euro pro Person an. Die Genossenschaftsmühle Picualia in Bailén führt Besucher anderthalb Stunden durch den Betrieb und lässt zwei Öle probieren. Für Radfahrer gibt es die Vía Verde del Aceite, eine stillgelegte Bahntrasse quer durch die Olivenhaine.

Toskana, Apulien, Kreta und Peloponnes haben kein so geschlossenes Programm. Dort laufen Besuche über einzelne Mühlen, Weingüter mit Olivenhain und Agriturismi. Wie sich die griechischen Anbaugebiete unterscheiden und wo die bekannten Öle herkommen, steht im Porträt zu Kreta und dem Peloponnes.

Selbst ernten statt zuschauen

Olivenernte im Urlaub klingt romantisch, ist aber Arbeit. Netze unter den Bäumen auslegen, Zweige mit Rechen oder Rüttlern abstreifen, Kisten schleppen, oft am Hang. Über Plattformen wie WWOOF, Workaway oder Worldpackers bieten Höfe in Italien und Griechenland Kost und Logis gegen ein paar Stunden Mithilfe am Tag. Ein Hof bei Gythio auf dem Peloponnes suchte zuletzt Helfer von Ende November bis Ende Februar, für vier bis fünf Wochen am Stück. Für 20- bis 30-Jährige gibt es außerdem Plätze im Europäischen Solidaritätskorps, etwa in Kampanien mit Olivenernte von Oktober bis Dezember.

Wer nur ein, zwei Tage mithelfen möchte, fragt am besten direkt bei kleinen Erzeugern oder Agriturismi. Manche Programme für eine Olivenbaum-Patenschaft laden ihre Paten ausdrücklich zur Ernte ein.

Zwei Erntehelfer streifen Oliven mit langen Rechen von den Zweigen

Und die Ölmühle im Spreewald?

Die Suche nach einer Ölmühle zum Besichtigen führt in Deutschland oft nach Straupitz im Spreewald. Die Holländerwindmühle dort vereint Mahlmühle, Ölmühle und Sägewerk unter einem Dach und gilt als letzte Dreifachmühle Europas. Gepresst wird allerdings Leinöl, das als Spreewaldgold im Mühlenladen verkauft wird. Mit Oliven hat das nichts zu tun, die Technik mit Stampfen und Keilpresse ist trotzdem sehenswert.

Ein paar praktische Dinge

  • Vor dem Besuch anrufen oder schreiben. Gerade in der Ernte ändern sich Zeiten kurzfristig.
  • Frisches, unfiltriertes Öl schmeckt am besten in den ersten Monaten. Ein großer Kanister für das ganze Jahr ist bei diesem Öl keine gute Idee.
  • Im Handgepäck sind Flüssigkeiten auf Behälter bis 100 Milliliter begrenzt. Größere Flaschen gehören, gut eingewickelt, in den Koffer.
  • Zu Hause lohnt es sich, das mitgebrachte Öl neben ein Supermarktöl zu stellen. Wie man das systematisch macht, beschreibt die Anleitung zur Verkostung zu Hause.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Reisezeit, um eine Ölmühle in Betrieb zu sehen?

Zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember laufen in Italien, Kroatien, Griechenland und Spanien fast alle Mühlen. In Andalusien und auf Kreta wird oft bis in den Januar geerntet.

Gibt es ein Olivenöl-Museum am Gardasee?

Ja, das Museo dell'Olio d'Oliva in Cisano di Bardolino am Ostufer. Laut Reiseführer ist der Eintritt frei, im angeschlossenen Laden kann man Öle probieren.

Kostet ein Olivenöl-Museum Eintritt?

Unterschiedlich. Viele Museen von Erzeugern sind kostenlos, etwa in Bardolino, auf Naxos oder in Kynopiastes auf Korfu. Das Museum in Sparta verlangt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Kann man im Urlaub bei der Olivenernte mithelfen?

Ja, über Plattformen wie WWOOF oder Workaway, über das Europäische Solidaritätskorps oder direkt bei kleinen Höfen. Üblich ist Mithilfe gegen Unterkunft und Essen, die Arbeit ist körperlich anstrengend.

Quellen

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