Die Olivenernte, Fragen und Antworten zur neuen Saison

Olivenernte mit Handkämmen und Netzen unter alten Olivenbäumen

Am 1. Oktober hat in Spanien offiziell das neue Olivenöljahr begonnen, und in diesen Wochen laufen von Jaén bis Kreta nach und nach die Mühlen an. Wann wird geerntet, wie viel Öl ist zu erwarten, und was heißt das für Geschmack und Preis? Die Antworten unten stützen sich auf die Zahlen, die Mitte Oktober 2026 für die Saison 2026/27 vorliegen. Bis zum Frühjahr werden sich die Schätzungen noch verschieben, in die eine oder andere Richtung.

Frage Kurze Antwort
Wann wird geerntet? Auf der Nordhalbkugel meist von Oktober bis Januar.
Wann kommt das neue Öl zu uns? Die ersten Flaschen meist ab Ende November, viele Versender liefern im Dezember.
Wie viele Oliven für einen Liter? Meist 5 bis 6 kg, bei früher Ernte bis knapp 8 kg.
Wie fällt die neue Saison aus? Spanien und Griechenland erwarten deutlich mehr, Italien weniger.
Wird Olivenöl billiger? Die Erzeugerpreise sind gesunken, im Laden kommt das mit Verzögerung an.
Olivenernte mit Handkämmen und Netzen unter alten Olivenbäumen

Wann werden Oliven geerntet?

Auf der Nordhalbkugel zwischen Oktober und Januar. Wann genau, hängt an Sorte, Region und dem Öl, das der Erzeuger haben will. Früh im Oktober und November geerntete Oliven sind noch grün oder färben sich gerade um. Sie geben weniger Öl, das dafür grün, bitter und scharf schmeckt und meist mehr Polyphenole enthält. Bis Dezember und Januar steigt die Ölmenge, und das Öl wird milder und gelber. Bei der griechischen Hauptsorte Koroneiki erreichten die Phenole in Versuchen im Oktober und November ihren Höchststand. Wie Mühlen und Forschung den Reifegrad messen, beschreibt der Beitrag zum Erntezeitpunkt.

Auf der Südhalbkugel, in Chile, Argentinien, Südafrika oder Australien, ist es umgekehrt. Dort fällt die Ernte in den dortigen Herbst, also ungefähr in die Monate April bis Juli. Gerechnet wird in den großen Erzeugerländern übrigens in Wirtschaftsjahren vom 1. Oktober bis zum 30. September. Deshalb spricht man von der Saison 2026/27 und nicht von der Ernte 2026.

Wer die Ernte selbst erleben möchte, reist am besten im November. Dann wird in den Mühlen tatsächlich gearbeitet, mehr dazu unter Olivenöl-Reise im Herbst.

Wie wird geerntet?

Je nach Anlage auf vier Arten. In alten Hainen am Hang wird noch von Hand gepflückt oder mit Kämmen und Stöcken abgestreift, die Früchte fallen in ausgelegte Netze. Handgeräte mit vibrierenden Kämmen beschleunigen das. Stammrüttler packen den Baum am Stamm und schütteln ihn einige Sekunden lang. In Heckenpflanzungen fahren Vollernter über die Reihen, ähnlich wie bei der Weinlese. Eine italienische Kostenrechnung kam für die reine Handernte auf rund 3.300 Euro je Hektar, Stammrüttler mit Netzen senkten die Kosten um 59 bis 72 Prozent. Was danach bis zur Flasche passiert, steht im Beitrag Wie aus Oliven in wenigen Stunden Öl wird.

Stammrüttler schüttelt einen Olivenbaum, die Oliven fallen in einen Auffangschirm

Lange wurde in den Heckenanlagen Andalusiens auch nachts geerntet, weil es kühler ist und die Maschinen rund um die Uhr laufen können. Dabei wurden Singvögel, die in den Baumreihen schliefen, von den Maschinen eingesaugt. Ein Bericht der andalusischen Regierung kam 2018 hochgerechnet auf etwa 2,6 Millionen getötete Vögel je Saison. Seit 2019 ist die nächtliche Maschinenernte in Andalusien gestoppt, andere spanische Regionen und Portugal haben ähnliche Regeln. Die Hintergründe stehen im Beitrag über Olivenanbau und Umwelt.

Wie viele Oliven stecken in einem Liter?

Meistens 5 bis 6 Kilogramm. Bei sehr reifen, ölreichen Früchten reichen gut 4 Kilogramm, bei früh geernteten grünen Oliven sind es knapp 8. Wie viel Öl aus 100 Kilogramm Oliven kommt, nennen die Müller Ausbeute. In Spanien lag sie in der Saison 2024/25 im Mittel bei gut 18 Prozent. Warum ein früh geerntetes Öl deshalb mehr kosten muss, rechnet der Beitrag zur Ölausbeute vor.

Was ist über die Saison 2026/27 bekannt?

Für die wichtigsten Länder liegen im Oktober erste Schätzungen vor. Sie stammen teils von Behörden, teils von Verbänden und Fachmedien, und sie werden im Lauf der Ernte noch korrigiert.

Land Schätzung 2026/27 Quelle
Spanien rund 1,6 Mio. t Öl, 23 % mehr als im Vorjahr Landwirtschaftsministerium, 1. Oktober 2026
davon Andalusien 1,26 Mio. t, knapp 24 % mehr Junta de Andalucía, 29. September 2026
Griechenland 280.000 bis 330.000 t, meist genannt rund 300.000 t Branchenberichte, September und Oktober 2026
Italien rund 260.000 t, etwa 25 % weniger Schätzung von ItaliaOggi und Teatro Naturale
Portugal etwa 10 % mehr Verband Olivum

Spanien ist der Taktgeber. Das Land erzeugt in normalen Jahren rund 40 Prozent des Olivenöls der Welt, und allein die Provinz Jaén soll diesmal 575.000 Tonnen liefern. Begünstigt hat die Ernte nach Angaben der andalusischen Regierung ein sehr regenreicher Winter. Die ungewöhnlich hohen Temperaturen im Sommer, in Teilen Andalusiens bis 42 oder 44 Grad, haben das Potenzial dagegen begrenzt. Auch Bio wächst kräftig, Andalusien rechnet mit 60.400 Tonnen Bio-Olivenöl.

In Griechenland wäre eine Ernte von 300.000 Tonnen die größte seit 2022/23. Auf Kreta könnte sich die Menge gegenüber dem schwachen Vorjahr mit rund 40.000 Tonnen ungefähr verdoppeln, in Messenien auf dem Peloponnes werden über 60.000 Tonnen erwartet. Italien dagegen rechnet mit weniger Öl. Das staatliche Institut Ismea hat für 2026/27 noch keine Zahl genannt, nachdem es die Vorsaison auf rund 325.000 Tonnen geschätzt hatte. Die Fachzeitschrift Teatro Naturale und die Zeitung ItaliaOggi gehen von etwa 260.000 Tonnen aus. Im Süden schlagen Trockenheit in unbewässerten Hainen und die Alternanz durch, Apulien und Sizilien liegen demnach rund 30 Prozent unter dem Vorjahr, Kalabrien 40 Prozent. Für Tunesien wird eine Schätzung im Oktober oder November erwartet. Wie die Ernte in den einzelnen Ländern aussieht, beschreiben die Beiträge zu Spanien, Griechenland und Italien.

Was bedeutet das für den Preis?

Bei den Erzeugern hat sich der Preis schon bewegt. Natives Olivenöl extra kostete ab Erzeuger in Spanien nach dem Preissystem Poolred in der letzten Septemberwoche 2026 rund 3,38 Euro je Kilogramm. Im Juni waren es noch 3,80 Euro, im Januar 2024 auf dem Höhepunkt der Krise fast 9 Euro. In Griechenland lag gutes Öl im September bei 3,90 bis 4,20 Euro je Kilogramm, nach einem Spitzenwert von etwa 9,50 Euro.

Für viele Betriebe ist das knapp. Griechische Erzeuger rechnen mit Kosten von 3 bis 3,50 Euro je Kilogramm, mit aller Arbeit und Ernte eher mit 4 bis 5 Euro. Erntehelfer bekommen dort inzwischen 60 bis 80 Euro am Tag, vor fünf Jahren waren es 30 bis 35. In Spanien arbeitet nach Berechnungen des Verbands AEMO ein großer Teil der traditionellen Haine bei diesen Preisen unter Kosten.

Im Supermarkt kommen solche Bewegungen mit einigen Monaten Verzögerung an, und ein Großteil des Ladenpreises sind ohnehin Flasche, Abfüllung, Transport, Handel und Steuer. Ob und wie stark die Preise im Regal weiter nachgeben, entscheidet sich erst im Lauf des Winters. Wie sich ein Literpreis zusammensetzt, rechnet der Beitrag Warum Olivenöl so teuer wurde Posten für Posten vor.

Warum schwankt die Ernte so stark?

Weil gleich mehrere Dinge zusammenkommen müssen. Olivenbäume tragen selten jedes Jahr gleich viel. Auf ein volles Jahr folgt oft ein mageres, die Fachleute sprechen von Alternanz, und in Süditalien ist genau das in dieser Saison einer der Gründe für die kleinere Ernte. Mehr dazu steht im Beitrag Warum ein Olivenbaum blüht und trotzdem keine Oliven trägt.

Dazu kommt das Wetter. Regen im Winter füllt die Böden, Hitze in der Blüte im Mai und Juni kostet Früchte, und anhaltende Dürre lässt die Oliven klein bleiben. Wie stark das wirkt, haben die Jahre 2022 und 2023 gezeigt, als die spanische Ernte zweimal hintereinander einbrach. Schädlinge spielen ebenfalls mit. Die Olivenfliege kann in feuchten Jahren große Teile einer Ernte verderben. In Italien hat ihr die Hitze dieses Jahr offenbar zugesetzt, sie gilt dort für die laufende Saison nicht als Problem. Langfristig kommen Klimawandel und das Bakterium Xylella hinzu, das im Salento in Apulien einen großen Teil der alten Bäume getötet hat.

Wann gibt es Öl aus der neuen Ernte?

Frisch gewonnenes, trübes Olivenöl läuft in einer Ölmühle in einen Edelstahlbehälter

In Italien ab Ende Oktober direkt in Mühlen und Hofläden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz erscheinen die ersten Flaschen mit dem Hinweis neue Ernte meist ab Ende November, viele Versender liefern im Dezember. Das frische, oft ungefilterte Öl der ersten Wochen heißt in Italien olio nuovo, in Griechenland heißt grünes Öl aus unreifen Oliven agourelaio. Es schmeckt besonders kräftig und sollte innerhalb von zwei bis drei Monaten verbraucht werden. Mehr dazu unter Olio nuovo, das Öl der neuen Ernte und gefiltert oder ungefiltert.

Woran erkennt man, aus welcher Ernte ein Öl stammt? Am sichersten am Erntejahr auf dem Etikett. Es ist freiwillig, darf aber nur angegeben werden, wenn der ganze Inhalt aus dieser Ernte stammt. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum allein sagt darüber wenig. Welche Angaben auf der Flasche verbindlich sind, steht im Beitrag Das Olivenöl-Etikett, Zeile für Zeile gelesen.

Häufige Fragen

Wann beginnt die Olivenernte?

Auf der Nordhalbkugel meist im Oktober. Für sehr frühes, grünes Öl beginnen manche Betriebe schon Anfang Oktober, die Haupternte läuft im November und Dezember und zieht sich in manchen Regionen bis in den Januar.

Wie lange dauert die Ernte in einem Hain?

Das hängt an Fläche, Gelände und Technik. In mechanisierten Heckenanlagen schafft ein Vollernter große Flächen an einem Tag, in steilen Hainen mit Handernte dauert dieselbe Fläche ein Vielfaches.

Warum ist Öl aus früher Ernte teurer?

Weil grüne Oliven weniger Öl enthalten. Für einen Liter braucht man knapp 8 statt 5 bis 6 Kilogramm Oliven, und grüne Früchte sitzen fester am Baum, was die Ernte langsamer macht.

Werden Oliven noch nachts geerntet?

In Andalusien ist die nächtliche Maschinenernte seit 2019 gestoppt, weil dabei Millionen schlafender Singvögel getötet wurden. Andere spanische Regionen und Portugal haben ähnliche Regeln eingeführt.

Woran erkenne ich Öl aus der neuen Ernte?

Am Erntejahr auf dem Etikett. Es darf nur stehen, wenn das ganze Öl aus dieser Ernte stammt. Noch genauer sind ein Ernte- oder Abfülldatum, wenn der Erzeuger sie angibt.

Wird Olivenöl in dieser Saison billiger?

Die Erzeugerpreise sind seit dem Sommer weiter gesunken, und Spanien wie Griechenland erwarten größere Ernten. Im Laden kommt das mit Verzögerung an. Wie weit die Preise im Regal nachgeben, zeigt sich erst im Lauf des Winters.

Quellen

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