Das teuerste Olivenöl der Welt kostete 11.000 Euro

Kleine Olivenölflasche im Geschenkkarton neben einer Literflasche

11.000 Euro. So viel kostete laut einem Bericht von Euronews aus dem Jahr 2017 die teuerste Ausgabe von Lambda, einem griechischen Olivenöl, das sich selbst als teuerstes der Welt bezeichnet. In der Flasche steckt ein halber Liter natives Olivenöl extra aus Koroneiki-Oliven. Das Öl selbst ist gut. Den Preis erklärt es nicht.

Einen offiziellen Rekord für das teuerste Olivenöl gibt es nicht, kein Register und keine unabhängige Stelle, die Preise vergleicht. Der Titel ist eine Werbeaussage, und mehrere Marken nehmen ihn für sich in Anspruch. Mit dem Titel "bestes Olivenöl der Welt" ist es ähnlich, nur dass dort wenigstens Jurys im Spiel sind.

Lambda, eine griechische Marke mit Goldplakette

Hinter Lambda steht Speiron, eine Firma aus Athen, die Giorgos Kolliopoulos 2007 gegründet hat. Das Öl ist eine Mischung aus Koroneiki und, je nach Jahrgang, weiteren griechischen Sorten, Euronews nennt Kolovi. Verkauft wird es in kleinen Glasflaschen mit 100 und 500 Millilitern, verpackt in Geschenkkartons, unter anderem bei Harrods in London.

Als Qualitätsbeweis führt Speiron vor allem den niedrigen Säuregehalt an, Kolliopoulos nannte gegenüber Euronews Werte ständig unter 0,2 Prozent. Die EU erlaubt für natives Olivenöl extra bis 0,8 Prozent. Werte um 0,2 sind bei frisch und sorgfältig verarbeiteten Ölen allerdings ganz normal, viele Öle aus dem Fachhandel liegen dort. Über Frische und Geschmack sagt der Säuregehalt allein ohnehin wenig. Laut Euronews arbeiten vier Leute bis zu fünf Stunden, um hundert Flaschen abzufüllen, jede wird von Hand etikettiert.

Im Oktober 2010 stellte Speiron eine Sonderedition vor, die Bespoke Lambda. Die Flasche wird auf Wunsch graviert, mit Goldplaketten versehen und an jede Adresse der Welt geliefert. Die genannten Preise schwanken je nach Quelle und Jahr. Euronews schrieb 2017 von 200 Euro für eine normale 500-Milliliter-Flasche bis zu 11.000 Euro für eine personalisierte Ausgabe, ältere Berichte nennen umgerechnet rund 15.000 Dollar. Bei der Wikipedia-Seite zur Marke steht ein Hinweis, dass der Artikel werbliche Inhalte enthält.

Aufschlussreich ist ein Bericht der Fachzeitschrift Olive Oil Times von Ende 2010. Damals trennte sich Lambda von seinem bisherigen Lieferanten, der Genossenschaft von Kritsa auf Kreta mit rund 1.000 Mitgliedern. Für den Liter verlangte Lambda zu dieser Zeit etwa 185 US-Dollar. Die Bauern hatten für dasselbe Öl im Vorjahr 2,70 Euro je Kilogramm bekommen. Speiron bestritt später Teile des Berichts. An der Größenordnung ändert das wenig, der Endpreis lag beim Vielfachen dessen, was am Baum verdient wurde.

Kleine Olivenölflasche im Geschenkkarton neben einer Literflasche

Wofür man bei teurem Öl tatsächlich bezahlt

Ein Teil des Preises von sehr gutem Olivenöl hat handfeste Gründe. Grün geerntete Oliven liefern weniger Öl. In einer türkischen Untersuchung mit Oliven aus derselben Anlage, gepresst in derselben Mühle, ergab die frühe Ernte Anfang Oktober 11,4 Prozent Öl, die späte Ernte im Dezember 13,7 Prozent. Handelsquellen nennen noch größere Unterschiede. Wer früh erntet, braucht also für jeden Liter deutlich mehr Oliven, und Handlese an steilen Terrassen kostet ein Vielfaches der Ernte mit Rüttelmaschinen. Bei kleinen Inselbetrieben in Kroatien oder auf Kreta ist Handlese bis heute die Regel.

Dazu kommen kleine Mengen. Ein Familienbetrieb mit ein paar hundert Bäumen kann keine Fixkosten auf Millionen Flaschen verteilen. Die Mühle muss gleich nach der Ernte frei sein, das Öl wird gefiltert, unter Schutzgas gelagert und von Hand abgefüllt. Bei 30 oder 40 Euro je Liter ist das alles bezahlt, auch mit ordentlicher Marge.

Was darüber hinausgeht, ist Verpackung und Inszenierung. Gravierte Flaschen, Gold, Kristall, Holzkisten, Seltenheit als Verkaufsargument. Mit dem Inhalt hat das nichts zu tun, und auch die Polyphenole steigen davon nicht. Wer den normalen Marktpreis vergleicht, sieht den Abstand deutlicher: Im Juni 2026 lag natives Olivenöl extra ab Erzeuger in Spanien unter 4 Euro je Kilogramm, nach dem Rekord von fast 9 Euro im Januar 2024. Das Auf und Ab beim Olivenölpreis folgt vor allem den spanischen Ernten.

Bestes Olivenöl der Welt, ein Titel mit vielen Besitzern

Wer nach dem besten Olivenöl der Welt sucht, landet bei Wettbewerben und Führern. Die beiden bekanntesten sind der NYIOOC World Olive Oil Competition in New York und der italienische Führer Flos Olei, herausgegeben vom Journalisten Marco Oreggia. Beide vergeben keine einzelne Krone. Beim NYIOOC gibt es Gold- und Silbermedaillen, und zwar jedes Jahr viele. Flos Olei vergibt Punkte bis 100 und kürt Sieger in Kategorien, dazu eine beste Region.

Daher kommen die Schlagzeilen, die man in deutschen Medien und Urlaubsforen findet. Ein paar Beispiele, die in Suchanfragen immer wieder auftauchen:

  • Istrien. Flos Olei hat die kroatische Halbinsel 2026 zum neunten Mal zur besten Olivenölregion der Welt erklärt, nach den Jahren 2016 bis 2022 und 2024. Im Führer stehen 500 Erzeuger aus 57 Ländern, 68 davon aus Istrien. Die Ölmühle Mate aus Savudrija steht mit 100 Punkten in der Hall of Fame.
  • Brač. Die dalmatinische Insel ist das größte Anbaugebiet Kroatiens, ihr Öl ist seit 2022 als geschützte Ursprungsbezeichnung in der EU eingetragen. Der kleine Familienbetrieb M I Olive aus Bol, 260 Bäume, gewann 2023 bei seiner ersten Teilnahme am NYIOOC Gold für ein sortenreines Öl aus Levantinka. Aus solchen Meldungen wurde in manchen Berichten das "beste Olivenöl der Welt".
  • Andalusien. Oro del Desierto aus Tabernas in der Wüste von Almería gewann 2026 in New York zweimal Gold und erhält in Flos Olei seit Jahren 99 Punkte. Im Dreiliterkanister kostet es im spanischen Fachhandel um 17 Euro je Liter.

Das letzte Beispiel ist das lehrreichste. Eines der am höchsten bewerteten Öle der Welt kostet im großen Gebinde einen Bruchteil einer Lambda-Flasche. Medaillen sagen etwas über die Qualität eines bestimmten Öls aus einem bestimmten Jahr. Sie gelten nicht für die Marke insgesamt und nicht für die nächste Ernte. Auch die Teilnahme kostet Gebühren, und wer nicht einreicht, bekommt keine Medaille, egal wie gut sein Öl ist. Stiftung Warentest und Öko-Test arbeiten anders, sie kaufen anonym im Laden ein, und deshalb kommen Verbrauchertests und Wettbewerbe oft zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

Alte Olivenbäume auf steinigem Boden an der dalmatinischen Küste bei Makarska

Griechenland, Italien, Kroatien im Preisvergleich

Nach dem teuersten griechischen Öl gefragt, landet man fast immer bei Lambda. Für Italien gibt es keine einzelne Marke mit einem vergleichbaren Anspruch, eher eine breite Spitze aus kleinen Erzeugern in der Toskana, in Apulien und Sizilien, die bei Flos Olei 2026 neben Istrien zu den stärksten Regionen gehörten. Kroatische Spitzenöle sind im Verhältnis zu ihrer Menge auffällig teuer, weil die Betriebe klein sind, viel Handarbeit in steilen Lagen steckt und ein großer Teil an Touristen direkt ab Hof verkauft wird. Unter den Herkunftsländern abseits von Spanien, Italien und Griechenland gehört Kroatien zu den kleinen, holt aber auffällig viele Medaillen.

Woran man gutes Öl erkennt, ohne auf den Preis zu schauen

Der Preis allein trennt kein gutes Öl von einem schlechten. Ein paar Dinge auf dem Etikett helfen mehr: ein Erntejahr, das nicht länger als ein bis zwei Jahre zurückliegt, eine Angabe der Sorte, ein konkreter Ort oder eine Mühle statt nur "EU-Öl". Manche Erzeuger geben den Polyphenolgehalt an. Ab 250 Milligramm Hydroxytyrosol und Derivaten je Kilogramm darf ein Öl den EU-Health-Claim tragen: Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Die Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 20 g Olivenöl ein. So steht es in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Öle mit sehr hohen Werten werden als High Phenolic vermarktet und sind tatsächlich oft teuer, schon weil sie aus sehr früh geernteten Oliven bestimmter Sorten stammen.

Und dann bleibt der eigene Geschmack. Ein frisches, gutes Öl riecht nach Gras, Tomatenblatt oder Artischocke, schmeckt leicht bitter und kratzt im Hals. Ob es 15 oder 50 Euro gekostet hat, schmeckt man dagegen nicht.

Häufige Fragen

Welches ist das teuerste Olivenöl der Welt?

Am häufigsten genannt wird Lambda aus Griechenland. Eine personalisierte Ausgabe kostete je nach Bericht zwischen 11.000 Euro und rund 15.000 Dollar. Ein offizieller Rekord existiert nicht, der Titel stammt vom Hersteller selbst.

Welches ist das beste Olivenöl der Welt?

Ein einzelnes bestes Öl gibt es nicht. Wettbewerbe wie der NYIOOC vergeben jedes Jahr viele Goldmedaillen, der Führer Flos Olei vergibt Punkte und Kategoriesiege. Die Ergebnisse gelten für ein Öl aus einer Ernte.

Kommt das beste Olivenöl der Welt aus Kroatien?

Istrien wurde von Flos Olei 2026 zum neunten Mal zur besten Olivenölregion erklärt, und Betriebe von Brač gewinnen regelmäßig Medaillen in New York. Daraus folgt nicht, dass jedes kroatische Öl besser ist als ein italienisches oder spanisches.

Was kostet ein sehr gutes Olivenöl normalerweise?

Prämierte Öle kleiner Erzeuger liegen meist zwischen etwa 15 und 50 Euro je Liter, im Kanister günstiger als in kleinen Flaschen. Höhere Preise bezahlen eher Verpackung und Marke als den Inhalt.

Quellen

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